Ocean Race AtlanticSpeedrace! In unter sieben Tagen nach Lorient?

Tatjana Pokorny

 · 31.08.2026

Boris Herrmanns neue "Malizia 4" stürmt schon einmal los…
Foto: Vincent Curutchet/The Ocean Race Atlantic
Veranstalter und Teams erwarten nach jüngsten Prognosen eine sehr schnelle Premiere für das Ocean Race Atlantic. Bei einer Pressekonferenz am Montag sagte der Schweizer “Embrace the Challenge”-Skipper Oliver Heer, er hoffe auf eine Renndauer von unter sieben Tagen. Boris Herrmann erklärte, warum es trotzdem schwer wird, den 24-Stunden-Rekord zu brechen, den er 2023 selbst mit Team Malizia aufgestellt hat.

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Rund drei Jahre und drei Monate ist es her, dass Team Malizia im Ocean Race um die Welt einen fabelhaften 24-Stunden-Rekord aufgestellt hat: Mit 641,13 Seemeilen erreichten sie eine Distanz, die bis heute nicht überboten werden konnte. Der Coup gelang damals Boris Herrmann, Rosalin Kuiper, Will Harris und Yann Eliès auf “Malizia – Seaexplorer” (jetzt: “11th Hour Racing”) in idealen Bedingungen auf Etappe fünf von Newport in den USA über den Atlantik ins dänische Aarhus.

Ocean Race Atlantic: In unter einer Woche von New York nach Lorient?

Seitdem haben sich alle Imoca-Crews an der Malizia-Bestmarke die Zähne ausgebissen. Mit der Premiere des Ocean Race Atlantic kommt nun wieder eine Chance, den Rekord vielleicht doch zu knacken. Boris Herrmann und seine Crew sind mit der neuen “Malizia 4” im Einsatz. Dem am 6. Juli vom Stapel gelaufenen Koch-Design wird wie auch der ebenfalls neuen japanischen Verdier-Konstruktion “DMG Mori Global One” einiges zugetraut. Ebenso anderen Imoca-Geschossen in der Flotte.

Das passte es gut, dass Veranstalter und Teams am Tag vor dem Auftakt zum Ocean Race Atlantic ein schnelles Transat in Aussicht stellten. “Embrace the Challenge”-Skipper Oliver Heer sagte: “Wenn wir uns die Wetterprognosen anschauen, sieht es sehr schnell aus. Nicht so viele Manöver. Es geht um Speed. Und darum, das Schiff in einem gutem Zustand zu halten. Und dann sind wir hoffentlich in unter sieben Tagen in Lorient.”

Ursprünglich war eine Etwa-Renndauer von acht, neun Tagen ins Visier genommen worden. Doch nun erwarten die Crews einen deutlich schnelleren Satz über den Nordatlantik. Was auch daran liegt, dass sie mit den Systemen von West nach Ost segeln. Daran erinnerte “United by the Ocean”-Skipper Paul Meilhat. Dass Boris Herrmann die Rekordhoffnungen trotzdem ein wenig dämpfte, hat andere Gründe, wie er am Montag erklärte.

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Der 24-Stunden-Rekord? Schwer zu knacken!

Zu den Chancen, die 24-Stunden-Bestmarke im Ocean Race Atlantic zu knacken, sagte Boris Herrmann: “Da muss vieles zusammenkommen. Vor allem der Seegang darf nicht zu stark sein. Das sehe ich ein bisschen kritisch für die kommenden Tage. Weil wir jetzt doch mehr Wind haben werden als damals. Wir hatten damals den perfekten Windwinkel und nicht zu viel Wind. Und wir hatten auch eine Drehung über 24 Stunden, so dass wir sogar der Erdkrümmung perfekt folgen konnten. Das sind sehr seltene Bedingungen.”

Die Folge daraus für Herrmann: “Die Wahrscheinlichkeit, dass man sowas jetzt nochmal hinkriegt, ist gering. Und das ist auch der Grund, warum dieser Rekord jetzt immer noch nicht gebrochen wurde.” Dennoch starten Boris Herrmann, Cole Brauer, Justine Mettraux und Julien Villion mit viel Vorfreude ins Rennen. Zum Favoriten-Check geht es hier.

Mit dem neuen Boot den Nordatlantik zu überqueren, macht es für uns noch viel aufregender als es ohnehin bei einem Rennen gegen diese Konkurrenz schon ist.” Boris Herrmann

Gleichzeitig erinnerte der sechsmalige Weltumsegler daran, dass er und sein Team die am 18. Juli getaufte “Malizia 4” “noch nicht so gut kennen”. Herrmann sagte: “Das Boot ist erst zwei Monate alt. Wir haben es ja erst ein paar Sommertage vor Lorient gesegelt. Ich war bei der Überführung (Red.: von lorient nach New York) nicht dabei, aber während der Überführung hatten sie auch keine druckvollen Bedingungen, dafür einige technischen Themen. Sie mussten Fahrt aus dem Boot nehmen. Wir wissen es also wirklich nicht. Es wird ein großes Fragezeichen sein.”

Erstmals bei einer Regatta: Herrmann gegen Harris

Wie es für den Skipper aus Hamburg sein wird, gegen seinen langjährigen Co-Skipper Will Harris anzutreten, der für dieses Rennen das Team wechselt und auf “11th Hour Racing” mit Francesca Clapcich segelt? Boris Herrmann freut sich drauf, sagte: “Ich bin noch nie in meinem Leben gegen Will gesegelt.”

Genauer erklärte Herrmann: “Wir haben die letzten sieben Jahre immer zusammen gesegelt. Er hat Rennen und Etappen auf dem Boot ohne mich bestritten. Mit Frankie hat er auf ‘11th Hour Racing’ einen unglaublichen zweiten Platz im letzten Transatlantikrennen geholt. Er war Skipper bei einigen Ocean-Race-Etappen, ist einer der besten Segler unserer Zeit da draußen. Es ist toll, ihn zu haben, so dass er sicherstellt, dass dieses Boot da draußen eine Referenz im Rennen sein wird. Ein erprobtes Boot – jetzt als ‘11th Hour’ mit einem Team, das das Boot wirklich gut kennt.”

Während die 24-Stunden-Rekordhalterin “11th Hour Racing” eine starke Messlatte sein wird, gilt aber “DMG Mori Global One” als auf dem Papier als Co-Favoritin im Kampf um den Sieg. Ihr Skipper Kojiro Shiraishi sagte am Tag vor Rennbeginn in New York: “Ich bin sehr, sehr glücklich, im Ocean Race Atlantic dabei zu sein. Wir haben ein brandneues Boot. Das Projekt haben wir vor etwa zwei Jahren gestartet, alle unsere Energie reingesteckt. Jetzt ist die Zeit gekommen zu sehen, wie sie segelt.”

Im Transat zwischen Lernprozessen und Angriffslust

Wie Boris Herrmann, weiß Kojiro Shiraishi, dass sein Team mit dem Neubau Neuland betritt. Der Japaner sagte: “Da sind viele Dinge, die wir über unser neues Boot noch nicht wissen. Dieses Rennen ist wirklich eine große Herausforderung für uns, das Boot und uns selbst zu testen. Wir werden unser Bestes geben. Für mich ist das Segeln mit Sam und Nico (Red.: Samantha Davies und Nico Lunven), die wirklich erfahrene Skipper sind, sehr interessant. Ich liebe es sehr! Für Arisa ist es eine Riesenchance viel von ihnen zu lernen.”

Derweil plant Francesca Clapcich, in ihrem Lernprozess auf Kurs Vendée Globe 2028/2029 auch das Gaspedal voll durchzudrücken. Auf die Frage, wann sie das Boot pushen und wann aus Sicherheitsgründen Fahrt rausnehmen will, sagte die Italo-Amerikanerin: “Ich meine, es ist ein Rennen! Wir werden das Boot von Anfang bis Ende des Rennens pushen. Natürlich würden wir gerne den Rekord brechen. Wenn die Bedingungen gut sind, ist es einfach großartig, das Boot hart zu pushen, denn wir sind sehr happy mit der Zuverlässigkeit unseres Bootes. Wir können es die ganze Zeit antreiben.

Ich kenne nicht so viele Gänge… Einen: volle Fahrt voraus!” Francesca Clapcich

Einen Last-Minute-Crew-Wechsel musste Conrad Colman für sein Team bekanntgeben, weil sich sein Landsmann Aaron Hume-Merry auf See die Schulter ausgekugelt hat. Für den Neuseeländer kommt Elie Pirnay aus der Shorecrew ins Segelteam auf der “MSIG Europe”. Conrad Colman, der Imocas in der Vendée Globe auch alleine segelt, quittierte das Einspringen des Belgiers in seine zuvor hundertprozentig neuseeländische Crew auch mit Humor: “Wir haben ihm so viel Kiwi-Slang beigebracht wie möglich. Er ist ziemlich entspannt und ein guter Ersatzmann für einen Kiwi.”

Der Zeitplan für den Auftakt und den Start ins Ocean Race Atlantic

Inzwischen stehen für den Rennauftakt und den Start des Ocean Race Atlantic auch die Zeiten genauer fest. Die Flotte wird am 1. September (Dienstag), ab 11 Uhr Ortszeit von der Brooklyn Bridge Marina auslaufen, bevor um 12 Uhr (18 Uhr deutscher Zeit) die feierliche Vorstartzeremonie im New Yorker Hafen stattfindet, die hier live im NDR-Sportclub und via theoceanrace.com sowie bei YouTube

Der eigentliche Startschuss zum rund 3.200 Seemeilen langen Rennen nach Lorient fällt am 2. September (Mittwoch) um 6 Uhr Ortszeit (12 Uhr deutscher Zeit) an einer virtuellen Startlinie 145 Meilen vor der Küste. So soll das Risiko von Begegnungen mit Meeressäugern verringert werden, die sich in dem Revier häufig vor der Küste aufhalten.

Im zehnten Jubiläumsjahr von Team Malizia spricht Boris Herrmann über das Ocean Race Atlantic:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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