Saisonstart SpecialAntifouling erneuern, Schäden am Rumpf sanieren

YACHT-Redaktion

 · 22.03.2022

Saisonstart Special: Antifouling erneuern, Schäden am Rumpf sanierenFoto: YACHT/K. Andrews

Die richtige Pflege des Unterwasserschiffes ist wichtig, um Bewuchs und Osmose zu verhindern. Alles zum Thema Antifouling und Rumpf-Kiel-Verbindung

Inhalte des Specials:

Das Unterwasserschiff sollte be­reits im Herbst gründlich gerei­nigt werden. Das kann mit einem Hochdruckreiniger geschehen, nur sollte man dabei sehr aufpassen, sonst schießt man nicht nur den Bewuchs und Po­cken herunter, sondern auch gleich das An­tifouling.

  Vorsicht mit dem Hochdruckreiniger, er kann auch selbstpolierendes Antifouling ausdünnen. Besser sind SchleifpadsFoto: YACHT
Vorsicht mit dem Hochdruckreiniger, er kann auch selbstpolierendes Antifouling ausdünnen. Besser sind Schleifpads

Insbesondere gilt das für selbst­ polierende Antifoulings, die sich bei einer Hochdruckreinigung sehr schnell ausdün­nen können. Deshalb lieber mechanisch mit einem Schleifpad reinigen.

Besonderes Au­genmerk sollte dem Wasserpassbereich gel­ten, wo die Verschmutzungen am stärksten sind. Dort sollten Seife oder andere fettlö­sende Mittel wie Spüli verwendet werden.

Der Herbst ist auch der beste Zeitpunkt, sein Schiff auf eventuelle Osmoseschäden zu überprüfen. Dazu gilt es, den Rumpf hin­sichtlich Blasenbildung zu untersuchen, diese ist im Herbst am ausgeprägtesten. Das Boot hat zuvor rund sechs Monate im Was­ser gelegen und Wasser aufgenommen. Falls eine Zersetzungsreaktion in Gang gekom­men ist, haben die Osmosebläschen zu die­sem Zeitpunkt ihre maximale Ausdehnung und sind am besten zu erkennen.

  Auf Osmose prüfen: Per Streiflicht lassen sich Osmoseblasen erkennen, am besten im Herbst. Sind sie zu sehen, einen Fachmann konsultierenFoto: YACHT / Hauke Schmidt
Auf Osmose prüfen: Per Streiflicht lassen sich Osmoseblasen erkennen, am besten im Herbst. Sind sie zu sehen, einen Fachmann konsultieren

Über die Wintermonate diffundiert die Flüssigkeit durch das Gelcoat wieder nach außen, der Druck in den Blasen nimmt ab, und es kann sein, dass im Frühjahr nichts mehr von ihnen zu sehen ist. Dann schleift der Eigner viel­leicht fleißig das ganze Unterwasserschiff und merkt erst danach, dass ein Osmose­schaden vorhanden ist. Dann war die ganze Arbeit für die Katz, weil das Antifouling bei einer Osmosebehandlung sowieso herun­tergestrahlt werden würde. Zur Osmose­erkennung nutzt man am besten das Son­nenlicht als Streiflicht oder erzeugt dieses mit einer Taschenlampe. Dabei werfen die Blasen Schatten und sind sehr gut zu erken­nen. Sollte man welche finden, ist es am besten, einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Wozu braucht man Antifouling?

Wer sein Boot nach jedem Schlag aus dem Wasser holt, ist fein raus, denn über bremsenden Bewuchs braucht er sich keine Gedanken zu machen. Sobald das Schiff länger im Wasser bleibt, sieht es anders aus. Damit die Yacht nicht unversehens zur von Muscheln und Pocken überzogenen Immobilie gerät, muss das Unterwasserschiff vor Be­siedelung durch Algen und Organismen geschützt werden.

Wie schnell sich der Bewuchs ansiedelt, hängt von diversen Faktoren ab – hauptsäch­lich vom Revier und den klimatischen Einflüssen auf Wassertemperatur und Salz­gehalt sowie dem Nährstoffangebot. Auch das Nutzungsverhalten spielt eine Rolle. Liegt die Yacht lange still, wird sie schneller besetzt als ein häufig bewegtes Schiff.

Aber selbst ständiges Segeln schützt nicht vor Bewuchs. Irgendwann bildet sich ein Bio­film, der von der Anströmung nicht mehr abgewaschen wird. Dieser dient als Grundlage für die weitere Besiedelung durch Pocken und Muscheln. Um deren Ausbreitung zu verhindern, gibt es mehrere Strategien. Der klassische Ansatz führt über Biozide, also Giftstoffe, die den Bewuchs abtöten.

Welche Antifoulings sich für welche Reviere eignen, ist im Bewuchsatlas des Umweltbundesamtes nachzulesen.

Selbstpolierend   Ein über das feuchte Antifouling geriebener Schwamm verfärbt sich deutlich. Der selbstpolierende Anstrich kann in der Regel mit allen selbstpolierenden Produkten über­strichen werden
Foto: Hauke Schmidt

Unterwasserschiff für das Antifouling vorbereiten

  Beim Schleifen ist auf sehr gute Absaugung und Arbeitsschutzkleidung zu achten. Eine hochwertige Staummaske ist PflichtFoto: YACHT/A. Worms
Beim Schleifen ist auf sehr gute Absaugung und Arbeitsschutzkleidung zu achten. Eine hochwertige Staummaske ist Pflicht

Wer die Reinigung im Herbst versäumt hat, muss im Frühjahr umso mehr Vorarbeit leisten. Normalerweise benötigt selbstpolie­rendes Antifouling keinen Anschliff vor dem Neuauftrag einer frischen Schicht. Wurde aber der Algenbewuchs im Herbst nicht ent­fernt, liegt er jetzt als getrocknete Schicht auf dem Antifouling. Da hilft meist nur Anschlei­fen, um spätere Ablösungen zu vermeiden.

Grundsätzlich gilt für selbstpolierende Antifoulings: Solange Antifouling auf dem Rumpf vorhanden ist, solange wirkt es auch. Wenn die alte Antifoulingschicht also noch intakt ist, gibt es keinen Grund, sie überzu­streichen – das ist umweltschädlich, kostet Geld und Zeit.

Das Problem dabei ist nur zu erkennen, ob noch ausreichend Antifouling vorhanden ist. Ein Trick ist, mit verschiedenen Farben zu arbeiten. So spritzen etwa die Lackierprofis der Peter Wrede GmbH in Wedel bei Hamburg die ers­te Schicht Antifouling in Grün, erst danach die eigentliche Nutzschicht in der empfohlenen Schichtstärke. Solange dann kein Grün zu sehen ist, muss auch nicht neu gestrichen werden.

  Antifouling-Auftrag in verschiedenen FarbschichtenFoto: YACHT/O. Blanchet
Antifouling-Auftrag in verschiedenen Farbschichten

Das kann man auch bei bestehendem Antifouling nachstel­len, indem die erste Schicht etwa in einem hellen Grau gestrichen wird und danach erst im finalen Farbton. Das geht aber nur, wenn die erste Schicht auch ein Antifouling ist. Ein andersfarbiger Primer eignet sich nicht. Denn sobald dieser zu sehen ist, befindet sich kein Antifouling mehr auf dem Rumpf, und er be­wächst.

Hartantifouling muss im Gegensatz zu selbstpolierendem immer angeschliffen werden, wenn es verbraucht ist und neu aufgebracht werden soll. Beim Antifoulingauftrag sollte mit einer Schaumrolle oder einer kurzhaarigen Mohairrolle gearbeitet werden. Dabei lieber zweimal dünn als einmal dick auftragen. Vorher die Farbdose auf Raumtemperatur bringen und gut aufrühren.

Taupunkt beim Antifoulingauftrag beachten

  Mit einem Laser-Thermometer lässt sich die Rumpftemperatur bestimmenFoto: YACHT/Hauke Schmidt
Mit einem Laser-Thermometer lässt sich die Rumpftemperatur bestimmen

Beim Antifoulingauftrag sollte darauf geachtet werden, dass der Taupunkt nicht überschritten wird. Ein Eigner wird zwar nie die idealen Bedingungen haben wie etwa ein Profilackierer, aber er kann zumindest grobe Schnitzer vermeiden. Das heißt, der Rumpf muss immer die Temperatur der Umgebungsluft haben oder wärmer sein. Wenn der Rumpf kälter ist als die Luft, kondensiert die Luftfeuchtigkeit auf ihm, und man streicht das Antifouling auf einen Feuchtigkeitsfilm. Das kann zu schlechter Haftung und später zu Ablösungen führen. Die guten Bedingungen herrschen meistens nachmittags, wenn die Temperaturen wieder fallen, der Rumpf aber noch vom Tag erwärmt ist. Morgens geht ein Antifoulingauftrag auf jeden Fall schief. Denn aus der Nacht heraus ist der Rumpf noch kalt, die Luft erwärmt sich aber schneller, und die Yachten schwitzen.

Den Temperaturunterschied zwischen Rumpf und Luft kann man auch einfach mit einem Laser-Thermometer aus dem Baumarkt für den Rumpf und einem normalen Thermometer für die Luft messen. Dabei aber nicht nur den Rumpf messen, sondern auch den Kiel, denn der ist normalerweise kälter, weil er sich langsamer erwärmt. Wer beim Antifoulingauftrag die Möglichkeit hat, das Boot nach draußen zu fahren, sollte das tun, zumindest aber sollte das Hallentor geöffnet werden. So kann der Rumpf besser abtrocknen, und außerdem können die Lösemittel besser verfliegen.

Kiel-Rumpf-Verbindung kontrollieren

  Solche Abplatzungen sind ein Alarmsignal und sollten von einem Profi begutachtet werdenFoto: YACHT
Solche Abplatzungen sind ein Alarmsignal und sollten von einem Profi begutachtet werden

Beim Kiel sollte auf mechanische Schäden geachtet werden, vor allem, wenn es eine Grundberührung gab – ob es also an der Vorderkante Auflaufschäden gibt oder Abplatzungen oder Haarrisse an der Kielwurzel und dem Rumpf. Außerdem prüfen, ob sich die Fugenmasse zwischen Kiel und Rumpf gelöst hat. Ist das der Fall, ist keine ausreichende Flankenhaftung des Kiels mehr vorhanden, und der Kiel kann arbeiten. Außerdem kann dann Wasser in die Konstruktion eindringen und rumpfseitig Osmose- und kielseitig Korrosionsschäden verursachen.

Da diese Fugenmasse im Laufe der Jahre versprödet, sollte sie von Zeit zu Zeit erneuert werden. Die Fuge einfach mit einem scharfen Messer wie einem Teppichmesser ausschneiden und mit einer Polyurethan-Dichtmasse neu verfugen. Dafür gibt es etliche Produkte wie Saba, Pantera oder Sikaflex. Da dieser Bereich aber wegen Osmose- und Korrosionsschutz sehr sensibel ist, sollte man das vielleicht lieber einem Fachmann überlassen, bevor man selber daran geht und wild drauflosschmiert.

Zugleich sollten die Kielbolzen innen auf festen Sitz und die Umgebung auf Haarrisse oder Abplatzungen des Topcoats kontrolliert werden. Im Zweifel unbedingt einen Fachmann hinzuziehen. Aber auch das macht man besser im Herbst, denn falls es größere Schäden gibt, welche eine umfangreichere Reparatur erfordern, bleibt im Winter ausreichend Zeit dazu.

Roststellen richtig behandeln

  Mit dem Excenterschleifer lässt sich nur oberflächlich Rost entfernenFoto: YACHT/H.-G. Kiesel
Mit dem Excenterschleifer lässt sich nur oberflächlich Rost entfernen

Rost auf dem Kiel ist kein generelles Alarmzeichen, außer er tritt im Bereich der Rumpfanbindung auf; am Kiel ist es eher ein optisches Problem. Außerdem haftet das Antifouling vielleicht nicht so gut auf Rost. Es macht aber keinen Sinn, mit einer Flex oder Bürste dem Rost zu Leibe zu rücken und dann eine Sperrschicht wie Primocon aufzubringen – mit der Flex kommt man nicht in die Korrosionseinfressungen hinein. Der Rost wäre bald wieder an der Oberfläche.

Nur der Sandstrahl dringt in diese Einfressungen ein und garantiert einen metallisch reinen Untergrund. Auch das Aufbringen des Korrosionsschutzes ist nicht mit ein oder zwei Schichten erledigt. Eine Schicht bringt etwa 20 Mikrometer, drei Schichten folglich 60, aber Korrosionsschutz fängt im dauerhaft salzwasserbelasteten Bereich erst bei 350 Mikrometer an.

Worauf muss man noch achten?

Seeventile und Schläuche: Ein klassischer Schadenfall sind laut Versicherungsmakler Pantaenius offen gelassene Ventile, von denen der Schlauch abrutscht oder aufgrund von Alterungserscheinungen Leckagen aufweist. Folgende Fragen sollte man sich stellen:

  Alle Ventile mehrfach öffnen und schließen, um sie gängig zu halten. Bleiben sie schwer bedienbar, sollten sie ersetzt werdenFoto: Yacht/N. Günter
Alle Ventile mehrfach öffnen und schließen, um sie gängig zu halten. Bleiben sie schwer bedienbar, sollten sie ersetzt werden

Sind die Schläuche hart geworden? Das sollte auch schon im Herbst untersucht werden. Dann sollten sie gewechselt werden. Sind alle Schläuche fest mit dem jeweiligen Ventil verbunden, wurden überall zwei Schlauchklemmen verwendet? Sind die Seeventile alle gängig? Die Seeventile unbedingt auch von außen auf Korrosion kontrollieren, die lässt sich nur von außen feststellen. Außerdem sind so Verunreinigungen zu sehen, die, etwa bei der Maschine, zu Überhitzung führen können.

Ein Ventilplan ist eine gute Methode um jederzeit zu wissen, wo sich jedes Seeventil befindet.

Checkliste Unterwasserschiff

  • Pocken und Algenbewuchs
  • Beschädigungen
  • Osmose
  • Antifoulinghaftung
  • Antifouling neu auftragen
  • Kiel-Rumpf-Verbindung außen
  • Kielbolzen innen
  • Kielsohle
  • Korrosion am Kiel
  • Seeventile
  • Schläuche an Ventilen
  • Geber von Logge und Lot reinigen
  • Sichtkontrolle der Stopfbuchse bzw. Saildrive-Manschette, Spiel der Welle.
  • Wartungsintervall der Saildrive-Manschette einhalten

Diese Videos vermitteln noch mehr Wissen zum Thema Antifouling

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