America’s CupErst Cagliari, dann Neapel – Italien umarmt den Cup

Tatjana Pokorny

 · 21.05.2026

Zwei der Co-Favoriten für die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America's Cup: Italiens Team Luna Rossa und Team GB1. | Foto. Ricardo Pinto/America's Cup
Gerade ist die erste Vorregatta zum 38. America’s Cup vom 22. bis zum 24. Mai offiziell eröffnet, da kommt schon die Bestätigung für die zweite Vorregatta. Auch die wird in Italien ausgetragen: im Cup-Revier für 2027 vor Neapel. Doch an diesem langen Pfingstwochenende geht es zunächst erstmals im neuen Cup-Zyklus auf AC40-Foilern vor Cagliari zur Sache.

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Primo servizio in Italia – erster Aufschlag in Italien! An diesem Donnerstag wurde die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup in Cagliari offiziell eröffnet. Der erste Startschuss im neuen Cup-Zyklus fällt am 22. Mai. Serviert wird in der Bucht der Engel vor Sardiniens schöner Küste das erste Kräftemessen mit Crews von fünf der inzwischen sieben Cup-Teams. Drei von ihnen schicken neben ihren A-Teams auch jeweils noch ein Women & Youth- Team ins Rennen.

Startschuss für die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup

Acht Teams insgesamt kämpfen drei Tage lang in bis zu acht Fleetraces um den Einzug ins Matchrace-Finale der Top-Zwei. Auswirkungen auf die Herausfordererrunde zum 38. Louis Vuitton America’s Cup im kommenden Jahr hat die Vorregatta nicht. Dafür aber birgt das dreitägige Event für alle Teams die Chance, sich im Spiel mit den kleineren AC40-Foilern als sportlich potenter Verteidger oder Herausforderer zu präsentieren.

Dazu kommt die hübsche Chance für die drei gemischten Frauen- und Jugend-Quartette der Neuseeländer, Briten und Italiener, dem Cup-Establishment und auch den eigenen Senioren im Team mit starken Leistungen ein Bein zu stellen. Versuchen werden es der weibliche und männliche Cup-Nachwuchs vom Emirates Team New Zealand, das mit Team GB1 verbundene britische Team Athena Pathway und Team Luna Rossa 1. Die Italiener haben ihren Youngstern die 1 überlassen. Das Senioren-Team startet mit der Nummer 2 starten.

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Die ersten Trainingsrennen sind bereits absolviert. Die Cup-Teams wurden am Abend im Race Village von Cagliari vorgestellt. Am Freitag beginnt die Dock-out-Show um 13.30 Uhr. Die ersten maximal drei Rennen der Vorregatta im sardischen Revier werden am Freitag zwischen 15 und 17 Uhr ausgetragen. Das Zeitfenster bleibt für die beiden folgenden Renntag gleich.

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Bei der Vorab-Pressekonferenz haben sich die Teams am Donnerstagmorgen vorgestellt. Für die neuseeländischen Cup-Verteidiger beantwortete Skipper Nathan Outteridge den Fragen. Einige Cup-Fans mussten sich bei diesem ersten Auftritt der Führungsfiguren aller Teams auf einer Bühne noch daran gewöhnen, dass ein Australier das neuseeländische Team vertrat, während der dreimalige neuseeländische Cup-Gewinner Peter Burling für das italienische Team Luna Rossa auftrat.

Wer hat am Wochenende das stärkste Segelteam?

Für den britischen Challenger of Record stellte sich Dylan Fletcher den Fragen. Das Schweizer Tudor Team Alinghi schickte Paul Goodison in den verbalen Medienring. Frankreichs La Roche-Posay Racing Team wurde von Quentin Delapierre repräsentiert. Erica Dawson kam für den neuseeländischen, Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills für den britischen Nachwuchs dazu. Italiens Überflieger Marco Gradoni, mit dem italienischen Jugend-Team schon im 37 America’s Cup siegreich im Jugend-Wettbewerb, repräsentierte erneut Team Luna Rossa.

Beim ersten gemeinsame Auftritt der Teams hielt Nathan Outteridge gleich offen fest, dass der America’s Cup auf AC75-Foilern ausgetragen werde und es dann “mehr der Design-Wettbewerb” werde. Gleichzeitig wertete Outteridge auch die Vorregatta als wichtig: “Es geht darum, als Segelteam zusammenzuwachsen. Wir haben ein wirklich interessante Teamaufstellung. Seb Menzies ist gerade bei uns dazugestoßen. Er hat in der vergangenen Woche die 49er-Weltmeisterschaft gewonnen. Es war unglaublich, diese Woche hier mit ihm zu segeln. Wir freuen uns sehr auf die Rennen.”

Als Verteidiger wollen wir einfach dabei sein und mit den Herausforderern segeln, sehen, wo wir stehen und wie wir uns weiter verbessern müssen.” Nathan Outteridge

Zur Rivalität mit Peter Burling, mit dem Nathan Outteridge im 37. America’s Cup noch einem Team gearbeitet hatte, sagte Nathan Outteridge: “Es ist interessant, ein paar Jahre so Seite an Seite zu arbeiten, zusammen in den Meetings zu sitzen und nun gegeneinander anzutreten. Man muss wissen, dass Pete und ich über die letzten 15 Jahre eine großartige Beziehung hatten. Ob wir zusammen trainiert haben, gegeneinander gesegelt oder zusammengearbeitet haben. Jetzt segeln wir wieder gegeneinander. Das ist doch wirklich cool.”

Peter Burling hat eine neue italienische Cup-Familie

Peter Burling betonte in der Pressekonferenz noch einmal, dass er bei seinem Abschied vom Emirates Team New Zealand nicht damit gerechnet habe, am aktuellen America’s Cup teilzunehmen. “Ich habe ehrlich nicht gedacht, dass ich jetzt hier sitze”, sagte der 49er-Olympiasieger von 2016. Und weiter: “Die Chance kam und es war absolut unglaublich, wie mich das Team und die Luna-Rossa-Fans empfangen haben. Es war super, super besonders. Es fühlt sich wie eine Familie an. Jetzt will ich da raus und am Wochenende mein Bestes geben.”

Ich mache mir keine Illusionen. Wir befinden uns immer noch stark in der Aufbauphase. Aber wir haben das große Glück, eine unglaubliche Gruppe um uns herum zu haben.” Peter Burling

Optimistisch äußerte sich auch Quentin Delapierre für Frankreichs La Roche-Posay Racing Team. “Stephan und Bruno (Red.: gemeint sind die Teamdirektoren Stephan Kandler und Bruno Dubois) haben einen tollen Job gemacht um sicherzustellen, dass wir eine zweite Kampagne in Folge bestreiten können.” Zu den prominenten Neuzugängen zählen bei den Franzosen die 49er-Olympiasieger und 2024er-SailGP-Saisonmeister Diego Botin und Flo Trittel.

Neu und anders erschien das Bild der acht Skipper auf der Bühne in Cagliari auch deshalb, weil mit Erica Dason und Hannah Mills zwei Frauen im Kreis der Cup-Größen saßen. Mills beschrieb die Chance, bei der Vorregatta gegen die Senioren-Teams antreten zu können, als “phänomenal”, “unbeschreiblich” und “sehr, sehr besonders”. Ihr Team wolle sich auf den Women’s und Youth America’s Cup im kommenden Jahr vorbereiten. Besser als bei der America’s-Cup-Vorregatta ginge das nicht.

Italien macht Bella figura im America’s Cup

Ein Thema der Pressekonferenz war auch der Zustand des America’s Cup als Wettbewerb insgesamt. “Wir haben jetzt nach sechs Teams beim letzten Mal sieben Teams. Das sagt viel über die Gesundheit des America’s Cup”, konstatierte Nathan Outteridge, der auch auf die beiden Last-Minute-Teams aus den USA und Australien verwies, für die das erste Vorspiel noch zu schnell kam. Nur wenige Stunden nach der Pressekonferenz – und noch vor Regattastart – bestätigten die Cup-Organisatoren bereits den Austragungsort und das Datum für die zweite Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup.

Das nächste Kräftemessen auf den AC40-Foilern steigt vom 24. bis zum 27. September im kommenden Cup-Hafen Neapel. Der Rennkurs wird in der Bucht von Neapel ausgelegt. Italiens Sport- und Jugendminister sagte dazu: “Italien legt noch einmal nach! Die napolitanische Stadt bereitet sich somit auf eine erste Generalprobe in ihrem reizvollen Revier vor. Der America’s Cup erstreckt sich über Jahrhunderte seinen universellen und hat seinen universellen Wert gefestigt. Neapel ist nach Cagliari eine Station auf einer Reise, die vor etwas mehr als einem jahr mit der Vergabe der Rechte zur Austragung begann.”

Diese Reise schreitet Tag für Tag konkret und pünktlich voran und hält Kurs, während wir uns dem weltweit wichtigsten Segelereignis des Jahres 2027 nähern.” Andrea Abodi

Replay! Zu sehen ist die Pressekonferenz mit den Skippern in Cagliari und auch das anschließende Gespräch mit Tom Slingsby und Ken Read von den beiden Last-Minute-Teams, die an diesem Wochenende noch nicht an der ersten Vorregatta zum 38. America’s Cup teilnehmen:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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