Saisonstart SpecialPolieren wie ein Profi: die richtigen Mittel und Techniken

YACHT-Redaktion

 · 29.03.2022

Saisonstart Special: Polieren wie ein Profi: die richtigen Mittel und TechnikenFoto: Yacht / Nils Günter

Ausgekreidetes Gelcoat ist mehr als ein optisches Problem; es beschleunigt den Verfall des Rumpfes. Wie der Glanz zurückkommt und langfristig erhalten bleibt

Inhalte des Specials:

Der Rumpf sollte so sauber wie möglich ins Winterlager kom­men, dann trocknen Verschmutzungen gar nicht erst ein und sind leichter zu entfernen. Zunächst mit warmem Wasser und Seife reinigen, hartnäckige Ver­schmutzungen können mit stärkeren Reini­gern wie Antigilb entfernt werden. Außer­dem kann auch schon im Herbst poliert und eine Versiegelung aufgebracht werden; so hat die Versiegelung über den Winter Zeit, richtig durchzutrocknen. Im Frühjahr kann, wenn man richtig engagiert ist, die Versiege­lung nochmals aufgebracht werden, um ihre Schutzschicht zu erhöhen, sodass sie auch sicher eine Saison lang hält und schützt.

Zum Polieren zunächst ein wenig Hintergrund: Der größte Feind von Oberflächen ist die UV-Strahlung, die für das Auskreiden von Gelcoat und das Verwittern von Lackschichten verantwortlich ist. Zusammen mit Schmutz und Fenderabrieb frisst sie über die Jahre winzig kleine Bruchstücke aus der Oberfläche. Zurück bleibt eine Kraterlandschaft im Mikroformat – das Gelcoat erscheint matt und rau. Zudem kann sich Schmutz leichter festsetzen, und selbst der typische gelbe Ostseebart bildet sich schneller aus, denn in den Poren gedeihen die dafür verantwort­lichen Algen besser als auf einer glatten Oberfläche.

Zerklüftetes Gelcoat: Die UV-Strahlung zerstört die Oberfläche des Gelcoats. Es entsteht eine Kraterlandschaft, die matt erscheint, zudem haften Verschmutzungen fest an
Foto: YACHT

Um derart unansehnliche Oberflächen in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, muss man sie bearbeiten. Dafür gibt es zwei Arten von Poliermitteln: zum einen Kombipolituren, die nur wenig von der Oberfläche ab­tragen und Wachse oder andere Stoffe enthalten. Poren und feine Kratzer werden dadurch aufgefüllt, und es entsteht eine glänzende Schicht.

Diese Produkte sind sehr beliebt, sie lassen sich unkompliziert auftragen und führen schnell zu sichtbar mehr Glanz und einer besseren Optik. Nachteil ist jedoch, dass die Versiegelung meist nicht die gesamte Saison hält und man den Poliervorgang wieder­holen muss, was im Wasser zumindest am Rumpf kaum möglich ist.

Die Alternative dazu sind Profipolituren. Sie enthalten in der Regel keine Wachse, besitzen dafür aber eine wesentlich stärkere Schleifleistung und können die Unebenheiten tatsächlich zum größten Teil glätten.

Dadurch werden die Oberflächen wieder eben und glänzen schon, bevor eine Versiegelung aufgebracht wird. Für diese Arbeit benötigt man wesentlich mehr Zeit und das passende Equipment. Zudem ist eine abschließende Versiegelung erforderlich, beispielsweise mit einem Wachs oder Polymer. Großer Vorteil: Der Glanz hält über die gesamte Saison, und auch in den Folgejahren ist der Arbeitsaufwand kleiner, da das besser geschützte Gelcoat nicht so schnell altert.

In 12 Schritten zum Hochglanz-Rumpf

Für fast neue Schiffe, bei denen das Gelcoat noch sehr glatt ist, können Kombipolituren ausreichen. Die Profilösung, bei der Schleifmittel und Versiegelung getrennt angewendet werden, führt aber auch hier zu länger währendem Schutz. Der Abtrag lässt sich durch die Wahl einer feineren Schleifpolitur steuern. So muss man nicht fürchten, unnötig viel Sub­stanz abzupolieren.

Je verwitterter oder rauer eine Oberfläche ist, desto mehr muss abgetragen werden. Damit das nicht zu lange dauert, wählt man eine Paste mit grö­beren Schleifmitteln. Die Krux dabei: Zwischen den Korngrößen und dem erzielbaren Glanzgrad besteht ein direkter Zusammenhang. Um einen möglichst hohen Glanzgrad zu erreichen, muss also vom groben Poliermittel Schritt für Schritt auf ein feineres umgestiegen werden.

Das klingt schlimmer, als es in der Praxis ist, denn bis auf Ausnahmefälle arbeitet man heute mit sogenannten One-Step-Pasten. Dabei handelt es sich um Produkte, die mit einem relativ groben Korn starten und viel Abtrag liefern. Während des Polierens wird das Schleifmittel in immer kleinere Bestandteile zermahlen und hinterlässt dadurch eine immer feinere Oberfläche. Daher deckt die Politur einen weiten Körnungsbereich ab und kann vom Grob- bis zum Feinschliff verwendet werden. Die Glanzstufe wird bei nichtmetallischen Oberflächen in Werten von 0 bis 100 gemessen: Ab 70 spricht man bei Lacken von Hochglanz.

1. Reinigen: Grober Schmutz muss entfernt werden, damit die Oberfläche beim Polieren nicht zerkratzt. Fein zerstäubt ist nur wenig Reiniger nötig
Foto: Boote / Ralf Marquard

Bei sehr starken Verwitterungen arbeiten Profis mit speziellen Mitteln, um erstmal einiges von der Oberfläche abzutragen. Mit derart aggres­siven Mitteln sollte der Do-it-yourself-Polierer jedoch vorsichtig sein, damit er nicht zu viel vom Gelcoat abnimmt – und dann im schlimmsten Fall aufs Laminat gerät.

Die Poliermittel sind jedoch nur die halbe Miete, sie müssen ja auch richtig zum Einsatz kommen. Wer dies in reiner Handarbeit erledigen möchte, stellt schnell fest, dass der Poliervorgang zu einem endlosen und kraft­raubenden Unterfangen wird. Deshalb nimmt man besser Maschinen zu Hilfe. Im Angebot sind Geräte mit rotierendem Teller – diese funktionieren wie ein Winkelschleifer, allerdings langsamer und mit regulierbarer Drehzahl – und Exzentermaschinen, bei denen die Aufnahme ähnlich einem Exzenterschleifer arbeitet. Fachleute bereiten die Oberfläche meist mit rotierenden Geräten auf, da sie damit schnell und effektiv unterwegs sind. Nachteil: Man muss einen sehr routinierten Bewegungs­ablauf haben. Um jede Stelle gleichmäßig zu polieren, ist der sogenannte Kreuzstrich nötig, dabei wird der Arbeitsbereich in überlappenden Bahnen systematisch abgefahren. Für Ungeübte kann das in Schwerst­arbeit ausarten.

Spürbar einfacher in der Handhabung und damit gut für den Heimwerker geeignet sind die Exzentermaschinen, die es auch als Sets mit einer Grundausstattung an Polierschwämmen gibt. Manche Maschinen lassen sich sogar mit nur einer Hand über die Oberfläche führen, ohne dass ein besonderes Muster eingehalten werden muss. Einziger Nachteil: Für den Poliervorgang muss der Handwerker viel mehr Zeit aufwenden als mit der drehenden Maschine. Dafür ist der Kraftaufwand geringer, und die nötigen Verschnaufpausen fallen kürzer aus. Übrigens: Egal mit welcher Technik gearbeitet wird, maschinelles Polieren erzeugt Staub. Daher sollten nicht nur Handschuhe, sondern auch ein passender Atemschutz selbstverständlich sein.

Was Profi-Polierpasten und die entsprechenden Maschinen zu leisten im Stande sind

Auf die Teller der Rotations-Poliermaschine kommen entweder Schafs- und Lammfellscheiben oder Schaumstoffpads. Wer im Umgang mit den Poliermitteln geübt ist, kann für die ersten Arbeitsschritte Wollpads oder Lammfell verwenden, da sie den stärksten Abtrag liefern. Sie produzieren aber auch die meiste Wärme und sind besonders anfällig für sogenannte Hologramme, also ungleichmäßige Schleifspuren. Einsteiger sollten daher eher Schaumstoffpads nutzen. Diese sind auch für Exzentergeräte die erste Wahl.

Über den Härtegrad der Schwämme lässt sich das Polierergebnis steuern. Die härtesten Ausführungen entsprechen fast einem Wollpad; je weicher das Material, desto geringer die Schleifleistung und desto höher ist der erreichbare Glanzgrad. An der Farbe kann man den jeweiligen Härtegrad erkennen, doch Vorsicht: Jeder Hersteller ordnet Farbe und Festigkeit anders zu. Um das optimale Polierergebnis zu erzielen, müssen Fell oder Schaum sauber sein, daher sollte man sie etwa alle 20 Minuten tauschen. Die anschließende Reinigung erfolgt am schonendsten in der Waschmaschine, Weichspüler ist dabei tabu. Wäscht man die Schwämme von Hand aus, sollten sie nicht zu stark gewalkt werden, denn dadurch löst sich leicht die Filzschicht für den Klett des Maschinentellers. Ist der Rumpf bis zum gewünschten Glanzgrad poliert, muss die Oberfläche noch einmal gereinigt und anschließend versiegelt werden. Dafür stehen Wachse oder Polymer-Produkte zur Wahl. Wir haben Poliersysteme separat getestet. Hier geht's zum Test.

Auch das Deck polieren

Beim Deck sind vor allem rutschfeste Flächen problematisch, weil Dreck schlecht aus der eingeformten Struktur entfernt werden kann. Dafür gibt es spezielle Mittel für rutschfeste Flächen wie "Non-Skid Deck- cleaner" von Star brite. Auf keinen Fall sollte hierfür ein Hochdruckreiniger verwendet werden, das kann zu Beschädigungen der Oberfläche führen. So genannte Radierschwämme aus der Drogerie können auf diesen problematischen Flächen ebenfalls sehr gute Dienste leisten. Versiegeln sollte man Antirutsch-Bereiche nicht, sonst kann es sauglatt werden.

  Antirutschbelag auf keinen Fall mit Hochdruckreiniger reinigen. Spezielle Vliese für Oszillationsschleifer können helfen, ansonsten schrubbenFoto: Yacht / Klaus Andrews
Antirutschbelag auf keinen Fall mit Hochdruckreiniger reinigen. Spezielle Vliese für Oszillationsschleifer können helfen, ansonsten schrubben

Alle glatten Decksflächen werden poliert wie der Rumpf. Nur kann es hier aufwändiger sein, da es viele Ecken und kleine Flächen gibt. Da kann oft nicht mit der großen Poliermaschine gearbeitet werden, und es ist doch Handarbeit gefragt oder die sinnvolle Investition in einen kleineren Polierteller. Auch die Scheiben können mit denselben Polymermitteln behandelt werden.

So viel spart, wer selbst poliert

Ganz klar: Das Aufarbeiten eines verwitterten Rumpfs macht viel Arbeit – doch das zahlt sich später aus. Für den Rumpf und Aufbau einer stark verwitterten 40-Fuß-Yacht wären beim Profi wohl sieben Tage nötig. Ein Pflegebetrieb würde also locker 3000 bis 3500 Euro aufrufen.

Das Positive am Selbermachen: Entscheidend sind die Arbeitsstunden. Die Verbrauchsmaterialien fallen kaum ins Gewicht, und selbst die Grundausstattung in Form einer hochwertigen Exzenterpoliermaschine rechnet sich spätestens im zweiten Winter. Und eine gründliche Aufbereitung und Versiegelung spart ja auch langfristig Arbeit. In der nächsten Saison kommt man zwar um erneutes Polieren nicht herum – dann ist allerdings lediglich eine leichte Auffrischung mit der feineren Paste und anschließender Versiegelung nötig.

Damit sich das Polieren so komfortabel und kraftschonend wie möglich gestaltet, sind einige Helferlein unabdingbar. Ein Überblick über sinnvolles Polier-Werkzeug.

Kraftvoll oder komfortabel: Für das Polieren bieten sich Rotations- oder Exzentermaschinen an. Erstere, wie der hier gezeigte, funktionieren wie ein Winkelschleifer, drehen aber sehr viel langsamer. Sie können sehr starken Abtrag liefern. Beim Polieren muss man nicht nur das hohe Gewicht dieser Maschinen tragen, sondern auch ständig gegen das Drehmoment des rotierenden Tellers ankämpfen, das kostet eine Menge Kraft und kann zu ungleichmäßigen Ergebnissen, sogenannten Hologram­men, führen...
Foto: Hersteller

Unabhängig vom Gerät ist erfolgreiches Polieren aber immer auch eine Frage der Drehzahl: Beim Arbeiten mit Waffelschwämmen und dem Verteilen des Schleifmittels sind Drehzahlen von 600 bis 800 Umdrehungen pro Minute nötig. Für den Schleifvorgang wählt man 1200 bis 1500 Umdrehungen. Beim Auspolieren darf es auch noch etwas mehr sein. Exzenter laufen generell etwa doppelt so schnell.

4 Profi-Tipps für's Polieren

Wenn während des Polierens Probleme auftauchen, muss es schnell gehen. Mitten im Vorgang darf zudem nicht lange gegrübelt werden, sonst trocknet die Paste. Wie ist mit Unebenheiten bei Namenszügen umzugehen und was ist zu tun, damit der Teller gar nicht erst am Antifouling des Unterwasserschiffes Farbe fängt?

1 Namenszüge
Wie stark das Gelcoat mit den Jahren verwittert und abgetragen wird, ist an alten Namenszügen zu sehen. Nachdem die Beschriftung entfernt wurde, sind die Buchstaben deutlich erhaben. Derartige Unebenheiten lassen sich durch Polieren allein nicht entfernen; in solchen Fällen muss geschliffen werden. Man beginnt bei 600er- oder 800er-Körnung und arbeitet sich schrittweise bis zu 1200er- oder 2000er-Körnung hoch. Ob man nass oder trocken vorgeht, hängt vom verfügbaren Material ab. Feuchtes Arbeiten ist für Ungeübte in der Regel einfacher, da der Schleifstaub besser abgeführt wird und das Papier nicht so schnell verklebt. Der vermeintlich schonendere Handschliff ist nicht unbedingt die bessere Wahl und zudem mühsam.

Für Exzenterschleifer geeignete Schleifscheiben lassen sich zum Beispiel beim örtlichen Autolackierer besorgen, das hat den Vorteil, dass nicht gleich 10er- oder 20er-Packungen von jeder Körnung gekauft werden müssen. Bei den Schleifscheiben darauf achten, dass sie einen dünnen Schaumstoffrücken besitzen. Sonst sind zusätzliche Zwischenteller nötig, da sich bei derart feinen Körnungen der Klett des Maschinentellers durch­drücken kann und Kratzer hinterlässt. Hat man die Buchstaben eingeebnet und die ganze Fläche gleichmäßig geschliffen, folgt die Politur. Wenn bis zur 2000er-Körnung gearbeitet wurde, reicht in der Regel die feinere Schleifpaste, um Hochglanz zu erzielen.

2 Kühl- und Gleitmittel
Besonders beim Arbeiten mit Rotationsmaschinen kann es zu Temperaturproblemen kommen. Der starke Abtrag erzeugt Reibungswärme; die Polierpaste wird heiß und trocknet schneller aus als vorgesehen. Folge: Die Maschine bockt, und der Schwamm verklebt. Ein feiner Wassernebel aus dem Drucksprüher löst das Problem. Die zusätzliche auf den Rumpf oder Schwamm gesprühte Feuchtigkeit kühlt und verdünnt die Paste.

  Ein Sprühnebel aus Wasser kühlt die Oberfläche und lässt den Teller besser gleitenFoto: YACHT/M.-S. Kreplin
Ein Sprühnebel aus Wasser kühlt die Oberfläche und lässt den Teller besser gleiten

3 Spritzschutz
Der Unterwasserbereich und auch das Deck sollten beim Polieren abgedeckt oder abgeklebt werden. Sonst kommen eventuell Spritzer aufs Teakdeck und hinterlassen Flecken. Im Unterwasserbereich haftet neues Antifouling nicht auf Politur oder Wachs. Wenn nach dem Antifoulingauftrag poliert wird und Wachs auf das Antifouling gelangt, kann dieses nicht optimal wirken. Eine Abdeckfolie mit Klebestreifen aus dem Malerbedarf erfüllt gleich zwei Aufgaben: Sie schützt das Unterwasserschiff vor Politur- und Wachsspritzern und verhindert, dass der Polierteller beim Arbeiten am Wasserpass durch das Antifouling verschmutzt. Die dünne Folie zieht sich per statischer Aufladung an den Rumpf. Deshalb kann man sogar mit der Maschine darüberfahren, ohne dass diese sich löst.

  Eine Folie aus dem Malerbedarf sorgt dafür, dass der Teller beim Polieren kein Antifouling "frisst". Dann müsste er gewechselt werdenFoto: YACHT/H. Schmidt
Eine Folie aus dem Malerbedarf sorgt dafür, dass der Teller beim Polieren kein Antifouling "frisst". Dann müsste er gewechselt werden

4 Scheuerschutz
Den stärksten Belastungen ist die Bordwand im Bereich der Fender ausgesetzt. Um die Oberfläche dort vor Kratzern zu schützen, bietet Peter Wrede eine spe­zielle Folie an. Das Fender Protect genannte Material ist hauchdünn, kaum zu sehen und soll äußerst robust sein. Es kann auf Gelcoat und Lack verwendet werden und soll sich rückstandslos entfernen lassen. Ein Satz mit sechs Folien kostet inklusive Montage 595 Euro. Hier können Sie die Folien beziehen.

  Die Folie ist kaum sichtbar, befindet sich jedoch im Bereich der roten MarkierungFoto: Hersteller/Wrede
Die Folie ist kaum sichtbar, befindet sich jedoch im Bereich der roten Markierung

Checkliste Polieren

  • Verunreinigungen entfernen
  • Beschädigungen ausbessern
  • Polieren
  • Versiegeln

In diesen Videos wird das Polieren nochmals gezeigt

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