America’s CupBurling siegt mit Luna Rossa, Azzurri-Talente zu stürmisch

Tatjana Pokorny

 · 24.05.2026

Peter Burling, Ruggero Tita, Umberto Molineris und Vittorio Bissaro haben für Italiens Herausforderer-Team Luna Rossa die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America's Cup gewonnen.
Foto: America's Cup
So gerne hätten die vielen italienischen Fans am Finaltag der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup Luna Rossas Nachwuchs weiter siegen sehen. Doch das Jugend- und Frauen-Team der Azzurri war nach zwei glanzvollen Tagen im Endspurt zu stürmisch unterwegs. Am Ende jubelten die Italiener trotzdem, denn Luna Rossas A-Team siegte mit dem besten Kiwi im Prada-Shirt.

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Bis zum Finale lag Luna Rossas A-Team kein Mal in Führung bei der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup. Einmal mehr aber zeigte sich dann die alte Regel im Segelsport: Abgerechnet wird im Ziel. Kiwi Peter Burling – in diesem Zyklus nach drei Cup-Siegen für Neuseeland erstmals für Italiens Herausforderer vom Team Luna Rossa im Einsatz – zeigte seine ganze Klasse im Finalduell gegen sein früheres Team. Das Duell zwischen Luna Rossa und dem Emirates Team New Zealand gewannen die Burling-Italiener mit taktischer Meisterleistung und einem überzeugenden Start-Ziel-Sieg.

Auf America’s-Cup-Jagd mit Italien: Burling hält dem Druck stand

Die Startphase zwischen den beiden Cup-Giganten war heftig umkämpft. Während Luna Rossa mit Peter Burling am Steuerbord-Steuer auf dem Weg zur Linie noch einen Haken nach Luv schlug, um sein Timing zur Linie zu optimieren, raste das Emirates Team New Zealnd bereits die Linie zum Pin runter. Zu früh dran und von Luna Rossa gejagt, blieb Steuermann Nathan Outteridge in den letzten Sekunden keine Chance mehr auf einen Top-Start. Obwohl er last-minute noch sichtlich Fahrt auf dem neuseeländischen AC-40-Foiler nahm, unterlief ihm ein knapper Frühstart.

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Dieser Fehler im Timing kostete die Neuseeländer das Rennen und den Sieg bei der ersten Vorregatta. Luna Rossa kontrollierte das Match über die gesamte Distanz. “Es ist mein erster Sieg in der ‘grauen Uniform’. Wir haben als Team wirklich gezeigt, was wir haben. Das ist sehr zufriedenstellend”, sagte Peter Burling nach dem Rennen. Auf ihm lastete nach seinem Wechsel vom neuseeländischen ins italienische Team hoher Erwartungsdruck. Dem wurde der 35 Jahre alte dreimalige Cup-Sieger und 49er-Olympiasieger an diesem Pfingstsonntag gerecht.

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Pete hat einen unglaublichen Job gemacht heute. Wir haben schon im Start stark Druck gemacht.” Ruggero Tita

Geschlagen haben Burling, sein Backbord-Steuermann und Nacra 17-Doppel-Olympiasieger Ruggero Tita sowie ihre Trimmer Umberto Molineris und Vittorio Bissaro Burlings vormaligen Teamgefährten und langjährigen Wegbegleiter Nathan Outteridge und die Crew der Cup-Verteidiger. Mit Outteridge segelten 49er-Weltmeister Seb Menzies sowie die Trimmer Iain Jensen und Andy Maloney. Outteridge bestätigte nach dem Finale, dass die Entscheidung im Start gefallen ist.

Ich habe ihnen den Start gegeben und danach ist es so ziemlich dabei geblieben. Im letzten Cup haben wir das erste Event auch nicht gewonnen, kamen aber danach stark zurück.” Nathan Outteridge

Bis zum entscheidenden Duell hatte die furiose AC40-Flotte am Finaltag noch zwei Fleetraces ausgetragen. Als mitreißende Spitzenreiter war das Frauen- und Nachwuchsteam von Luna Rossa in den Tag gestartet. Doch nach glanzvollen Tagen schienen Marco Gradoni, Margherita Porro und ihr Team fast ein bisschen übermotiviert. Schon im ersten Lauf des Tages war ihnen ein Frühstart unterlaufen. In der Folge häuften sich die Penalties, weil die jungen Azzurri den Fehler nicht bereinigten. Schließlich wurden sie disqualifiziert.

Der junge America’s Cup: Gradoni, Porro und Crew geben “Vollgas!”

Dazu hatte Margherita Porro nach dem Rennen erklärt: “Wir hatten technische Probleme. Jemand sagte, dass wir über der Linie waren, obwohl es bei uns auf dem Bildschirm okay war. Danach ist das Bild auf unserem Bildschirm eingefroren. Dann wurden wir disqualifiziert.” Auf die Frage, ob sie das achte und letzte Rennen mit der gesamten Flotte würden bestreiten können, antwortete Margherita Porro nach Rennen sieben: “Ganz sicher! Mit Vollgas!”

Gesagt, getan. Luna Rossas Talente, die bei dieser ersten Vorregatta zum 38. America’s Cup zwei Tage lang der Maßstab waren und das Cup-Establishment das Fürchten gelehrt hatten, stürmten wieder los. Und waren wieder zu früh dran, musste zurück zur Linie und konnten den dadurch schnell anwachsenen Rückstand im Verlauf des Rennens nicht mehr aufholen. Die beiden Patzer der so wunderbar furios aufgetretenen jungen Luna-Rossa-Stürmer wirkten beinahe wie Geschenke an die Senioren.

Festzuhalten bleibt, dass das Emirates Team New Zealand das Finale mit nur einem Punkt Vorsprung vor Luna Rossas Frauen- und Jugend-Team erreicht hat. Platz vier hinter den Top-Drei eroberte sich mit guten Leistungen am Finaltag noch das französische Team La Roche-Posay Racing. Die Co-Direktoren Stephan Kandler und Bruno Dubois haben eine Mannschaft erlebt, die sich steigern konnte. Trimmer Flo Trittel, der mit seinem 49er-Steuermann Diego Botin neu ins Team gekommen ist, zog positiv Bilanz.

Technische Probleme bremsten starke Briten aus

Der Olympiasieger und SailGP-Champion Trittel sagte: “Es war ein sehr positives Regattawochenende für das La Roche Posay Racing Team, bei dem wir vor allem viel gelernt haben. Ich glaube, dass wir jeden Tag einen Schritt nach vorne machen konnten. Dieser Fortschritt hat sich auch in den Ergebnissen niedergeschlagen: Mit dem vierten Platz in der Gesamtwertung befinden wir uns genau dort, wo wir im Moment hingehören.”

Auf den weiteren Plätzen folgten in Cagliari das Frauen- und Jugendteam der Neuseeländer und das Schweizer Tudor Team Alinghi, dass sich am Finaltag mit Rang vier im letzten Rennen ebenfalls noch steigern konnte. Skipper Paul Goodison sagte nach der Kenterung am Vortag: “Es ist toll, mit einem Erfolg abzuschließen. Heute war ein besserer Tag.”

Dass Großbritanniens Talentteam Athena Pathway und ihr hochgehandeltes A-Team um Dylan Fletcher in dieser Reihenfolge die Schlusslichter bildeten, war im Falle der Senioren mehrheitlich technischen Problemen geschuldet. Die drei der insgesamt acht Fleetraces, die sie bestreiten konnten, beendeten sie mit den Rängen 2, 1 und 3.

Bestes Team im Ergebnisdurchschnitt der gesegelten Rennen: GB1!

Nimmt man nur den durchschnittlichen zweiten Rang der britischen Senioren bei den bestrittenen Rennen, dann waren sie bezogen auf das auf dem Wasser gezeigte Können das erfolgreichste Fleetrace-Team an diesem Wochenende, wäre da nicht die verflixte Technik gewesen wäre, die ihnen stattdessen den achten udn letzten Platz beschert hat. Hier geht es zu den Ergebnissen der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup.

Es dürfte bei der zweiten Vorregatta vom 24. bis zum 27. September im künftigen America’s-Cup-Hafen Neapel klar werden, zu was die Briten mit intaktem Boot imstande sind. Bis dahin bleibt Peter Burling der König im America’s Cup. Und mit ihm sein neues Team Luna Rossa, das als Event-Gewinner auch beim Blick auf den erfolgreichen Nachwuchs kaum Sorgen haben dürften.

Gezeigt hat die Vorregatta auch, dass die italienischen Fans schon ein Jahr vor der America’s-Cup-Premiere in Neapel in bester Feierlaune sind. Der kommende europäische Cup-Gipfel dürfte in Neapel zum Festival für den Segelsport werden.

REPLAY! Das Finale der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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