Liebe Leserinnen und Leser,
es passiert einfach so, ohne Fremdeinwirkung, ohne Änderungen im System, ohne Ankündigung. Der Autopilot reagiert nicht mehr, stellt sich tot. Zum Glück nicht unterwegs, sondern im Hafen beim frühsaisonalen Systemcheck. Nun ist der Segler an sich auch ohne Autopiloten in der Lage zu segeln, aber wenn ein vom versteuerten Privatvermögen teuer bezahlter Ausrüstungsgegenstand nicht mehr funktioniert, ist das mehr als ärgerlich. Und dem seglerischen Komfort durchaus abträglich, ist man vorzugsweise zu zweit oder allein unterwegs. Nichts schöner, als den Knopf zu drücken und das Boot rauscht dahin, während du auf dem Schiff rumläufst oder Segel trimmst.
Nun denn: Keine Reaktion, der satte Schmatzer beim Einschalten der Bordinstrumente fehlt. Fehlersuche, klar, was sonst. Eine Sicherung irgendwo im System? Ein Blick in die Bedienungsanleitung? Die ist im Bordordner nicht vorhanden, wurde auch nicht mit dem Boot übergeben. Eine Mail an die Werft, die tatsächlich antwortet, es könne sich eigentlich nur um die Sicherung des AP-Motors handeln. Die finde ich nach etwas Suche achtern am Piloten unter Deck, sie ist intakt, na klar doch, wäre ja auch zu einfach.
Na gut, dann online in Bedienungsanleitung gucken. Aber um welches Produkt handelt es sich? In der Spezifikation des Bootes ist nur die Rede von einem Autopiloten, keine Marke, kein Typ. Also einfach mal auf den Piloten und den dazugehörigen Rechner gucken? Ha, Fehlanzeige. Der Motor ist zwar gut zugänglich unter einer Klappe im Cockpit einsehbar, aber den Computer muss ich erst suchen. Der ist achtern in Kokernähe angeschraubt, ich finde ihn hinter einer Klappe der Achterkammer. Angucken kann ich ihn nicht richtig, er ist unter dem Cockpitboden eingebaut, der Kopf passt nicht zwischen Bauteil und Rumpf. Also ein Handyfoto. Simrad AC 12 steht drauf. Die Anleitung findet sich im löblichen Webauftritt des Herstellers, prima. Dort ist dann doch die Rede von einer zweiten Sicherung im AP-Rechner.
Der lässt sich öffnen, wenn auch mühselig, die Sicherung ertasten und ziehen, siehe da, der Übeltäter ist gefunden, nach mehrstündiger Suche, Recherche und Fummelei. Also das Teil ist laut Messgerät durch, ist zu ersetzen. Über kopf, in einem nicht einsehbaren Kasten versuche ich die beiden Zungen der Sicherung in ihre Aufnahmen zu drücken – mit dem Arm, den ich zum Abstützen brauche. Muss ich erwähnen, dass es nicht ohne Fluchen, mehrere Versuche, verlorene Sicherungen, Schweiß und Verrenkungen abging?
Was ich damit sagen will: Der moderne Großserienbau hat seine Tücken. Ich rede nicht von Qualität, Langlebigkeit oder Sicherheit. Sondern von Wartungsfreundlichkeit. Die leidet stark unter der Baumethode. Erst den Rumpf mehr oder weniger komplett auszubauen und sämtliche Installationen vorzunehmen, bevor das Deck draufkommt, hat seine Vorteile. Für die Werft. Die spart reichlich Stunden, weil die Kabel, Komponenten, Schläuche von den Arbeitern höchst einfach mit Platz, Bewegungsfreiheit und offenem Blick installiert werden können. Dass Schrauben, Verbindungen, Klappen, Geräte und eben Sicherungen nach Einbau von Möbeln und vor allem des Decks teils schlecht bis nicht erreichbar sind, ist dieser aus Werftsicht nachvollziehbaren Abkürzung geschuldet.
Was ich daraus gelernt habe: sämtliche Komponenten identifizieren, alle Anleitungen mitführen, sei es physisch oder als PDF, wissen, wo wirklich alle Teile sitzen und welche Sicherungen es gibt, Ersatz für diese mitführen. Und sich nicht zu sehr zu ärgern, wenn mal was nicht funktioniert.
Schließlich ist ein Boot ein komplexes Wesen.
stellv. Chefredakteur YACHT
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Sie sind wieder unterwegs – und wie! Gleich mehrere Teams konnten in der vergangenen Woche den 24-Stunden-Rekord der “Comanche” überbieten. Von Newport kehrt The Ocean Race mit einer 3.500 Seemeilen langen transatlantischen Etappe nach Europa zurück, Ziel ist in Aarhus. Hier auf yacht.de gibt es wie immer tägliche News, Hintergründe und Updates zum Rennen!
Viele Eigner gehen davon aus, dass die Mehrwertsteuer für ihre Yacht längst bezahlt ist, bis der Zoll nachfragt und die passenden Unterlagen fehlen. In der 81. Podcast-Episode von YACHT - Der Segelpodcast erklärt Rechtsexperte Benyamin Tanis, warum der Unionswarenstatus entscheidend ist, weshalb alte Kaufbelege oft nicht genügen und was bei langen Reisen außerhalb der EU zu beachten ist. Wer gebraucht kauft oder mit dem Boot Richtung Mittelmeer und Karibik unterwegs ist, sollte diese Folge gehört haben.
Der Anfang ist verheißungsvoll: Boris Herrmanns neue "Malizia 4" erfreut ihr Team. Er schwärmt: "Das Boot ist fantastisch!" Dazu ein Film-Tipp von YACHT TV.
Klein, aufregend, stark. Die Kiss 25 aus Dänemark soll den etablierten Sportbootklassen die Stirn bieten können. Gebaut wird der Kohlefaser-Racer im Kleinformat bei Neo Yachts in Italien.
Ein verhedderter Anker in einem Fischernetz vor Wassersleben führte im Juni 2025 zu einem spektakulären SEK-Einsatz auf der Flensburger Förde und sorgte für breite Medienberichterstattung. Mit fortschreitenden Ermittlungen zeigt sich der Konflikt deutlich differenzierter. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt dauern an.
Die Linjett 36 zeigt im YACHT-Test viel Tempo, Kontrolle und Qualität. Was die neue schwedische Fahrtenyacht 2026 für anspruchsvolle Fahrtensegler so interessant macht.
Ein Motorboot ist im Yachthafen Langenargen in Vollbrand geraten. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf weitere Boote, verletzt wurde niemand.
Ein niederländischer Segler war vor eineinhalb Wochen auf Norderney mit seiner "Filou" gestrandet. Nun wollte er endlich die Insel verlassen. Er kam nicht weit.
Five Sisters Trophy: Die "Gorch Fock" siegt im Rennen mit ihren drei Schwesterschiffen auf dem Atlantik vor Boston.
Mit der neuen Dufour 54 krönt die französische Werft ihre umfassend erneuerte Modellpalette. Das Flaggschiff verbindet ein großzügiges Cockpit, flexible Segel- und Ausbauvarianten sowie viel Raum unter Deck. Die YACHT war in La Rochelle zum ersten Probeschlag an Bord.
Zwei Cockpits mit Dodgern, modernes Rumpfdesign, reichlich Kojen für Jedermann-Racer: Der Regattavermarkter stellt die neuen Einsatzboote für das Clipper Round the Wortld Race vor.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.