MeinungGauner und andere Halunken kaufen keine Schiffe

YACHT-Redaktion

 · 24.12.2022

Meinung: Gauner und andere Halunken kaufen keine Schiffe

YACHT-Woche – Der Rückblick


Liebe Leserinnen und Leser,

Boote aller Art und Größe haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden alle irgendwann mal gekauft, und sie werden – zumindest in den meisten Fällen – auch irgendwann mal wieder verkauft. In einer modernen und vom Internet geprägten Welt stehen dafür mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel als Anzeigen auf Online-Verkaufsplattformen, in den sozialen Medien oder aber auch als Inserate in Fachmagazinen wie der YACHT. Diese führen letztlich überwiegend zum gewünschten Erfolg. So weit, so gut.

Allerdings und bekanntermaßen sind diese Vorgänge nicht selten von unschönen Nebengeräuschen begleitet. Sprich: von üblen Betrugsmaschen. Als temporärer Bootsverkäufer – ich würde gern meinen mittlerweile 105-jährigen 45er Nationalen Kreuzer veräußern – habe ich jüngst selbst einschlägige Erfahrungen machen müssen. Denn neben den normalen und seriösen Interessensbekundungen sind bei mir auch höchst zweifelhafte Anfragen eingeschlagen. Und dies nicht gerade in geringer Anzahl.

Das geht dann in der Regel etwa so vonstatten: Über das Telefon meldet sich einer aus dem Ausland, immer nur mit Vornamen und meist mit unterdrückter Rufnummer. In gebrochenem Deutsch gibt der vermeintliche Kaufinteressent an, das Schiff umgehend kaufen zu wollen, und will als Erstes wissen, wie und wo das Geschäft möglichst zeitnah über die Bühne gehen kann. Fragen zum Boot, zu dessen Zustand oder zu Transport und Übergabe bleiben außen vor.

Beim durchschnittlich intelligenten und nicht allzu naiven Verkäufer müssen spätestens jetzt sämtlich Alarmsirenen gleichzeitig losheulen. So natürlich auch bei mir. Spaßeshalber lasse ich mich dennoch auf Gespräche ein, zum Beispiel mit Antonio aus Mailand, dessen richtiger Name höchstwahrscheinlich ein ganz anderer ist. Wie er sich denn die Bezahlung vorstellen würde, möchte ich gern wissen. Darauf macht er mir den folgenden Vorschlag: Ich soll zusammen mit dem Schiff den Kaufpreis in Euro, oder noch besser in Schweizer Franken (ich bin ja Schweizer), mit zur Übergabe nach Italien bringen. In bar selbstredend.

Richtig gelesen: Ich als Verkäufer soll erst mal Geld bringen. Antonio wiederum würde mir dann anschließend ganz einfach den doppelten Kaufpreis auszahlen, ebenfalls in Euro als Bargeld, das zweifellos unversteuert ist. Ich hätte dann zwar netto den Kaufpreis für mein Boot im Sack, müsste aber zusehen, wie ich das Bündel vermeintliches Schwarzgeld geschmeidig über die Grenze und außer Landes brächte. Mit der wenig ermutigenden Vorstellung, damit bereits mit einem Bein hinter Gittern zu stehen, während meinem schönen Klassiker auf irgendeinem schäbigen Parkplatz mitten in Italien zwangsläufig die Verrottung droht, drücke ich den Geldwäscher weg.

Der Fall Antonio ist nur eines von vielen Beispielen von versuchten Gaunereien, die im Zusammenhang mit dem Verkauf meines Schiffes an mich herangetragen werden. Es sollten zwischenzeitlich noch zahlreiche solche Anrufe bei mir eingehen. Die Maschen sind mittlerweile bekannt und die Vorgehensweisen ähnlich. Nur die Spielarten variieren. Die kriminelle Energie der Anrufer treibt bisweilen äußerst seltsame, ja sogar bizarre Blüten.

Zum Beispiel meldet sich ein Herr mit belgischer Mobilnummer und angeblichem Wohnsitz im Fürstentum Liechtenstein mit einer Kaufabsicht. Er gaukelt mir vor, sich als ausgewiesener Fachmann im Yachthandel sehr genau auszukennen, und will mir weismachen, dass ich meinen Oldtimer für den ausgeschriebenen Kaufpreis ohnehin weit unter dem realen Wert verhökern würde. Er bietet mir deshalb im Handumdrehen nicht weniger als den sechsfachen Kaufpreis an. Sein Vorschlag ist zwar merkwürdig, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Denn je höher die Geldsumme im Geschäft, desto effizienter die potenzielle Geldwäsche – logisch.

Im Gegenzug werde ich von ihm gebeten, mein Schiff am Wohnsitz seines Sohnes im Zwergstaat Andorra auszuliefern. Andorra liegt mitten in den Pyrenäen und ganz weit weg von jeder zusammenhängenden Wasserfläche. Das ist letztlich an Absurdität tatsächlich kaum mehr zu übertreffen! Ich muss heute noch laut lachen, wenn ich an diesen Vorgang denke.

An die schrägen Anfragen und die krummen Angebote habe ich mich mittlerweile schon fast gewöhnt. Allerdings ich bin erstaunt, wie viele davon immer noch eingehen. Vielleicht sollte man den einschlägigen Anrufern gleich zu Beginn des Gesprächs zurufen:

Für wie doof hältst du mich eigentlich?”

Andererseits mache mir einen Spaß daraus zu erfahren, mit welchen krummen Geschäften ich noch so konfrontiert werden kann. Das hat durchaus auch etwas Spannendens und vielleicht sogar etwas Lehrreiches. Darauf eingehen muss ich ja nicht.

Übrigens: Meinen schönen Klassiker habe ich leider noch nicht verkaufen können. Seriöse Anfragen werden sehr gerne und jederzeit entgegengenommen.

Michael Good, Redaktion YACHT

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