Golden Globe RaceStart Anfang September, alle Race-Infos hier

Kristina Müller

 · 24.08.2022

Golden Globe Race: Start Anfang September, alle Race-Infos hierFoto: Bill Rowntree/PPL/GGR

Stürme, Flauten, Einsamkeit: Harte Monate auf See liegen vor den Skippern, die am 4. September zur Einhand-Nonstop-Weltumsegelung Golden Globe Race starten, mit Booten und Ausrüstung wie in den Sechzigern. Die Race-Vorschau

Für Schlagzeilen sorgte ein Teilnehmer schon vor dem Start. Der Inder Abhilash Tomy hatte mit seiner Rustler 36 beim Auftaktsegeln von Gijon nach Les Sables eine Kollision mit einem Frachter. Der Bug seines Bootes wurde beschädigt. Schon beim Golden Globe Race 2018/19 hatte Tomy mit seinem vorherigen Boot eine schlimme Havarie im Indischen Ozean und musste schwer verletzt abgeborgen werden. Die vor Ort in Les Sables ansässigen Teams und Werften versprachen jedoch ihre Hilfe, sodass das Boot bis zum Start wieder fit sein sollte.

Der beschädigte Bug der Rustler 36 von Abhilash TomyFoto: YACHT/U. Berger
Der beschädigte Bug der Rustler 36 von Abhilash Tomy

Zum dritten Mal um die Welt

Diese Auflage des Golden Globe Race ist die dritte, genauer die zweite der Neuzeit. 1968/69 wurde die erste Solo-Nonstop-Regatta um die Welt überhaupt ausgesegelt, das „Sunday Times Golden Globe Race“. Zum Jubiläum 50 Jahre später sollte erneut eine Solo-Nonstop-Regatta um die Welt wie damals stattfinden – das zumindest hatte sich Don McIntyre in den Kopf gesetzt. Sein Veranstaltungsmotto: „The Race returns – sailing like it’s 1968“. Als der umtriebige australische Weltumsegler und Initiator von abenteuerlichen Segelveranstaltungen seine Idee bekanntgab, stieß die auf große Resonanz. Skipper aus aller Welt meldeten zum Golden-Globe-Revival vor vier Jahren. 17 überquerten schließlich die Startlinie vor der Hafenstadt Les Sables-d’Olonne. Die Hürden für die Qualifikation waren schon damals hoch.

Das Race-Village beim Rennen 2018Foto: GGR 2018 / Christophe Favreau
Das Race-Village beim Rennen 2018

Nur fünf Boote schafften es überhaupt ins Ziel. Die Ausfallquote war damit weit größer als bei der Vendée Globe. Viele Segler brachen wegen Einsamkeit oder technischer Probleme ab, einige erlitten Mastbruch oder sogar schwere Havarien, wie der Inder Abhilash Tomy oder die Britin Susie Goodall.

Es war dann ein grauer Dienstagmorgen, als sich eine einsame Mastspitze über den Horizont vor der französischen Atlantikküste schob. Da war er, der Sieger! An diesem 29. Januar 2019 kehrte Jean-Luc Van Den Heede (Interview am Artikelende) von seiner Nonstop-Weltumsegelung zurück und gewann das Golden Globe Race, das fast genau sieben Monate zuvor in Les Sables-d’Olonne begann. Trotz aller Kritik daran wurde die Neuauflage dieses historischen Segelevents ein Erfolg und geht nun in die zweite Runde.

Viele Interessenten

Die Warteliste auf Startplätze für diese Wiederholung war schnell voll. Anders als bei der Vendée zieht das Golden Globe dabei vor allem all jene an, die trotz schmalem Budget einmal im Leben an einer Regatta um die Welt teilnehmen wollen. Gut ein Drittel der Teilnehmer segelt jedoch mit sportlichen Ambitionen und will gewinnen. Entsprechend heterogen ist die Gruppe der Segler des Golden Globe Race, die aus aller Welt kommen. Manche haben den Globus bereits umsegelt, andere noch überschaubare Hochsee-Erfahrung. Der Jüngste, der US-Amerikaner Elliott Smith, ist 27 Jahre alt, der Älteste, Edward Walentynowicz aus Kanada, 68 Jahre.

Die Favoriten für das Golden Globe Race

Damien Guillou. Der 39-jährige Franzose geht mit der Rustler 36 „PRB“ an den Start. Als Profisegler mit starken Sponsoren und einem Team  im Rücken sind er und sein Boot sehr gut vorbereitet. Sein Ziel ist, das GGR zu  gewinnen.
Foto: Marin Le Roux - polaRYSE / PRB

Einige versuchen ihr Glück bereits zum zweiten Mal. Abhilash Tomy, der Brite Ertan Beskardes, der Australier Mark Sinclair und der Finne Tapio Lehtinen waren bereits 2018 dabei. Andere hatten damals ihre Schiffe nicht fertig und verschoben die Teilnahme um vier Jahre. Mit entsprechend umfassender Vorbereitungszeit gehen sie nun an den Start. Darunter ist etwa der Österreicher Michael Guggenberger.

Nur ältere Yachten dürfen mit

Viele der Schiffe, die 2018 gesegelt wurden, haben schnell einen neuen Besitzer gefunden und sind nun – teils weiter modifiziert und ausgerüstet – erneut dabei. Die Yachten, auf denen gesegelt wird, machen ohnehin den Reiz des Golden Globe Race aus: Erlaubt sind nur Fahrtenyachten aus Serienproduktion mit Langkiel, die vor 1988 konstruiert wurden und zwischen 32 und 36 Fuß lang sind.

Nach Jean-Luc Van Den Heedes Erfolg erlebte besonders sein Bootstyp, die Rustler 36, einen wahren Run. Immerhin vier der 16 Segler, die sich bei Redaktionsschluss qualifiziert hatten, gehen mit diesem Bootstyp an den Start. Darunter auch Mitfavorit Damien Guillou, Ex-Préparateur von Vendée-Skipper Kevin Escoffier.

Auch mit der Vorgabe zu den Schiffen will der Veranstalter dem Zeitgeist des einstigen Golden Globe Race Rechnung tragen. Die erlaubte Ausrüstung an Bord und die Regeln sollen an 1968 erinnern und den Charakter einer Retro-Regatta manifestieren.

So dürfen keine elektronischen Hilfsmittel zur Navigation benutzt werden. Navigiert wird wie damals mit Papierseekarte und Sextant, mit Schlepplog und Zirkel. Auch die Kommunikation ist im Vergleich zu heutigen Offshore-Regatten rudimentär: Sie erfolgt allein über Funk. Nur für den Notfall sowie für den Austausch mit dem Veranstalter befinden sich EPIRB und Satellitentelefon an Bord.

Mehr Vermarktung geplant

Die Vermarktung des Rennens hat auch die Routenwahl beeinflusst. So gibt es entlang der gut 30.000 Seemeilen um den Globus vier sogenannte Film Drops. Diese Wegpunkte vor Lanzarote, Kapstadt, Hobart und Punta del Este müssen die Skipper anlaufen. Dort sollen sie Foto- und Videomaterial abliefern und ein Interview geben. Dann segeln sie weiter.

2018/19 gab es lediglich zwei dieser Stopps. Die Ausweitung auf vier „nimmt den Skippern auch taktische Optionen“ räumt Lutz Kohne ein. Der 27-jährige Deutsche arbeitet als stellvertretender Wettfahrtleiter für den Veranstalter und begleitet das Rennen rund um die Uhr. „2018 hatten die Skipper von Hobart bis Frankreich wahnsinnig viele Optionen“, so Kohne, der selbst ambitionierter Einhandsegler ist und die Teilnahme im Jahr 2026 anstrebt. „Das wird nun durch den Stopp in Punta del Este in Uruguay stark eingeschränkt.“

Allein mit Boot und weitem Ozean. Nach der intensiven Vorbereitung beginnt nun der Törn um die Welt | Yann Riou - polaRYSE / PRB
Allein mit Boot und weitem Ozean. Nach der intensiven Vorbereitung beginnt nun der Törn um die Welt | Yann Riou - polaRYSE / PRB

Weitere umfassende Änderungen in den Wettfahrtregeln betreffen vor allem die Kommunikation an Bord, um die vor vier Jahren Ärger entbrannte. Der Verdacht kam auf, dass sich einige Skipper über Amateurfunk Wetterinformationen durchgeben ließen, die Freunde oder Familie in der Heimat über Wetter- Tools abrufen und interpretieren konnten – was Wetterrouting nahekam und laut Reglement verboten ist.

Um derartige Unterstützung von außen diesmal zu unterbinden, sind nun keine HAM-Amateurfunkgeräte mehr an Bord erlaubt. Dafür dürfen nun Wetterfaxgeräte benutzt werden, mit denen die Solisten Wetterkarten zur eigenen Interpretation an Bord ausdrucken können.

Harte Qualifikation

Außerdem wurde ein weiterer Solotörn in die Qualifikationsvoraussetzungen aufgenommen, der mindestens 2.000 Seemeilen lang sein muss, bei dem nur mit Sextant navigiert werden darf und der auf dem Boot stattfinden soll, mit dem das Golden Globe gesegelt wird. Hier wird die Bandbreite der Segler deutlich: Konnten manche auf ihrem Schiff schon fast die Distanz einer halben Weltumsegelung in der Vorbereitung zurücklegen, haben andere Mühe, es überhaupt an die Startlinie zu schaffen – oder mussten ihre Meldung noch wenige Wochen vor dem Start zurückziehen.

Die größte Veränderung dürfte das Timing betreffen. Der Starttermin wurde um zwei Monate im Jahr nach hinten verschoben, von Anfang Juli auf Anfang September. „Dadurch sollen die südlichen Breiten später erreicht werden und das Risiko sinken, in Stürme zu geraten“, erklärt Vize-Wettfahrtleiter Kohne.

Dass die betagten Fahrtenyachten grundsätzlich ungeeignet seien, es mit den Bedingungen in den rauen südlichen Breiten aufzunehmen, ist ein Kritikpunkt, der schon beim ersten Golden-Globe-Revival vielfach geäußert wurde. Sieger Jean-Luc Van Den Heede sieht das jedoch anders. „Die Boote können das. Ich würde es auch wieder damit tun.“

Immerhin wird der Hochseeveteran am Sonntag, dem 4. September, in einem Begleitboot draußen auf dem Wasser dabei sein, wenn der Startschuss fällt – wenn die Yachten dort am Horizont verschwinden, wo er an jenem Dienstagmorgen im Januar wieder auftauchte.

Das Golden Globe Race (GGR) beginnt am 4. September in Les Sables-d’Olonne in Frankreich. Von dort geht es auf der klassischen Route nonstop um den Globus. Entlang der Strecke müssen vier Wegpunkte angelaufen werden – vor Lanzarote, Kapstadt, Hobart und Punta del Este. Im Frühjahr 2023 werden die Boote in Les Sables-d’Olonne zurückerwartet | Karte: YACHT
Das Golden Globe Race (GGR) beginnt am 4. September in Les Sables-d’Olonne in Frankreich. Von dort geht es auf der klassischen Route nonstop um den Globus. Entlang der Strecke müssen vier Wegpunkte angelaufen werden – vor Lanzarote, Kapstadt, Hobart und Punta del Este. Im Frühjahr 2023 werden die Boote in Les Sables-d’Olonne zurückerwartet | Karte: YACHT

Interview mit dem Vorjahressieger Jean-Luc Van Den Heede

Monsieur Van Den Heede, viele Teilnehmer am Golden Globe bitten Sie um Rat. Was werden Sie am häufigsten gefragt?

Vieles! Da geht es ums Wetter, um die Segel und, und, und. Gerade erst wurde ich gefragt, wie ich meinen Wein gestaut habe. (lacht)

Und, wie haben Sie?

Ich hatte Drei-Liter-Kanister dabei, die sind am praktischsten.

Was geben Sie noch mit auf den Weg?

Dass man mentale Stärke braucht, um es zu schaffen, und sehr gute Vorbereitung. Ich konnte gewinnen, weil ich gut präpariert war. Ich hatte drei Jahre Zeit dafür und war Vollzeitsegler. Das war der Schlüssel zum Erfolg.

Was wird denn diesmal anders sein?

Schwieriger wird meiner Meinung nach, dass es vier statt zwei vorgeschriebener Stopps gibt. Man ist da draußen in seiner eigenen Welt. Der plötzliche Kontakt reißt einen sehr aus dem eigenen Rhythmus. Wenn man dann plötzlich Menschen trifft, ist das merkwürdig und nicht ganz leicht.

Glauben Sie, dass das Rennen mittlerweile professioneller geworden ist?

Die Skipper machen es immer noch, weil sie um die Welt segeln und ankommen wollen. Nur etwa 30 Prozent machen es aus sportlichen Gründen. Die Herausforderung ist, anzukommen! Der große Unterschied zu 2018 ist aber, dass man nun auf die Erfahrung derjenigen bauen kann, die es vor vier Jahren versucht haben.

Sie leben in Les Sables, bekommen die Vorbereitungen unmittelbar mit. Reizt es da nicht unheimlich, noch einmal dabei zu sein?

Auf jeden Fall. Aber ich bin nun zu alt dafür, ich bin ja keine 35 mehr.

Wem drücken Sie besonders die Daumen, haben Sie einen Favoriten?

Ja sicher, gleich mehrere. In diesem Rennen kann allerdings alles passieren. Alles kann kaputt ­gehen! Um dieses Rennen zu gewinnen, muss man erst mal ankommen.

Jean-Luc Van Den HeedeFoto: Christophe Favreau/PPL/GGR
Jean-Luc Van Den Heede

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