Golden Globe RaceBugspriet-Bruch und Bewuchs bremsen Segler aus

Kristina Müller

 · 20.12.2022

Golden Globe Race: Bugspriet-Bruch und Bewuchs bremsen Segler ausFoto: Karin Smit
Als Letzter erreichte Guy Waites aus Großbritannien Kapstadt. Er ließ sein Boot dort aus dem Wasser heben, um das Unterwasserschiff zu reinigen

Um die halbe Welt hat er es fast geschafft, doch dabei wird es für Elliott Smith wohl bleiben: Der jüngste Skipper im Golden Globe Race wird das Rennen abbrechen, wie der Veranstalter mitteilte. Grund sind erneute Probleme mit dem Bruch am Bugspriet seiner Gale Force 34

Reparatur auf See gescheitert – Smith will aufgeben

Schon vor Südafrika hatte der 27-jährige US-Amerikaner versucht, den Schaden mit Bordmitteln zu beheben, und war mit der Notreparatur in den Indischen Ozean gesegelt. Die hielt den Bedingungen dort jedoch nicht stand, sodass Elliott erneut versuchte, auf See zu reparieren. Vergeblich. Nun läuft der Skipper der „Second Wind“ Australien an und wird das Rennen dort voraussichtlich beenden.

Elliott Smith und sein notdürftig geflickter Bugbeschlag Foto: Simon McDonnell / FBYC
Elliott Smith und sein notdürftig geflickter Bugbeschlag
Verlagssonderveröffentlichung

Weitermachen will dagegen Guy Waites. Der Skipper aus Yorkshire hat den Medienstopp vor Kapstadt für eine Reinigung seines Unterwasserschiffes von starkem Bewuchs genutzt. Statt nur den vorgegebenen Wegpunkt anzulaufen, hat er den Hafen angesteuert, seine Tradewind 35 „Sargamantha“ gekrant und sie von zahllosen Entenmuscheln befreit. Waites ist damit der letzte Skipper im Golden Globe Race, der Kapstadt erreicht hat. Alle anderen liegen weit vor ihm oder haben – wie zuletzt Arnaud Gaist – bereits aufgegeben.

Nach Pause in Kapstadt: Waites will weitersegeln

Das will Waites aber nicht. Eine Nonstop-Weltumsegelung ist für ihn zwar unerreichbar geworden, doch laut Regelwerk kann er das Golden Globe Race in der Chichester-Klasse fortsetzen. Skipper, die einen Stopp einlegen, können damit den Törn um die Welt fortsetzen, auch wenn sie nicht mehr im Ranking geführt werden.

Der Haken dabei: Waites muss den nächsten Zwischenstopp Hobart bis zum 31. Januar 2023 erreichen. Das sind rund 5.400 Seemeilen und über 130 pro Tag, die er zurücklegen müsste. Doch mit frisch gereinigtem Rumpf wäre das durchaus möglich. Auch zwei neue Schichten Antifouling hat der 54-Jährige im Kran des Royal Cape Yacht Club aufgetragen.

Nun warte er auf das richtige Wetterfenster zum Weitersegeln. „Vermutlich am Donnerstag, wenn das nächste Tiefdruckgebiet Nordwestwind bringen soll und mich und ‘Sargamantha’ in die richtige Richtung treibt“, so Waites. „Jetzt ist es ein Rennen gegen mich selbst, aber ich weiß, dass ich gut vorankommen kann.“

Vorsprung des Schnellsten schmilzt – Ankunft vor Weihnachten?

Unterdessen hat sich das Bild an der Spitze des Feldes geändert: Der Vorsprung des bisher konsequent führenden Simon Curwen ist von knapp 800 auf nur noch rund 200 Seemeilen vor Kirsten Neuschäfer geschrumpft. Die Südafrikanerin hat es geschafft, die Leichtwindzone eines Hochdruckgebietes zu umsegeln, während Curwen eingeparkt hat. Auch der an dritter Position segelnde Abhilash Tomy und Michael Guggenberger auf Position vier konnten Meilen auf Simon Curwen gutmachen. Der hat noch etwa 500 Seemeilen bis Hobart vor sich.

Nach Einschätzung der Wettfahrtleitung des Golden Globe Race kann Simon Curwen Hobart dennoch als Erster der verbliebenen sechs Segler in der Wertung erreichen. Wenn nichts dazwischenkommt, sogar noch vor Weihnachten am 23. Dezember.


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