Antonia von Lamezan
· 29.05.2026
Es begann mit einem praktischen Problem: Adam Lucke suchte für einen Törn im niederländischen Watt nach aktuellen Tiefenangaben und der Position von Tonnen. Auf niederländischen Websites fand er frei verfügbare, wöchentlich aktualisierte Kartendaten. Einfach herunterzuladen und für alle nutzbar.
Die Niederländer stellen diese Daten als elektronische Karte online bereit, frei zugänglich",
erzählt Adam Lucke im Podcast.
Daraufhin stellte er sich die Frage: Gibt es so etwas auch in Deutschland? Die Antwort fand er im GeoSeaPortal des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Dort waren Seekartendaten als Open Data verfügbar, lizenziert nach der Geodatennutzungsverordnung, die genau das ermöglichen soll: Bürgerinnen und Bürger dürfen staatliche Daten für sinnvolle Anwendungen nutzen.
Aus diesen frei zugänglichen BSH-Daten entwickelte Adam Lucke schließlich FreeNauticalChart.net – eine kostenlose Online-Seekarte, ergänzt um weitere Datensätze wie einen Tidenkalender und einen Gezeitenstromatlas.
Nachdem YACHT über das Projekt berichtet hatte, kam es zu einer unerwarteten Entwicklung: Daten wurden vom BSH-Server entfernt. „Das BSH hat selber nie mit mir geredet", sagt Adam. „Ich sehe nur, dass auf dem Server plötzlich bestimmte Daten nicht mehr da sind."
Die offizielle Begründung des BSH: Die Daten seien für die Navigation nicht sicher genug. Sie erfüllten die Qualitätsanforderungen offizieller Seekarten nicht.
Lucke hat stichprobenartig verglichen: Die Open-Data-Karten scheinen mit den offiziellen Seekarten identisch zu sein. „Effektiv handelt es sich dabei um die gleichen Daten“, sagt er. Der Unterschied ist vermutlich rein formaler Natur: Bei offiziellen Karten übernimmt das BSH eine Garantie, bei Open Data nicht. Noch absurder scheint es bei kommerziellen Seekarten-Apps zu sein. Auch sie nutzen BSH-Daten und werden oft als Zusatzleistung zur gekauften Papierkarte geliefert. In ihren AGB schließen sie jedoch jede Haftung aus. „Da steht drin: Wir garantieren weder Aktualität noch Korrektheit", erklärt Lucke. „Warum dann dieser Aufwand mit den gekauften Daten des BSH?"
Adam Lucke vermutet wirtschaftliche Interessen der Seekartenhersteller hinter der Entfernung der öffentlichen Datensätze. Seine klare Haltung: Eine Bundesbehörde sollte dem Gemeinwohl verpflichtet sein. Daher fordert er Transparenz in dieser Angelegenheit.
Die vollständige Geschichte, technische Hintergründe und die Frage nach dem richtigen Umgang mit öffentlichen Daten gibt es in Episode 74 des YACHT-Podcasts mit Timm Kruse.
Die Stellungnahme des BSH folgt am 5. Juni in einer eigenen Podcast-Episode.
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