America’s CupDie italienische Talentschau vor Cagliari

Luna Rossas Cup-Jäger waren Team des Tages in Cagliari.
Foto: Ian Roman/America's Cup
Rasant, actiongeladen, spektakulär: Die ersten Rennen der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup haben mehr gezeigt als versprochen. Da war was los in der Bucht der Engel von Cagliari. Und häufig steckte der Teufel im Detail. Nicht völlig überraschend, aber doch großes Kino: Italiens Nachwuchs düpierte das Cup-Establishment mit herausragenden Leistungen.

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Das italienische Revier für die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup machte Bella figura am Eröffnungsrenntag mit acht rasenden AC40-Foilern. Serviert wurden in Cagliaris Bucht der Engel Champagner-Bedingungen, Wellengang und Knaster bei 16 bis 21 Knoten Wind. Immer wieder einmal wurden die Böen sogar noch etwas stärker, überstiegen das 21-Knoten-Limit. Zum hochkarätigen Segelfest hatten sich an Land begeisterte Menschenmengen versammelt. 650 Boote waren offiziell für den Kurs registriert. Italien umarmt den America’s Cup schon ein Jahr vor dem Hauptevent in Neapel mit beiden Armen.

Erste Vorregatta zum America’s Cup: Italiens junge rote Monde scheinen hell

Da war es “meraviglioso”, wundervoll, dass Luna Rossas Nachwuchs- und Frauen-Team es an diesem ersten offziellen Renntag im neuen Cup-Zyklus so richtig krachen ließ. Schon im Eröffnungsrennen ließen Skipper Marco Gradoni, Co-Steuerfrau Margherita Porro, Maria Giubilei und Giovanni Santi mit ihrem Start diverse Cup-Stars in der Flotte “alt” aussehen, als sie mit perfektem Timing über die Linie stoben.

Mit diesem Bild endete der Tag nach drei Läufen dann auch: Das Women & Youth Team von Luna Rossa führte die Event-Wertung am Freitagabend nach dem ersten von drei Renntagen mit satten 29 Punkten an. Margherita Porro, die schon dem siegreichen italienischen Frauen-Team beim ersten Women’s America’s Cup 2024 in Barcelona angehörte, sagte: „Ich halte es für ein gutes Zeichen, dass Frauen und junge Menschen derzeit eine Vorreiterrolle einnehmen.”

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Das ist ein enormer Ansporn für Frauen und ein enormer Ansporn für junge Menschen, weiter voranzugehen und an sich selbst zu glauben.“ Margherita Porro

Dass Marco Gradoni und Italiens junge Wilde zu ihrem Teamnamen Luna Rossa die Nummer 1 tragen, war Programm zum Auftakt: zwei Rennsiege und ein zweiter Rang bezeugten die fulminante italienische Talentschau. Die Dominanz der Azzurri in ihrem Heimatrevier und das Glück der Fans machte das Seniorenteam Luna Rossa 2 mit den Steuermännern Peter Burling und Ruggero Tita auf Platz zwei komplett. Mit dem dreimaligen America’s-Cup-Gewinner Burling und Nacra 17-Doppel-Olympiasieger Tita an den Steuern, kamen die erfahrenen italienischen Kräfte – eigentlich das A-Team – auf 20 Punkte und Platz zwei.

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Auch Neuseelands Cup-Nachwuchs glänzt

Erst dahinter folgten puntgleich die Talente der neuseeländischen Cup-Verteidiger. Beim abwechslungsreichen Wettstreit auf den AC40-Foilern ließen sich auch das Tudor Team Alinghi mit den Steuermännern Phil Robertson und Paul Goodson sowie Neuseelands Cup-Senioren mit den Steuermännern Nathan Outteridge und Seb Menzies bei ebenfalls jeweils 20 Punkten nicht lumpen, konnten aber zwei junge Teams nicht einfangen.

Einen Zähler hinter den Schweizern positionierte sich Frankreichs Team La Roche-Posay Racing mit Quentin Delapierre und Diego Botin an den Steuern auf Platz fünf. Einen rabenscharwzen Tag erwischten die Briten beim ersten Kräftemessen der Segelteams. Das Seniorenteam verpasste mit technischen Problemen zwei Rennen. Dann konnten Dylan Fletcher und seine Crew mit einem zweiten Rang im dritten Lauf immerhin zeigen, dass auch sie in der Spitze agieren wollen – und können.

Das britische Jugend- und Frauenteam um Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills kostete eine brutale Kenterung viele Punkte. Im britischen Rennstall herrschte am Abend wenig Freude darüber, dass die beiden Crews GB1 und Athena Pathway mit 10 und 9 Punkten zunächst die Schlusslichter des Klassements bildeten.

Ein Segelspektakel mit Kenterungen, Sonnenschüssen und Bauchklatschern

​Paul Goodison, Skipper des Tudor Team Alinghi und einer der erfahrensten Segler des aktuellen America’s-Cup-Zyklus, brachte es auf den Punkt: „Ich finde, Cagliari ist ein großartiger Austragungsort. Wie man heute gesehen hat, waren das einige der besten Rennen, die ich seit langer, langer Zeit gefahren bin.“ Er konnte sich freuen, denn sein Team kam mit “trockenem“ Boot zurück in den Hafen.

Andere hatten weniger Fortune beim AC40-Rodeo, das Kenterungen, Sonnenschüsse, heftige Bauchklatscher der Foiler und Proteste in Serie servierte. Reihum hatten auch die renommiertesten Segler und Seglerinnen Rückschläge wegzustecken. Die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup wird am Samstag und am Pfingstsonntag bis zum Finale der beiden besten Teams nach acht Fleetraces fortgesetzt. Zu den Zwischenständen geht es hier. Die Live-Übertragungen von 15 bis 17 Uhr sind unter anderem via YouTube zu sehen.

Die Höhepunkte von Renntag eins der Vorregatta in Cagliari:

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