Der Royal Prince Edward Yacht Club ist fast 105 Jahre alt und Herausforderer Nummer sechs im 38. America’s-Cup-Zyklus. An den Start geht unter seinem Dach Team Australia mit Unterstützung des Online-Pioniers John “Herman” Winning Jr. und seiner Familie, die schon die beiden australischen Teams im Youth und im Women’s America’s Cup 2024 beflügelt hatten. Winning ist selbst ein erfolgreicher Segler, steuerte “Andoo Comanche” 2022 als Skipper zu den Line Honours im Rolex Sydney Hobart Race.
Australiens Segler hatten 1983 als erste Nation Geschichte geschrieben, die den Amerikanern den America’s Cup entreißen konnte. Damals besiegte John Bertrands Crew auf “Australia II” die US-Yacht “Liberty”mit Dennis Conner, schenkte Australien einen der größten Sporttriumphe seiner Geschichte. Zuletzt hatte ein australisches Team an der Herausfordererrunde zum 29. America’s Cup 2000 in Auckland teilgenommen: Der Jimmy Spithill im Alter von erst 20 Jahren mit Young Australia dabei war, zeigte sein Talent trotz veraltetem Boot.
Jetzt hat Team Australia keinen Geringeren als Tom Slingsby zur Führung seines Segelteams verpflichtet. Der 41-Jährige hat den America’s Cup bereits 2013 mit dem amerikanischen Team BMW Oracle Racing beim dramatischen Comeback-Sieg über Neuseeland mitgewonnen. Zuvor hatte Tom Slingsby 2012 olympisches Laser-Gold in Weymouth gefeiert. Inzwischen ist der Australier dreimaliger SailGP-Rekordmeister. Seine Bonds Flying Roos führen nach drei Event-Siegen auch in der laufenden sechsten Saison die Tabelle der SailGP-Saisonmeisterschaft an.
Seine neue Herausforderung nimmt Tom Slingsby nach seinem jüngsten Cup-Einsatz in Barcelona 2024 mit American Magic besonders gerne an: „Die Möglichkeit, Australien beim America’s Cup mit einem australischen Team zu vertreten, bedeutet mir wirklich sehr viel. Es war während meiner gesamten Karriere mein Traum, dazu beizutragen, Australien in sinnvoller Weise zurück zum Cup zu bringen. Diese Gelegenheit nun an der Seite von Herman Winning zu haben, einem engen Freund seit mehr als 30 Jahren, macht es noch besonderer.”
Es herrscht große Begeisterung für das, was wir gemeinsam aufbauen. Ich bin unglaublich stolz darauf, Teil des Beginns dieses neuen Kapitels für den australischen Segelsport zu sein.“ Tom Slingsby
Und der zweimalige Rolex Weltsegler des Jahres hat einen weiteren Maestro als Chef für die Leistungs- und Design-Abteilung an seiner Seite: Glenn Ashby, 48 Jahre alt, Landsmann und America’s-Cup-Gewinner von 2017 mit Team New Zealand, greift mit Team Australia an. Beide – Slingsby und Ashby – sind ausgewiesene Foiling-Experten. Übernommen haben die Australier nach übereinstimmenden Medienberichten “Te Rehutai”, die neuseeländische Cup-Siegerin von 2021, die beim Barcelona-Cup 2024 als Testplattform diente. Im 38. America’s Cup sind keine Neu-, nur Umbauten gestattet.
Glenn Ashby, der sich erst am vergangenen Wochenende beim SailGP vor Bermuda das Schien- und Wadenbein gebrochen hatte, blickt der Herausforderung so begeistert entgegen wie Tom Slingsby, sagte: “Seit mehr als der Hälfte meiner Karriere hatte ich diesen Traum zu erleben, dass Australien zum Gipfelevent unseres Segelsports zurückkehrt: dem America’s Cup.”
Weiter erklärte Glenn Ashby: “Als Aussies lieben wir unseren Sport und die Verbundenheit und Kameradschaft, die er mit sich bringt. Es ist eine große Ehre, dabei zu helfen, ein neues und bedeutendes Kapitel im australischen Sport zu schreiben und Teil davon zu sein, während wir das Erbe derer ehren und respektieren, die vor uns da waren. Team Australia will auf diesem Erbe aufbauen und australische Fachkompetenz und Erfahrung mit neuen Talenten kombinieren, um über verschiedene Abteilungen hinweg die Zukunft zu gestalten.”
Auch Team Australias CEO ist in der America’s-Cup-Welt bekannt: Grant Simmer hat 13 Cup-Auflagen in unterschiedlichsten Rollen mitgeprägt. Anfangs war er als junger Navigator auf "Australia II" beim historischem Cup-Triumph 1983 ein Teil der Crew um John Bertrand. Später übernahm er Rollen als Design-Chef sowie Team-Manager für verschiedene Kampagnen. Große Erfolge feierte er mit dem Schweizer Team Alinghi. Ernesto Bertarellis Rennstall, zu dessen Qualität auch der Chefkonstrukteur Rolf Vrolijk erheblich beitrug, konnte den Cup 2003 und 2007 gewinnen.
Grant Simmer sagte zum Engagement von Team Australia im 38. America’s-Cup-Zyklus: “Für mich ist diese Kampagne sowohl sehr persönlich als auch unglaublich spannend. Ich kam erstmals Anfang der 1980er Jahre mit dem America’s Cup in Berührung und hatte das Glück, Teil des legendären ‘Australia II’-Teams zu sein, das den Verlauf des Cups für immer veränderte.”
Seitdem war Grant Simmer an jeder America’s-Cup-Ausgabe beteiligt, einschließlich Australiens erfolgreicher Ausrichtung des Events in Fremantle 1987, das nach wie vor als einer der Gipfel in der 175-jährigen Geschichte gilt. Simmer sagt: “Im Laufe der Jahrzehnte haben sich australische Talente auf Teams in der ganzen Welt verteilt. Dank John Winning und dieser neuen Herausforderung haben wir nun die Möglichkeit, diese Talente wieder zusammenzubringen, um erneut für Australien anzutreten.”
Über seine Motivation sagte der 1957 geborene australische Segler und Yachtdesigner: “Was mich am meisten begeistert, ist, dabei zu helfen, die nächste Generation australischer America’s-Cup-Segler, -Konstrukteure und -Ingenieure aufzubauen und gleichzeitig eine langfristige Grundlage für Australien im modernen Zeitalter des Cups zu schaffen.”
Dazu zählen auch Australiens Seglerinnen. Tash Bryant, auch bekannt vom SailGP, gehört zum Aufgebot von Team Australia. Sie sagt: “Es fühlt sich wie eine aufregende neue Ära für den America’s Cup an. Die Weiterentwicklung der Boote und des Wettbewerbs eröffnet breitere Möglichkeiten und mehr Sichtbarkeit für Frauen im Spitzensegeln und schafft gleichzeitig klarere Wege für jüngere Generationen, die in den Sport einsteigen.”
Team Australia wird auch einen Sitz im Vorstand der neuen America’s Cup Partnership (ACP) übernehmen. Grant Dalton, ACP-Vorsitzender und Neuseelands Teamchef, sagte zum Cup-Comeback von Australien: “Die Geschichte lehrt uns, dass Segler aus Down Under die Gewohnheit haben, beim America’s Cup zu den Besten zu gehören. Ich freue mich sowohl als ACP-Vorsitzender als auch als CEO des Emirates Team New Zealand, Australien wieder beim America’s Cup willkommen zu heißen.”

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