Liebe Leserinnen und Leser,
wie alle Eltern wissen, gibt es mindestens einmal im Jahr Ausnahmezustand, zumindest wenn der Nachwuchs im Kita- und Grundschulalter ist. Später werden die Feiern nicht ruhiger, elterliches Engagement ist aber eher unerwünscht. Bei uns war es also mal wieder so weit, der jüngste Spross startet in ein neues Lebensjahr, das muss natürlich angemessen gefeiert werden. Einmal am tatsächlichen Geburtstag im kleinen Kreis. Dass Mama bis spät in die Nacht auch noch Kuchen für die Kita backt, versteht sich von selbst. Das Gute daran: Es war ein Freitag, und die Kita hat den Kuchen nicht geschafft, sodass am Nachmittag auch die Stegnachbarn noch ein Stück abbekommen haben. Perfekter Start ins Wochenende!
So weit, so gut. Doch der eigentliche Event folgt bekanntlich, wenn die Freunde eingeladen werden. Dann muss nicht nur neuer Kuchen her, sondern auch ein Programm ausgearbeitet werden. Diesmal ist auch Papa mehr gefordert, schließlich steht eine Schatzsuche an. Also in der Mittagspause die Umgebung für die Suche sondieren und abends mögliche Rätsel ausbaldowern. Macht auch den Großen Spaß, vor allem wenn man vor dem geistigen Auge schon die aufgeregte Bande beim Lösen der Aufgaben sieht.
Dann kommt der Tag der Tage. Der Jüngste ist so hibbelig wie Papa an der Startlinie und steckt damit natürlich den Rest der Familiencrew an. Nachmittags wird der Garten von einer Handvoll Piraten geentert, der Kuchen gegessen, die Rätsel gelöst, der Schatz gehoben, viel gelacht und gespielt. Schließlich werden die kleinen Gäste einer nach dem anderen wieder von den jeweiligen Eltern eingesammelt, was noch mal für viel Hallo sorgt. Dann kehrt Stille ein – besser gesagt, sie bricht herein. Der Schallpegel sinkt schlagartig um 20 Dezibel. Kurz gesagt, ein rundherum gelungener Nachmittag.
Trotzdem sorgt das Thema Kindergeburtstag bei uns regelmäßig für die Einberufung des Familienrates. Und zwar immer, wenn mal wieder eine Einladung eines befreundeten Geburtstagskinds eingegangen ist, dessen Feier auf ein Sommerwochenende gelegt wurde.
Vielleicht hat es sich unter Landratten noch nicht rumgesprochen, aber als Segler hat man in der Saison am Wochenende keine Zeit. So jedenfalls sehen es unsere Jungs. Und ganz ehrlich, es fällt mir schwer, ihnen zu widersprechen. Trotzdem hat man als Elternteil immer ein schlechtes Gewissen, wenn die durch Corona eh schon gebeutelten Sozialkontakte der Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden, damit Mama und Papa segeln können. Daher sind es auch wir Eltern, die den Familienrat einberufen, um zu besprechen, wie wir mit der Einladung umgehen. Beim Nachwuchs stößt das mitunter auf Unverständnis und wird mit Äußerungen wie dieser gekontert: „Aber, Papa, wenn ich da hingehe, kann ich doch nicht mit dem Beiboot segeln.“
Stimmt, denkt man in solchen Momenten und hat sofort wieder ein schlechtes Gewissen. Müsste man nicht sagen: „Kein Problem, dann fahren wir einfach später zum Boot, und das Beibootsegeln kriegen wir auch noch hin.“? Tatsächlich hat der Sohnemann ja recht. Die Feier am Samstagnachmittag zerschießt jede Törnplanung. Unser bisheriges Highlight: Ein Kindergeburtstag, der am Pfingstsonntag gefeiert wurde. Da fragt man sich ernsthaft, ob die Eltern vielleicht gar keine Gäste haben wollen. Wir jedenfalls waren segeln und legen unsere Feiern konsequent auf Wochentage oder in den Winter.
YACHT-Redakteur
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