Ihr Comeback im America’s Cup hatten die Schweizer bereits Ende 2025 bekanntgegeben. Motiviert von der selbst mitinitiierten neuen Cup-Struktur (America’s Cup Partnership) und dem italienischen Austragungsort Neapel, gehen der in Rom geborene italienisch-schweizerische Unternehmer und passionierte Cup-Jäger Ernesto Betarelli und seine Eidgenossen zum fünften Mal seit der durchschlagend erfolgreichen Premiere 2003 in Auckland auf Cup-Jagd.
An diesem Donnerstag (23. April) haben die Schweizer in Barcelona ihr Team für die nahende erste Vorregatta ab 21. Mai in Cagliari und auch den neuen Look ihrer AC40-Foiler offiziell vorgestellt. Der Rennstall hatte sich in den vergangenen Monaten mit öffentlichen Auftritten oder Cup-Kommentaren auffallend zurückgehalten. Hinter den Kulissen aber wurde intensiv gearbeitet. Das Team wuchs von sieben auf rund 50 Mitglieder an.
Aktuell noch immer in Barcelona stationiert, wo im Herbst 2024 die letzte America’s-Cup-Edition ausgetragen worden war, hat sich in der katalanischen Metropole auch die Segelmannschaft für das Tudor Team Alinghi formiert. Vorerst ist es das Kernteam, das die anstehende Vorregatta auf den kleineren AC40-Yachten bestreiten soll, die von vierköpfigen Crews gesegelt werden. Weitere Segler sollen auf Kurs Neapel bis zum kommenden Cup-Jahr dazukommen.
Fünf Segler wurden für die Cagliari-Herausforderung ausgewählt, das Tudor Team Alinghi beim ersten Kräftemessen zu repräsentieren. Angeführt wird die Mannschaft vom früheren Laser-Olympiasieger Paul Goodison als Skipper und Steuermann. Zurückgreifen kann der Brite bei der Auswahl des jeweiligen AC40-Quartetts auf weitere fünf Akteure. Prominentester Neuzugang ist mit Phil Robertson einer der erfahrensten und angriffslustigen Steuermänner aus dem SailGP. Robertson diente dem Alinghi-Team auch schon im 37. America’s Cup als Coach.
Der Neuseeländer bekommt nun endlich seine ersehnte America’s-Cup-Chance. Im SailGP ist er aktuell für Red Bull Italy als Steuermann im Einsatz. Im America’s Cup verstärkt neben Robertson der Schweizer Trimmer Nicolas Rolaz das Tudor Team Alinghi bei seinem zweiten Cup-Engagement. Dazu kommt seine Landsfrau Nathalie Brugger, die 2024 als Steuerfrau fürs Schweizer Team im Women’s America’s Cup segelte. Das starke Line-up macht Pietro Sibello komplett. Der Italiener war schon während der letzten Cup-Kampagne als Trimmer und Cheftrainer für Alinghi aktiv und ist jetzt gemäß Reglement als nationaler Segler im 38. America’s-Cup-Zylklus einsatzberechtigt.
Dave Endean, Direktor Technik & Segeln im Tudor Team Alinghi, sagte: “Wir segeln erst seit einer Woche in dieser Besetzung. Wir bauen das Team neu auf, indem wir sehr erfahrene Segler mit jüngeren Talenten kombinieren. Wir sehen uns in einer Aufholjagd und wissen, dass noch viel harte Arbeit vor uns liegt, aber genau das ist es, was uns motiviert.”
Auch wenn wir als Crew noch neu zusammen sind, bin ich beeindruckt, wie schnell sich an Bord ein starker Zusammenhalt gebildet hat.” Paul Goodison
Im Anschluss an den in Barcelona noch laufenden Trainingsblock wird das für die Société Nautique de Genève startende Tudor Team Alinghi nach Italien reisen und die Vorbereitungen auf die erste Vorregatta fortsetzen. Dort machen sich auch die weiteren Teams für den ersten kleinen Cup-Gipfel bereit.
Fünf der inzwischen sechs America’s-Cup-Teams wollen im sardischen Revier mitmischen. Drei von ihnen treten mit jeweils zwei Booten an: die Cup-Verteidiger vom Emirates Team New Zealand, Sir Ben Ainslies britisches Team GB1 und die “Hausherren” von Patrizio Bertellis Team Luna Rossa. Das französische La Roche-Posay Racing Team und die Schweizer kommen mit jeweils einem Boot. Für die gerade erst gemeldete Last-Minute-Kampagne mit dem American Racing Challenger Team USA kam das Event zu früh.
Interessant ist, dass die Teams mit zwei Booten jeweils einen ihrer Foiler mit einem vorgeschriebenen 50:50-Mix aus Jugendseglern und Frauen besetzen müssen. Daraus könnte Hochspannung entstehen, wenn der Nachwuchs dem Establishment Druck macht und angreift. Die Cagliari-Regatta wird die erste in der Geschichte des America’s Cup sein, bei der die Cup-Prominenz und junge Talente auf einer Bühne gegeneinander antreten. Insgesamt werden acht AC40-Crews im Einsatz sein.
Die meisten Teams werden ihre Crews gemäß den Regeln erst am ersten Renntag vor Mittag bekannt geben. Einige Besetzungen und Stoßrichtungen aber sind schon bekannt. Bei den Kiwis schien sich nach dem Wechsel von Starsegler Peter Burling zu Luna Rossa zuletzt ein Steuermanns-Duo aus Nathan Outteridge und Neuzugang Seb Menzies abzuzeichnen.
Als Skipperin des neuseeländischen Teams im Women’s America’s Cup ist voraussichtlich auch Jo Aleh mit von der Partie. Die 470er-Olympiasiegerin von 2012 und Silbermedaillengewinnerin von Rio gilt aktuell als stärkste Seglerin in ihrer Mannschaft. Die finale Crew-Auswahl werden im neuseeländischen Team die renommierten Trainer Ray Davies und Sam Meech sowie Chief Operating Officer Kevin Shoebridge treffen.
Im Team GB1 sind im Training am häufigsten 49er-Olympiasieger Dylan Fletcher und Ben Cornish gegen das hauseigene Athena-Pathway-Team von CEO und 470er-Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills am Steuer zu sehen. Laut Team waren die Ergebnisse bei den jüngsten internen Rennen im Revier der ersten Vorregatta sehr knapp. Es gilt als wahrscheinlich, dass Motten-As Ryan Littlechild den Zuschlag erhält, um vor Sardinien an der Seite von Hannah Mills das zweite Steuer zu übernehmen. Sie und alle anderen aufstrebenden Segler und Seglerinnen haben damit vor Cagliari die Chance, mit möglichen Siegen über die A-Teams stark ins Rampenlicht zu segeln.
Luna Rossa hat im Vorfeld der Regatta vor Sardinien am intensivsten auf den AC40ern trainiert; im Laufe der Trainingseinheiten wechselten die Steuermänner regelmäßig. Es ist bekannt, dass im italienischen Team der Konkurrenzkampf hart ist. Steuerleute für das A-Team könnten der dreimalige America’s-Cup-Gewinner Peter Burling und Nacra-17-Doppel-Olympiasieger Ruggero Tita sein. Letzterer hat gerade erst parallel zu seinen Cup-Aktivitäten ein olympisches Comeback mit Caterina Banti angekündigt.
Aktuell bestreiten das italienische Erfolgs-Mixed Tita/Banti die Semaine Olympique Française und führt das Feld gleich wieder an. Im italienischen Jugend- und Frauen-Team ist der erst 22 Jahre alte Marco Gradoni der klare Favorit als einer von zwei Steuerleuten. Das andere Steuer könnte Margherita Porro übernehmen, die zum Siegerteam der Azzurri im Women’s America’s Cup 2024 zählte. Hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack zur Cup-Vorregatta im Mai.
Dass die Franzosen vom La Roche-Posay Racing Team mit Quentin Delapierre und Diego Botin an den Steuern aufkreuzen, gilt seit der offiziellen Teamvorstellung Mitte März in Lorient als sehr wahrscheinlich. Mit dem Motten-Weltmeister Enzo Balanger gibt es aber eine weitere starke Alternative. Auch hat Ocean-Race-Europe-Siegerin Amélie Grassi den Startblock zu ihrem ersten Einsatz im America’s Cup bereits verlassen.
Bei der offiziellen Präsentation der neuen französischen Cup Equipe im März hatte mit dem Deutsch-Franzosen Stephan Kandler auch einer der beiden Direktoren erklärt, warum sich America’s Cup und SailGP gegenseitig beflügeln und bedingen. Der Blick auf die acht Crews und ihre möglichen Mitglieder zeigen das nicht nur im Tudor Team Alinghi.

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