Wieder sorgte am zweiten von drei Renntagen bei der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup eine Kenterung für Schreckmomente. Dieses Mal war es nach dem britischen Frauen- und Jugend-Team Athena Pathway am Vortag das Tudor Team Alinghi, das glücklicherweise schnell sicherstellen konnte, dass alle vier Segler “safe” waren. Für die Schweizer war es kein guter, eher ein lehrreicher Tag.
Während sich bekannte Cup-Helden und erfahrene Kräfte zwischendurch auch immer einmal schwer taten, drückten Italiens Talente wie schon am Vortag das Gaspedal durch. Mit ihren Rängen 4, 2 und dem Rennsieg am späten Samstagnachmittag zeigten die Steuerleute Marco Gradoni, gerade 22 Jahre alt, und Margherita Porro (27) mit ihren Trimmern Maria Giubilei (27) und Giovanni Santi (21), dass sie nichts und niemanden auf der America’s-Cup-Bühne fürchten.
Für die jungen “roten Monde” war es auch kein Problem, wenn sie einmal – wie in Rennen vier, dem ersten am Samstag – in der Vorstartphase von den Foils fielen und dazu noch mit Software-Problemen zu kämpfen hatten. Bis zu 700 Meter lagen sie zurück. Im Ziel reichte es nach erfolgreicher Aufholjagd in diesem Lauf trotzdem noch zu Platz vier im dezimierten Feld der sieben AC40-Foiler.
Der tragische Verlierer sieser Regatta ist das britische Senioren-Team GB1. Am zweiten Tag in Folge von Hydraulik-Problemen geplagt, konnten Dylan Fletcher und seine Crew nach nur einem von drei Rennen am Vortag am Samstag keines der Rennen bestreiten. Stehen bleiben der eine zweite Rang vom Freitag und die Frustration.
Mehr Freude brachten dem britischen Challenger of Record nach ihrer Kenterung am Vortag die Frauen und der Nachwuchs vom Team Athena Pathway. Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills und ihre Crew zeigten mit einem Sieg in Rennen fünf, wie schnell sie sein können, wenn auf dem Kurs alles passt. Nach sechs Rennen reichte es für Athena Pathway bislang aber auch nur zu Platz sechs – einen Platz vor dem Schweizer Tudor Team Alinghi.
Bei den Eidgenossen muss das Team erst noch weiter zusammenwachsen. Die Güte und Erfahrung von Einzelathleten sind bekannt. Im Zusammenspiel und im Umgang mit dem AC40-Foiler ist noch einige Luft nach oben. Die Kenterung in Rennen fünf am Samstag tat weniger körperlich als mental weh. “Lernen auf die harte Tour” war am Abend die Botschaft der Schweizer Zusammenfassung ihres Tages.
Skipper Paul Goodison, Olympiasieger, SailGP-Ass und erfahrener Cup-Segler, sagte in Cagliari: „Es war ein harter Tag. Wir haben über Nacht einige große Änderungen vorgenommen, sind heute wieder rausgefahren und hatten große Schwierigkeiten. Das Boot lief nicht ganz so, wie es sollte. Also haben wir den ganzen Tag damit verbracht, Probleme zu lösen und es zu verbessern. Zu Beginn war es fast unmöglich zu steuern. Wir hatten wirklich Mühe, das Boot in den Griff zu bekommen.”
Gleichzeitig konnte das auch erst kürzlich neu zusammengestellte französische Team La Roche-Posay Racing den Tag mit den Rängen 5, 5 und 4 im Aufwärtstrend beenden. “Für uns war es ein guter und gleichzeitig ein frustrierender Tag”, fasste 49er-Olympiasieger und Steuermann Diego Botin das Samstag-Geschehen aus seiner Perspektive zusammen. “Wir hatten einige wirklich gute Momente, haben aber in jedem Rennen auch Fehler gemacht. Insbesondere für Flo (Red.: Florian Trittel) und mich ist es das erste Mal, dass wir eine Regatta mit diesen Booten und Gegnern um uns herum segeln.”
Das Klassement bei diesem ersten Kräftemessen, bei dem – anders als im Design-Wettberwerb America’s Cup – vor allem die Segelleistung und das Zusammenspiel der Crews geprüft werden, zeigte klar die Machtverhältnisse zu diesem frühen Zeitpunkt im neuen America’s-Cup-Zyklus.
Spitzenreiter sind nach sechs Rennen Italiens Junge Wilde (Luna Rossa 1) mit 55 Punkten vor Neuseelands “Senioren” vom Emirates Team New Zealand (47 Punkte) mit Nathan Outteridge und dem auch erst 21 Jahre alten frischgebackenes 49er-Weltmeister Seb Menzies an den Steuern im A-Team. Auf Platz drei folgen mit Luna Rossa 2 (44 Punkte) die Senioren der Azzurri mit dem dreimaligen Cup-Sieger Peter Burling und Nacra-17-Doppel-Olympiasieger Ruggero Tita. Auf Platz vier lag am Samstagabend die nächste Generation der Kiwis (39 Punkte) mit Jake Pye und Erica Dawson als Steuerfrau an Steuerbord.
Damit ist die erste Hälfte der Tabelle bislang von Italien und Neuseeland besetzt. Viel Zeit zum Aufholen bleibt nicht mehr. Am Sonntag starten die letzten beiden der insgesamt acht Fleetraces, bevor das Finalduell der besten beiden Teams folgt.
Über Nacht wird sich allen Teams die Frage stellen: Kann jemand Luna Rossas Youngster am Sonntag bei dieser ersten Vorregatta zum America’s Cup einfangen? Dafür müssten die anderen ihre Fehler abstellen, die sich auch am Samstag immer wieder einschlichen. Solche wie die schwach ausgeführte Wende der Kiwis auf der linken Kursseite im Powerfinale des sechsten und letzten Rennens am Samstag. Sie hätten das Rennen nach der sehr guten Vorarbeit gewinnen können – und müssen.
Statt dessen bot sich den sehr schnell aufkommenden jungen Italienern die Chance zum Überholen. Daraus machten Gradoni, Porro und ihre Crew sehr entschlossen einen 11-Sekunden-Vorsprung im Ziel, das sie zum dritten Mal an diesem Wochenende als Erste erreichten. Die beiden Fleetraces und das Finale sind auch am Sonntag (24. Mai, ab 15 Uhr) wieder live hier im YouTube-Kanal zu erleben.
Rückblick! Das war Tag zwei in Cagliari: