Golden Globe RaceZeitgutschrift für die Retter – warum sank „Asteria“?

Kristina Müller

 · 29.11.2022

Golden Globe Race: Zeitgutschrift für die Retter – warum sank „Asteria“?Foto: Etienne Messikommer/GGR
“Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren würde!” Tapio Lehtinen, hier beim Start zum Golden Globe Race 2022, hat sein Schiff im Indik verloren

Nach der Rettungsaktion für Tapio Lehtinen haben Kirsten Neuschäfer und Abhilash Tomy nun je eine Zeitgutschrift erhalten. Sie hatten am 19. November dabei geholfen, den havarierten Skipper im Golden Globe Race zu finden. Kirsten Neuschäfer gelang die Rettung mit ihrer Cape George 36 „Minnehaha“

Retter zurück im Regatta-Modus

Beide Teilnehmer der Retro-Regatta um die Welt nahmen ihren Kurs danach wieder auf und setzten das Rennen fort. Neuschäfer konnte Tapio Lehtinen zuvor auf einem Frachter mit Kurs China absetzen. Nun gab die Wettfahrtleitung des Golden Globe Race bekannt, dass die Südafrikanerin für ihren Einsatz 35 Stunden gutgeschrieben bekommt, der Inder Tomy zwölf. Beide hatten im Zeichen der guten Seemannschaft ihren eigentlichen Kurs über Stunden verlassen. In die Berechnung für die Gutschrift sind laut Veranstalter auch Informationen zur Wetterlage und -entwicklung während der Rettungsaktion eingeflossen.

Trotz der zeitraubenden und kräftezehrenden Aktion – die Einhandseglerin steuerte während ihrer Suche nach Lehtinen fast ausschließlich selbst – liegt sie wieder an Position zwei im weit auseinander gezogenen Feld. Sie stellte mit 219 Seemeilen auch das beste bisherige Etmal auf. Gut 600 Seemeilen trennen sie vom führenden Simon Curwen, der schon etwa die halbe Strecke des südlichen Indischen Ozeans im Kielwasser hat. Etwa 130 Seemeilen hinter ihr liegt Abhilash Tomy an Position drei in dem Rennen um die Welt, an dem er bei seinem Medienstopp vor Kapstadt jüngst so viel Kritik geäußert hat. An Position vier segelt momentan der Österreicher Michael Guggenberger.

Rätselhafter Untergang von Tapio Lehtinens „Asteria“

Auch zehn Tage nachdem die Gaia 36 „Asteria“ des finnischen Skippers im Indik auf Tiefe gegangen ist, ist die Ursache dafür ungeklärt. Zum Zeitpunkt der Havarie herrschten ruhige Bedingungen. Das bestätigte Tapio Lehtinen gegenüber der YACHT, die ihn auf dem Satellitentelefon des Massengutfrachters „Darya Gayatri“ erreichte.

Der 64-Jährige berichtete, wie schnell alles ging. Er habe geschlafen, als er von einem lauten Schlag geweckt wurde. Dann sei das Schiff binnen kürzester Zeit über das Heck voll Wasser gelaufen. Lehtinen konnte sich selbst in der Rettungsinsel in Sicherheit bringen und sah sein Boot sinken, mit dem er schon vor vier Jahren das Golden Globe Race gesegelt war.

In die Spekulationen über die Ursache des Untergangs konnte Lehtinen selbst keine Klarheit bringen. „Ich weiß es nicht“, so der erfahrene Segler. Er könne sich das Geschehene einfach nicht erklären, zumal er selbst sein Schiff akribisch auf die Strapazen des Törns vorbereitet und unter anderem wasserdichte Kompartments eingebaut habe. Wenn überhaupt, so Lehtinen, könne das Wasser vielleicht durch einen oder zwei defekte Borddurchlässe gekommen sein – der Knall sei in dem Fall womöglich das laute Geräusch gewesen, als eines der wasserdichten Schotten unter dem Wasserdruck nachgegeben habe. Ganz überzeugt ist er aber von seiner eigenen Theorie nicht und offenbar selbst ratlos, was den Wassereinbruch tatsächlich ausgelöst haben kann.

Reparaturen und Rückschläge

Nur noch neun von 16 Seglern sind im Rennen. Zwei von ihnen haben Kapstadt noch nicht passiert und damit kaum noch Chancen, das nächste Zwischenziel Hobart in der vorgegebenen Zeit bis zum 31. Januar 2023 zu erreichen. Die zwei noch auf dem Atlantik segelnden Solisten sind der Brite Guy Waites und der Franzose Arnaud Gaist. Ersterer hat von Bord gemeldet, dass er den Versuch, den heftigen Bewuchs an seinem Rumpf auf See zu entfernen, aufgegeben hat. Er will sein Boot, eine Tradewind 35, nun in Kapstadt aus dem Wasser holen und reinigen. Sollte er das Rennen dann wieder aufnehmen, würde er es in der sogenannten Chichester-Class fortführen, in der alle gewertet werden, die während des Golden Globe Race einen Stopp an Land einlegen.

Auch für seinen Mitstreiter Arnaud Gaist ist das weitere Rennen mehr als ungewiss. Er meldete zuletzt heftige Probleme mit dem Rigg seiner Barbican 33 MKII. Offenbar ist die Mastaufnahme instabil, und es gibt Probleme mit Unterwanten und am Bugspriet.

Ebender war auch an Bord des 27-jährigen US-Amerikaners Elliot Smith gebrochen, kurz nachdem der jüngste Teilnehmer des Golden Globe Race den obligatorischen Interview-Stopp in der Granger Bay vor Kapstadt absolviert hatte. Smith konnte offenbar in Eigenregie und ohne Land anzulaufen, die Baustelle mit Bordmitteln in den Griff bekommen. Nun wagt er den zweiten Anlauf für die Überquerung des Indischen Ozeans, der sich den führenden Seglern im Feld bisher weitaus zahmer zeigt als erwartet.

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