MenschenAbenteuer: Letzter Golden-Globe-Segler nach knapp vier Jahren im Ziel

Kristina Müller

 · 31.05.2022

Abenteuer: Letzter Golden-Globe-Segler nach knapp vier Jahren im ZielFoto: Bernard Gergaud

Er hat sich Zeit gelassen: Mark Sinclair unterbrach seine Nonstop-Weltumsegelung in Australien. Nun hat er Frankreich erreicht – und bereitet den Neustart vor

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen – auf kaum einen Segler dürfte dieser Spruch aktuell so zutreffen wie auf Mark Sinclair. Am vergangenen Freitag, 27. Mai 2022, beendete der gebürtige Brite seine Weltumsegelung im Rahmen des Golden Globe Race – nach knapp vier Jahren!

Gestartet war er als Teil der Flotte aus 17 Seglern am 1. Juli 2018 in Les Sables-d'Olonne. Sinclair beendete seinen Nonstop-Törn jedoch aufgrund von starkem Pockenbewuchs am Rumpf und Wassermangel nach etwa der Hälfte der Strecke in seiner Wahlheimat Australien. Vorerst.

Dass es kein Abbruch, sondern nur eine Unterbrechung sein sollte, bewies er am 5. Dezember 2021, als der ehemalige Berufskapitän mit seiner "Coconut" wieder auslief, um die Weltumsegelung doch noch zu vollenden. Druck genug, es wirklich zurück nach Les Sables zu schaffen, hatte er sich selbst gemacht, indem er für das nächste Golden Globe Race meldete. Das soll schon am 4. September in Frankreich beginnen.

Und tatsächlich: Nonstop segelte der 64-Jährige seit letztem Dezember über den Südpazifik, rundete Kap Hoorn im Sturm und tauchte nach 174 einsamen Tagen auf See am Freitag am Horizont über der Biskaya auf. Stürmische Videoeindrücke seines rauen Rittes hat er auf seiner Facebook-Seite "Coconut - 2018 Golden Globe Race" veröffentlicht.

  Kleines Empfangskomitee. In Les Sables-d'Olonne ist man rückkehrende Weltumsegler gewöhnt. Doch kaum einer wird noch drei Jahre und elf Monate nach dem Regattastart erwartetFoto: Bernard Gergaud
Kleines Empfangskomitee. In Les Sables-d'Olonne ist man rückkehrende Weltumsegler gewöhnt. Doch kaum einer wird noch drei Jahre und elf Monate nach dem Regattastart erwartet

Sinclair beendet das Golden Globe Race damit als sechster und letzter Finisher. Nur fünf weitere schafften es vor ihm überhaupt ins Ziel. Zwei Drittel der Flotte musste unterwegs aufgeben. Gewertet wird er wegen seiner Segelpause in der sogenannten Chichester-Klasse, die sich der Veranstalter für all jene hat einfallen lassen, die den Nonstop-Törn mit einem Zwischenstopp beenden würden – wie einst Sir Francis Chichester 1966/67. Anders als Sinclair konnte der Pionier damals jedoch gar nicht schnell genug wieder loskommen und dachte nicht im Traum daran, länger zu bleiben.

Typisch für das Segler-Mekka Les Sables-d'Olonne wurde Mark Sinclair hier gebührend empfangen. Auf ihn warteten nicht nur Fans, der Bürgermeister und der Veranstalter, sondern auch Jean-Luc van Den Heede, der das Golden Globe Race 2018 gewann.

  Erster Schluck fürs Schiff – seine Lello 34 trug den Skipper schließlich einmal um die WeltFoto: Bernard Gergaud
Erster Schluck fürs Schiff – seine Lello 34 trug den Skipper schließlich einmal um die Welt

Sinclairs Törn zurück nach Frankreich verlief ebenso abenteuerlich wie die erste Hälfte seiner Weltumsegelung: Neben Sturm vor Kap Hoorn und auf der Biskaya gingen ihm gegen Ende der Proviant und das Toilettenpapier aus.

Nun bleiben "Captain Coconut", wie die Golden-Globe-Fans ihn nennen, gut drei Monate, um neue Kräfte zu sammeln und seine südafrikanische Lello 34 auf das nächste Weltumsegelungs-Abenteuer vorzubereiten. Das ehrgeizige Ziel, es dann endlich nonstop zu schaffen, verfolgt er nach wie vor.

  Glücklicher Skipper mit Baguette, das ihm noch auf See überreicht wurde. Dauer und Strapazen des Törns lassen sich angesichts Sinclairs Strahlen nur erahnenFoto: Bernard Gergaud
Glücklicher Skipper mit Baguette, das ihm noch auf See überreicht wurde. Dauer und Strapazen des Törns lassen sich angesichts Sinclairs Strahlen nur erahnen

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