Sie sind auch in leichten Winden ein dynamisches Dutzend: Die zwölfköpfige “Rafale”-Crew auf Henri de Bokays Elliot 52 SS hat die Line Honours im Rennen rund Helgoland geholt und den Capitell Cup gewonnen. Malte Päsler steuerte die schnelle Yacht in den für sie fordernderen leichten Winden um sechs bis acht Knoten als Spitzenreiterin ins Ziel.
Die frühere “Outsider” von Tilmar Hansen hatte Henri de Bokay im März 2021 gekauft. Sie ist in Händen der ehrgeizigen “Rafale”-Crew bestens aufgehoben. Ihr Name “Rafale” ist ein französischer Ausdruck für eine Windböe. Viele gab es davon am Pfingstsonntag rund um Helgoland bei der Nordseewoche Das Boot bestreitet regelmäßig die großen Rennen der Segelwelt. Obwohl insgesamt schon 20 Saisons im Einsatz, zählt die Rakete vom Verein Seglerhaus am Wannsee im Zusammenspiel mit ihrer Crew weiter zu Top-Yachten im Kampf um Line Honours und Rekorde.
Das galt bislang aber eher nicht bei Leichtindbedingungen, die dem Boot wenig entgegenkommen. “Bei leichtem Wind hatten wir mit dem Boot eher zu kämpfen. Gerade mit dem Cating Keel konnten wir nicht das volle Potenzial ausschöpfen”, sagt “Rafale”-Steuermann Malte Päsler. Weshalb die aktuelle Nordseewoche-Leistung im Capitell Cup Rund Helgoland umso stärker einzuschätzen ist.
“Rafale” gewann den Capitell Cup in 2 Stunden, 26 Minuten und 24 Sekunden. Berechnet waren die intensiv erkämpften Line Honours in der Meisterschaftswertung für die IDM-Offshore eine Zeit von 3 Stunden, 32 Minuten, 23 Sekunden und Platz acht im Capitell Cup Rund Helgoland wert. Sieben Booten musste die “Rafale”-Crew in der ORC-Berechnung den Vortritt lassen. Das ORC-Rennen gewann Lars Hiddes Mat 1120 “Pure” mit einer berechneten Zeit von 3 Stunden, 15 Minuten und 29 Sekunden.
Nach Platz zwei im Sundowner und dem ORC-Sieg im Capitell Cup Rund Helgoland hat sich die Hidde-Crew vom Blankeneser Segel-Club damit an die Spitze der IDM-Wertung der Offshore-Segler gesetzt. Die Meisterserie ist in den bislang leichten Winden der 91. Nordseewoche eher ein Rennen für die kleinen Boote. In der IDM-Gesamtwertung folgen nach zwei von drei Wettfahrten Martin Schlees X-35 “Alexis (”Wassersportverein Wulsdorf) und Kai Gretens Eintonner “Oromocto” (Hannoverscher Yacht-Club).
Gleich hinter den IDM-Top-Drei lauert vor dem abschließenden Pantaenius Rund Skagen Rennen Jonas Hallbergs schnelle neue JPK 10.50 “Hinden”. Die Baltic-500-Siegerin hat sich damit vor dem Start ins Königsrennen der Meisterschaft gut positioniert. Nach jüngsten Prognose könnte das große Finale von Helgoland rund Skagen und nach Kiel eher ein Rennen für die großen Boote werden.
Dem Showdown in zumindest teilweise starken bis stürmischen Winden blicke die Crews auf den großen Booten entsprechend begeistert entgegen. So auch die “Rafale-Crew. Malte Päsler sagte: „Richtung Rund Skagen sieht der Wetterbericht für uns superspannend aus, weil viele Halbwind- und Reaching-Kurse dabei sind. Die liegen unserem Boot sehr.“
Nach den Vorhersagen rechnet sich die Crew Chancen aus, den im Jahr 2000 von Dr. Klaus Murmanns “Uca” aufgestellten Rekord (43 Stunden, 46 Minuten) mindestens angreifen zu können. Auch weiteren international erprobten Booten und Crews werden die Bedingungen entgegenkommen. Dazu zählt beispielsweise Daniel Baums Team auf dem schönen Einzelbau “Elida”.
Während die Crews das sportliche das Finale der Nordseewoche planten, tobte das Seglerleben der Nordseewoche aber auch im Alexseal Race Village, bei der boot Regattaparty in der Nordseehalle und auf der gesamten Insel weiter. Hier bringt die Nordseewoche traditionell alle zusammen: professionell organisierte Crews ebenso wie ambitionierte Amateur-Crews, Familienmannschaften und schaulustige Helgoland-Besucher.
Allerdings machen dabei nicht alle die Nacht zum Tag. „Wir haben auch Spaß bei der Veranstaltung“, sagt Päsler. „Natürlich auch abends. Aber bei dem Boot muss man seine Kräfte schonen. Man darf es mit der Party nicht übertreiben.“ Das Team bereitet sich auf das Pantaenius Rund Skagen Rennen und seinen zweiten Rekordversuch nach 2024 vor, an dem sich Herausforderer seit mehr als einem Vierteljahrhundert die Zähne ausbeißen.
Neben den Herausforderern der IDM Offshore waren im Capitell Cup rund Helgoland auch die Nordseewoche-Crews gefordert. Das Rennen in ORC A machte erneut Harald Brünings Farr 30 Topas (Kieler Yacht-Club) vor Jörg Zierons Tripp 40 “Amuse-Bouche” (Norddeutscher Regatta Verein) und der Archambault M34 “DoJo” (Segel-Verein Altona-Oevelgönne) von Lukas Langenbein und Dirk Selter.
In ORC B1 siegte Michael Haackes X-35 “Maxima” (Weser Yacht-Club Bremerhaven) vor Mathias Matthies’ J-88 “Jam” (Vereinigung Freier Segler) und Kai Brackmanns J-35 “Absolute Beginners” (Wassersportclub Lühe). In ORC B2 machte Tilman Giesens Swan 44 “Electa” (Kieler Yacht-Club) das Rennen im Capitell Cup Rund Helgoland, verwies Hagen Reeses Faurby 396 “Susewind” (Segler-Vereinigung Wilster) und Manfred Böttchers “Kühnezug-Goldkatze” (Hamburger Segel-Club) auf die Plätze zwei und drei.
In den ORC-C-Gruppen 1 und 2 setzten sich Arne Ipsens Match 33 “Marlin” (Segelverein Finkenwerder von 1965) und Berend Beilkens Nissen 31 (Segel-Verein Altona-Oevelgönne) durch. Zu allen Einzelergebnissen der Wettfahrten der Nordseewoche und den Zwischenständen geht es hier. Unterwegs waren im Capitell Cup Rund Helgoland auch ein Klassiker-Duo und die Family Cruiser, die jedoch im Sonnenschein mit Downwind-Start auf einen etwas kürzeren Kurs gingen.
Insbesondere die Family-Cruiser-Klasse zeige, so die Veranstalter, wofür die Nordseewoche auch steht: das Offshore-Segeln erlebbar zu machen. Der Family Cruiser Cup bietet Crews, die sich langsam an Nordsee- und Offshore-Regatten herantasten, sowie Familien-, Freundes und Rookie-Crews schöne Möglichkeiten, sicher und ohne Spinnaker oder Gennaker Regattaluft rund um Helgoland zu schnuppern.
Die Brücke zwischen Segelleistungssport und Familienspß bei der Nordseewoche zu bauen, sieht der neue Wettfahrtleiter Uwe Wenzel als wichtig Aufgabe: “Es kommt mir natürlich entgegen, dass ich früher selber viel Regatten gesegelt habe. Ich versuche, mich in die Leute hineinzuversetzen. Ich habe ja auch mal als Anfänger angefangen, bin fast nur immer Letzter geworden, war langsam. Da kann ich mich in die Family-Cruiser ganz gut hinversetzen. Und ich kann mich halt auch in die Spitzenleute hineinversetzen, weil wir auch auf Top-Segelniveau waren.”
Der neue Wettfahrtleiter der Nordseewoche konnte am Pfingstsonntag eine gute Zwischenbilanz der 91. Auflage des Nordseeklassikers ziehen. Uwe Wenzel sagte: “Ich bin schon zufrieden. Das Wetter ist erstmal schön. Wir haben ein bisschen wenig Wind, aber das kommt mir ganz entgegen, weil ich nicht so viel Welle auf dem Schlauchboot abkann. Die Wettfahrten sind bislang alle einwandfrei gelaufen. Zwar waren sie teilweise ein bisschen kurz, weil wir nicht genug Wind hatten. Doch, was ich so bis jetzt gehört habe, sind die Teilnehmer ganz zufrieden.”
Einen Blick warf Uwe Wenzel schon auf das anstehende, alle zwei Jahre ausgetragene Pantaenius Rund Skagen Rennen, zu dem der Startschuss am Pfingstmontag voraussichtlich am späten Nachmittag fallen wird. Wenzel sagte: “Ich bin jahrelang Wettfahrtleiter bei Rund Bornholm gewesen. Rund Skagen ist ja noch einmal eine Teilnummer anders, weil du oft viel Wind in der Nordsee und dann Flaute in der Ostsee hast. Das ist schon ganz schön anspruchsvoll für die, die da mitsegeln. Die Wettervorhersagen sind momentan so, dass es ganz moderat werden soll. Zwischendurch gibt es wohl ein paar Starkwindphasen, aber nicht extrem, so dass ich guter Hoffnung bin, dass sie gut nach Kiel hinkommen werden.”

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