InterviewBodenseesegler überlegt, sein Boot zu verkaufen – wegen der Kurtaxe

Jan Zier

 · 15.12.2022

Interview: Bodenseesegler überlegt, sein Boot zu verkaufen – wegen der KurtaxeFoto: Privat
Schon immer fand Peter Mayer die Kurtaxe in Kressbronn unangemessen, dazu wurde sie vor Kurzem von 20 auf knapp 200 Euro jährlich angehoben

Peter Mayer, 64, Architekt aus Biberach, segelt seit acht Jahren eine X-36. Seine Fehde mit der Gemeinde Kressbronn, die eine Kurtaxe eingeführt hat, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen; der damit einhergehende Schriftverkehr füllt mehrere Aktenordner

Am Bodensee ist ein Streit um die Kurtaxe entbrannt: In Kressbronn will die Gemeinde neuerdings 198 Euro im Jahr von jedem Liegeplatzinhaber kassieren. Das Geld soll helfen, die touristischen Einrichtungen zu finanzieren, die man dann mit der “Echt Bodensee Card” nutzen kann.

YACHT: Sie kämpfen seit Jahren mit enormem Einsatz gegen die Kurtaxe in Kressbronn, schreiben Widerspruch auf Widerspruch. Warum?

Mayer: Ich finde es einfach ungerecht! Die Kurtaxe soll ja touristische Einrichtungen der Gemeinde finanzieren, so wie hier etwa das Strandbad, das man dann günstig nutzen kann. Ich bin da aber nicht. Ich komme als ortsfremder Dauerlieger, der sein eigenes Boot in einem Privathafen hat, nicht als ein Tourist in die Gemeinde. Trotzdem soll ich zahlen, obwohl weder Tagestouristen, Charterer noch Urlauber mit Trailerbooten zur Kasse gebeten werden. Ich sehe einen Unterschied zwischen den Seglern und einem Hotelgast und kann dem Argument, dass man vermutlich die Einrichtungen Kressbronns nutzt, nicht folgen. Sonst könnte ja auch jede andere Gemeinde Geld von mir verlangen, weil mein Auto dort mal stehen könnte.

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Ein Gericht hat aber doch entschieden, dass es für die Kurtaxe nicht darauf ankommt, ob man die Einrichtungen der Gemeinde tatsächlich nutzt.

Aber wenn ich mit demselben Boot nur eine Nacht im Hafen liege, zahle ich nichts. Weil ich es jedoch die Saison über im Hafen parke, zahle ich zur Strafe – und zwar nicht zu knapp!

Anfangs ging es um 20 Euro pro Person, jetzt sind es knapp 200 Euro für das Boot. Lohnt das den ganzen Aufwand?

Nein, natürlich nicht! Es geht mir ums Prinzip. Und keiner weiß, wie es im nächsten Jahr weitergeht.

Wie viel Geld geben Sie im Jahr für Ihr Boot aus?

Es geht mir nicht in erster Linie ums Geld. Wenn sich Kressbronn hier durchsetzt, werden andere Gemeinden nachziehen. Da bin ich mir sicher.

Wenn es eine Bootssteuer in derselben Höhe gäbe, würden Sie dann auch so heftig protestieren?

Dann könnte ich wohl nicht dagegen angehen. Wenn es eine zielgerichtete Steuer gäbe, wäre das etwas anderes als in Kressbronn, wo ich von der Kurtaxe gar nichts habe. Wenn die Gemeinde mir etwas bietet, was ich nutze, zahle ich gern. Allein in dem Ultramarin-Hafen in Kressbronn liegen 1.500 Boote. Ich verstehe, wenn ein Kämmerer überlegt, wie er da abkassieren kann. Dafür die Kurtaxe so lange zu verbiegen, bis es passt, ist nicht in Ordnung. Die Gemeinde sollte ehrlich sein. Zugleich ist es ein Skandal, dass alle Dauerlieger unabhängig von der Bootsgröße gleich behandelt werden.

Glauben Sie, dass Sie diesen Kampf gegen Kressbronn gewinnen können?

Allein sicher nicht. Wenn viele protestieren und die Öffentlichkeit suchen, hätten wir eine Chance, dass das zumindest sauber getrennt wird. Meichle + Mohr als Hafenbetreiber sowie die Kressbronner Segler und Fischer klagen auch gegen die Kurtaxe, ich selbst will das aber nicht.

Fühlen Sie sich manchmal wie ein Segel-Don-Quijote?

Möglicherweise! Ich habe auf jeden Fall kein Problem damit, wenn man mich so nennt.

Was passiert, wenn Sie am Ende verlieren?

Ich überlege, mich künftig von der Gemeinde fernzuhalten, eh sie noch Sohlengeld für meine Schuhe verlangt. Es kann sein, dass ich mein Boot verkaufe. Dann würde ich eben Schiffe chartern oder mit der Jolle auf dem See segeln.


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