YACHT
· 18.03.2023
Liebe Leserinnen und Leser,
ein Törn kann kurz sein und doch wie eine ausgedehnte Segel-Auszeit wirken – das hat unser Autor Detlef Teufel gerade in der Geschichte über seine dreitägige Bodensee-Runde im Opti beschrieben.
Vermutlich kennen wir alle dieses Phänomen, dass die Uhren beim Fahrtensegeln anders ticken. Doch woran liegt es, dass ein einziger Tag auf dem Wasser die eigenen Akkus so füllen kann wie eine ganze Urlaubswoche? Dass sieben Tage auf Törn manchmal wie ein ganzer Monat wirken? Sind es die vielen Eindrücke zwischen Ab- und Anlegen, die unvergesslichen Momente auf See wie an Land?
Vor einiger Zeit haben wir einen Bericht über Mini-Segelauszeiten gebracht (YACHT 20/2019). Es ging um den kurzen Schlag zwischendurch, den Nachmittag oder Feierabend auf dem Wasser. Eignerin Heike Prange erzählte darin, dass ihr zwei oder drei Stunden reichen, um den Kopf freizubekommen. Manchmal mit Freunden auf deren Booten, manchmal mit einem Ankerstopp hinter einer Elbinsel. „Und dann im Anschluss eine Pizza im Beach-Club – dann ist das der perfekte Tag“, so die Seglerin.
Der Diplom-Psychologe und Segler Dr. Ewald Piel erklärte in dem Artikel, warum schon ein Nachmittag auf dem Wasser so guttut, warum auch kurze Törns positive Effekte auf die Gesundheit haben und sogar Krankheiten vorbeugen können. „Um einen messbaren Effekt erzielen zu können, sollte man aber regelmäßig segeln, vielleicht zweimal pro Woche“, so Piel. Dann habe ein Schlag auf dem Wasser eine ähnliche Wirkung wie autogenes Training oder andere Entspannungsverfahren.
Der Psychologe erläuterte auch, warum das so ist: Stress wird abgebaut, die körperliche Aktivität beim Segeln führt zur Ausschüttung von Endorphin und einem damit einhergehenden Hochgefühl. Gemeinsam mit der Crew auf ein Ziel hinzuarbeiten gibt gegenseitige Bestätigung. Zudem trifft beim Segeln Sonnenlicht auf die Haut, die Melatonin produziert – einen Ausgangsstoff für Serotonin, welches das Gehirn für eine Hochstimmung braucht. Die Geschichte hieß „Die kleine Dosis Glück“.
Kein Wunder also, dass viele süchtig werden nach diesem Glück und es nicht bei der kleinen Dosis belassen wollen (oder können?), sondern zur großen Segel-Auszeit aufbrechen. So wie Astrid und Ulrike Ewe, die immer wieder zu herausfordernden Törns gen Norden starten, so wie Martin Finkbeiner, der schon als junger Mann um die Welt segelte, so wie Mikro-Bootsbauer Thorsten Bender, der eine große Ostseetour im Kleinkreuzer plant.
Reisen wie diese inspirieren, selbst mal für ein Weilchen loszusegeln. Natürlich auch mich. Für den kommenden Sommer steht daher „Segel-Auszeit“ im Kalender. Ich bin schon jetzt gespannt, wie lang – oder kurz – sie sich anfühlen wird.
Übrigens hat auch Detlef Teufels Opti-Auszeit auf dem Bodensee schon andere inspiriert. Kurz nach dem Erscheinen seines Essays erreichte die Mail eines Lesers die Redaktion. „Welch wunderbarer Törnbericht über das Glück eines Fahrtenseglers“, schrieb der Verfasser. „Es wird mein Vorsatz für die kommende Segelsaison sein, das Fahrtenglück im Kleinen zu suchen, anstatt nur vom Großen zu träumen.“ Ein einfach guter Plan!
Kristina Müller, YACHT-Redakteurin
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