Hafenmanöver20 Tipps fürs An- und Ablegen ohne Nervenkitzel

Lars Bolle

 · 20.06.2026

Hafenmanöver: 20 Tipps fürs An- und Ablegen ohne NervenkitzelFoto: YACHT/M. Amme
Mann am Ruder, Frau an der Leine: Umgekehrt wär’s besser – der Mann kann meist mehr Körperkraft einsetzen
​Kaum ein Thema beschäftigt Segler so dauerhaft wie das An- und Ablegen. Trotz Bugstrahlruder, Docking-Systemen und moderner Technik bleiben Hafenmanöver für viele ein Stressfaktor. Woran das liegt, warum moderne Yachten die Sache nicht unbedingt einfacher machen und was Skipper vor dem Aus- und Einlaufen beachten sollten, zeigen diese 20 Tipps.

​Wer über Hafenmanöver spricht, trifft fast immer einen Nerv. Das Thema sorgt seit Jahren für außergewöhnlich viel Resonanz — in der Redaktion ebenso wie auf Messen, bei Webinaren oder im Buchhandel. Vorträge dazu sind regelmäßig voll besetzt, das Buch „Hafenmanöver Schritt für Schritt“ aus dem Delius Klasing Verlag zählt seit Langem zu den Fachbuch-Bestsellern, und auch die YACHT-Webinare werden Jahr für Jahr von Hunderten Seglern genutzt, um Wissen aufzufrischen oder Unsicherheiten abzubauen.

​Hafenmanöver: Warum sie selbst gute Segler unter Druck setzen

Dass das Thema nicht an Aktualität verliert, hat mehrere Gründe. Einer davon ist die veränderte Struktur der Seglerschaft. Der Anteil der Charterer ist gewachsen. Anders als Eigner verbringen Teilzeit-Skipper oft nur begrenzte Zeit auf einem Boot und stehen in jedem Urlaub erneut vor der Aufgabe, sich mit einem anderen Schiff vertraut zu machen. Wer die Yacht nicht in- und auswendig kennt, tut sich im engen Hafen naturgemäß schwerer.

Hinzu kommt: Die Boote selbst haben sich verändert. Was früher als große Yacht galt, gehört heute vielfach schon zum Einstieg. Im Eignerbereich gelten 30 Fuß inzwischen eher als Untergrenze, und selbst Hersteller wie Hallberg-Rassy verschieben ihre Modellpalette entsprechend nach oben: Die HR 310 läuft Ende 2024 aus, die 340 übernimmt die Rolle des Einstiegsboots.

Im Charterbereich sind Yachten jenseits der 40 Fuß längst normal. Die Häfen dagegen wachsen nicht im selben Maß mit. Mehr Boot trifft also auf gleichbleibende oder sogar knapper wirkende Infrastruktur: weniger Platz zum Drehen, engere Boxen, kleinere Toleranzen.

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Im Hafen wird Größe schnell zum Faktor

Dazu kommt ein weiterer Effekt moderner Konstruktionen. Der Wunsch nach mehr Komfort unter Deck verlangt mehr Volumen, mehr Breite, höhere Freiborde und größere Aufbauten. Genau das vergrößert aber auch die Windangriffsfläche. Gleichzeitig werden viele Rümpfe flacher, Kiele schmaler, Spantformen moderner. Unter Segeln funktionieren solche Yachten oft hervorragend — im Hafen, besonders bei Seitenwind, können sie jedoch schnell vertrieben werden.

Gerade dadurch steigt die Anforderung an saubere Manöver. Fehler lassen sich nicht mehr so leicht korrigieren, weil Wind und Trägheit schneller Wirkung zeigen. Und je größer die Yacht, desto größer meist auch ihre Masse. Wenn es dann doch zur Berührung kommt, bleibt es selten bei einem harmlosen Rempler. Oder anders gesagt: Kraft ist Masse mal Beschleunigung.


10 Fehler, die Hafenmanöver hektisch machen

  1. ​Crew nicht einweisen
  2. Leinen zu spät vorbereiten
  3. Fender falsch oder zu früh ausbringen
  4. Windrichtung nicht sauber prüfen
  5. zu viele Leinen gleichzeitig belegen wollen
  6. unklare Kommandos geben
  7. Maschine nicht rechtzeitig testen
  8. Deck nicht aufklaren
  9. mit Händen oder Füßen zwischen Boot und Steg geraten
  10. keinen Plan B haben

Vielleicht erklärt genau das, warum Hafenmanöver unter Seglern fast als eigene Disziplin gelten. Sie verlangen Übersicht, Timing, Vorbereitung und ein gutes Gefühl für Schiff, Wind und Raum. Misslingen sie, bleibt das selten unbemerkt — und nicht selten sorgt genau das zusätzlich für Druck.

Gerade zu Saisonbeginn lohnt es sich deshalb, die Grundlagen noch einmal bewusst durchzugehen. Wie du die Yacht vor dem Aus- und Einlaufen vorbereitest, welche Hilfsmittel wirklich helfen und worauf du schon bei der Wahl des Liegeplatzes achten solltest, zeigen wir in diesen 20 Tipps.


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Hafenmanöver Tipp 1: Crew einbeziehen

Der größte Fehler bei Hafenmanövern ist Zeitdruck. Ein paar Minuten Einweisung und Information können Missverständnissen vorbeugen. Dabei die ganze Crew einbeziehen, erklären, welches Manöver geplant ist und wer dabei welche Aufgabe übernehmen soll. Möglichst jedem eine Aufgabe zuordnen, etwa die Beobachtung eventueller Entgegenkommer oder das Bereithalten eines Kugelfenders. Unbeschäftigte Personen an Bord, vor allem Kinder, tendieren eher zu Aktionismus und bringen schlimmstenfalls Unruhe und Chaos ins Manöver.

Crewbesprechung auf dem VorschiffFoto: YACHT/A. LindlahrCrewbesprechung auf dem Vorschiff

Hafenmanöver Tipp 2: Festmacher vorbereiten

Vor dem Anlegen mindestens vier Festmacher, zwei vorn, zwei hinten, bereitlegen. Damit ist die Crew für jede Situation gewappnet, auch wenn kurzfristig der ursprüngliche Plan geändert wird. Die Festmacher von Bord aus über Bug- oder Heckkorb oder die Reling hinweg führen und dann von außen nach innen unter dem unteren Drah hindurch auf der jeweiligen Klampe belegen. So kann der Festmacher beim Anleger über die Reling hinweg geworfen oder gegeben werden und ist anschließend dennoch richtig geführt.

Ob die feste Part mit einem Auge auf der Klampe belegt wird und ob in die lose Part ein Auge zu knoten ist, richtet sich nach den Gegebenheiten vor Ort. Ist die Situation ungewiss, kann die feste Part wie gezeigt vorerst mit einem Achtknoten gesichert werden. So lässt sich der Festmacher von Bord aus schnell dichtholen. Zum schnellen Belegen auf Klampen oder Pollern an Land kann man auch den gesamten Bund übergeben, so ist der Festmacher schneller auf Spannung, als wenn er an Bord dichtgeholt wird. Das setzt aber einen geübten Helfer an Land voraus.

Festmacher über die Reling hinweg nach innen führen
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 3: Festmacher richtig legen

Die Festmacher in großen Buchten aufschießen, von der festen Part beginnend zur losen Part. So werden eventuelle Kinken ausgedreht. Das Leinenbündel locker an Deck legen, sodass es nicht versehentlich ins Wasser fallen und in den Propeller geraten kann. Die erste Bucht zur festen Part nach unten legen, die lose Part nach oben – dann ist man für alle Eventualitäten gerüstet. Falls es etwa am Steg Festmacherringe gibt, ist die oben liegende lose Part so schnell gefunden.

Die lose Part gehört nach obenFoto: YACHT/A. LindlahrDie lose Part gehört nach oben

Hafenmanöver Tipp 4: Hände schützen

Muringleinen sind oft nicht nur eklig schlammig, sondern auch sehr grob und mit Muscheln bewachsen. Diese können schnell in die Hände schneiden. Aber auch ein sauberer Festmacher kann zu bösen Verbrennungen führen, wenn er unter Last durch die Hände rutscht. Deshalb vorbeugend Handschuhe tragen, möglichst dicke, welche aber noch die volle Griffkraft ermöglichen. Wegen der schlammigen Muringleinen ist es ratsam, nicht die beste Kleidung zu tragen, denn oft spritzt beim Durchholen Dreck. Außerdem immer Schuhe tragen!

MuringleineFoto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 5: Leinen richtig werfen

Damit ein Helfer an Land nicht erst das gesamte Bündel entwirren muss, bevor er den Festmacher belegen kann, sollte die Crew an Bord die korrekte Wurftechnik beherrschen. Dazu zunächst die Leine von der festen Part her in großen Buchten aufschießen. Das Bündel lose in jene Hand nehmen, welche nicht wirft. Anschließend mit der Wurfhand zwei bis drei Buchten abnehmen. Diese, je nach Entfernung, mit ganzer Kraft oder leichtem Schwung werfen; dabei nicht unbeabsichtigt die Hand mit dem Bund schließen. Bei viel Schwung läuft der gesamte Festmacher ab, ansonsten verbleibt überschüssige Leine zunächst an Bord, bis dichtgeholt wird.

Schritt 1
| Yacht: A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 6: Fender clever ausbringen

Beim Anlegen ohne Pfähle, wie am Mittelmeer, müssen die Fender hängen, bevor es zwischen andere Yachten geht. Sind jedoch Pfähle vorhanden, sollten die Fender erst nach dem Passieren des jeweiligen Pfahls ausgebracht werden, da sie sich sonst womöglich zwischen Rumpf und Pfahl beklemmen und dabei die Reling beschädigen sowie das Manöver abrupt abbremsen können. Daher die Fender an Deck nur bereitlegen und die Fenderleine unter dem unteren Draht hindurch nach außen auf dem oberen belegen. So gehen sie beim Anbringen nicht versehentlich verloren und – wichtiger noch – sie lassen sich beim Anlegen sehr leicht mit einem Fußtritt außenbords befördern.

Den Fender so befestigen
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 7: Mittelspring nutzen

Ist ein drittes Klampenpaar an Deck vorhanden, eignet sich dieses oft besser als die Klampen achtern, um etwa zwischen Pfählen anzulegen. Damit dieser Festmacher jedoch auch von einer kleinen Crew oder einhand bedient werden kann, ist es nötig, ihn nach dem Durchziehen durch die Klampenfüße nach achtern zum Rudergänger zu führen. Dann kann dieser, etwa nach dem Belegen eines Auges auf einem Pfahl, gleichzeitig die Yacht manövrieren und den Festmacher über eine Winsch bedienen. Wichtig ist, dass die Part außenbords über ausgebrachten Fendern liegt, sonst können diese die Leine bekneifen.

Den Festmacher zwischen den Klampenfüßen hindurchführenFoto: YACHT/A. LindlahrDen Festmacher zwischen den Klampenfüßen hindurchführen

Hafenmanöver Tipp 8: Murings richtig führen und belegen

Muringleinen sind meist sehr dick und steif. Oftmals müssen sie mit Kraft dichtgeholt werden. Dabei auf die richtige Körperhaltung achten: Gerader Rücken, das Holen erledigen die Beine mittels Beugen und Strecken. Normalerweise wird die Leine von vorn kommend von außen nach innen um das hintere Horn der Klampe geführt und dichtgeholt. Sind Lippklampen vorhanden, also nach oben offene Führungsaugen, sollte die Muringleine von Beginn an durch diese gezogen werden; steht sie erst einmal voll unter Spannung, lässt sie sich kaum noch hineinbringen. Ist der Abstand zwischen Lippklampe und Klampe zu gering, wie hier zu sehen, muss die Muring erst um das vordere Klampenhorn geführt werden, sonst ist die Reibung zu groß. Die Leine einmal komplett um die Klampe führen, danach einmal über Kreuz, dann mit einem halben Schlag belegen.

Auf eine ergonomische Körperhaltung achten
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 9: Optisch verständigen

Laute Kommandos führen nicht selten zu Stress und Missstimmung, außerdem sind ein großes Amüsement für die Zuschauer im Hafenkino. Die häufigste Information, die zwischen Crewmitgliedern und der Person am Steuer ausgetauscht werden muss, ist der Abstand zum Liegeplatz. Hier hat sich das einfache Anzeigen per Hand bewährt, jeder Finger steht für einen Meter, die anzeigende Person zählt nach und nach die Meter herunter, eine Faust bedeutet Aufstoppen.

Noch vier Meter bis zum StegFoto: YACHT/M. AmmeNoch vier Meter bis zum Steg

Hafenmanöver Tipp 10: Bootsbreite nutzen

Beim Anlegen in einer Box mit Heckpfählen oder längsseits sollte die Crew in der Nähe der Wanten stehen, dort die Leinen übergeben und auch an dieser Stelle an Land übersteigen. Denn dort ist die Yacht am breitesten, der Abstand zum Pfahl oder zum Land also am kürzesten. Außerdem kann sich die Crew am Want festhalten, um sich zu sichern, hinauszubeugen oder überzusteigen. Dem Steuermann wird so zusätzlich ermöglicht, die Yacht auf direktem Kurs an den Liegeplatz zu manövrieren. Ansonsten muss der Rudergänger mehrere Kurskorrekturen vornehmen, um eine im Bug stehende Person nah genug an den Pfahl oder den Schwimmsteg zu bringen und anschließend das Boot sauber zu platzieren; das erschwert das Manöver unnötig.

Das Want hilft beim GleichgewichthaltenFoto: A. LindlahrDas Want hilft beim Gleichgewichthalten

Hafenmanöver Tipp 11: Bootshaken richtig einsetzen

Zum Aufnehmen der Muringleine, zum Heranziehen der Yacht an einen Nachbarlieger oder Steg muss der Bootshaken schnell greifbar sein. Deshalb sollte er vor dem Manöver aus etwaigen Halterungen gelöst und bereitgelegt werden. Ein geeigneter Platz dafür ist hinter den Handläufen am Aufbau, er kann aber auch auf das Seitendeck an die Fußreling gelegt werden. Cockpitbänke sind dagegen kein guter Platz. Oftmals stehen bei Manövern mehrere Crewmitglieder in der Plicht. Die lange Stange dann rasch zu handhaben kann in einem Lanzenstechen enden.

Der Bootshaken eignet sich zum Heranziehen, weniger zum Abdrücken der Yacht. Denn falls dabei die Spitze abrutscht, marschiert die Person, die drückt, mitunter hinterher und außenbords. Zum Heranziehen kann zwar hinter eine fremde Reling gehakt werden. Diese ist für Lasten nach außen ausgelegt, nach innen hält sie deutlich weniger. Aber kein Eigner sieht das gern. Deshalb den Haken lieber an eine Klampe setzen und generell nur an einer anderen Yacht nutzen, wenn nichts anderes, etwa der Einsatz von Leinen, in Frage kommt.

Hinter dem Handlauf kann man den Bootshaken gut bereitlegen
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 12: Segel klar halten

Ob beim Ab- oder Anlegen: Groß und Genua sollten angeschlagen, von Persenningen befreit und zum schnellen Setzen vorbereitet sein. Denn die Maschine kann ausfallen; da reicht schon eine Plastiktüte im Kühlwassereinlass, eine Leine im Propeller oder Schmutz im Kraftstofftank. Dann sind die Segel die einzige Möglichkeit, die Yacht aus einer Gefahrensituation herauszumanövrieren.

Rollgroßsegel sind immer bereit zum SetzenFoto: YACHT/A. LindlahrRollgroßsegel sind immer bereit zum Setzen

Hafenmanöver Tipp 13: Körper wenig einsetzen

Material kann immer ersetzt werden, Körperteile eher nicht. Deshalb lieber ein paar Schrammen im Rumpf und die Kaution riskieren statt die eigene Gesundheit. Moderates Abhalten oder Heranziehen ist jedoch in Ordnung, sehr gut eignen sich die Wanten dafür; das eigene Want dient dabei der Eigensicherung. Niemals jedoch mit irgendeinem Körperteil zwischen die eigene Yacht und eine benachbarte Yacht oder einen Steg begeben. Das kann zu Quetschungen oder, beim Abrutschen, zum Außenbordsgehen führen.

An Wanten kann man sich abdrücken oder heranziehen
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 14: Rückwärts in enge Gassen einlaufen

Ist nicht ganz klar, ob der Platz in einer Gasse zum Wenden reicht, kann diese auch rückwärts angelaufen werden, wenn die Manövriereigenschaften der Yacht dies zulassen. Falls dann in dieser Gasse kein Liegeplatz gefunden wird, kann sie einfach vorwärts wieder verlassen werden. Wird sie dagegen vorwärts angelaufen, besteht die Gefahr, dass beim Rückwärtsanfahren das Heck wegen des Radeffektes versetzt und die Yacht in anderen Muringleinen landet oder auf eine Pfahlreihe gedrückt wird.

Hier könnte es mit einer Drehung schon eng werdenFoto: YACHT/A. LindlahrHier könnte es mit einer Drehung schon eng werden

Hafenmanöver Tipp 15: Anlegesituation antizipieren

Zur Vorbereitung von Hafenmanövern gehört auch die genaue Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort. Zur Information über einen fremden Hafen gehört die Kenntnis von Anlegemöglichkeiten mit ausreichend Tiefgang sowie bei Pfählen Plätzen mit genug Abstand für die Breite und Länge der Yacht. Auch die Verteilung der Stege, die Breite der Gassen, der Manöverraum zum Wenden sind wichtige Informationen. Deshalb ist das Studium des Hafenplans vor jedem Ab- oder Anlegen eine unabdingbare Pflichtübung.

Ein Hafen kann zudem seine Eigenschaften je nach Windrichtung und-stärke grundlegend ändern. Wurde am Vortag noch ganz entspannt gegen den Wind angelegt, hat dieser vielleicht über Nacht gedreht und drückt jetzt die Yacht an den Liegeplatz. Auch der Drehkreis der Yacht kann sich abhängig davon ändern, von welcher Seite der Wind einfällt. Vor allem beim Einlaufen in eine fremde Marina kann ein Hilfsmittel eine Folie sein, die über den Hafenplan gelegt wird. Zuerst die Windrichtung einzeichnen, danach die Zonen, in denen es zu Legerwallsituationen kommen kann, dann Flachs und Engstellen markieren. Sinnvoll ist ferner ein Anruf beim Hafenmeister via Mobiltelefon oder Funk. Oft hat dieser einen Liegeplatztipp oder hilft per Schlauchboot beim An- oder Ablegen.

So große Häfen können schnell unübersichtlich werden
Foto: YACHT/A. Lindlahr

Hafenmanöver Tipp 16: Auf die Luvleinen fokussieren

Der Versuch, mit kleiner Crew beim Einfahren in die Box trotz Seitenwind gleich alle vier Festmacher zu belegen, ist riskant – zu groß ist die Gefahr, beim Verfehlen der Luvpfähle seitlich in die Nachbarn hineinzudriften. Konzentrieren Sie sich daher auf die beiden Luvleinen, so liegt die Yacht trotz Seitenwind zunächst stabil. Die Leeleinen können Sie später noch in aller Ruhe, etwa mit dem Dingi, ausbringen. Das "Luvleinen-Prinzip" gilt übrigens auch für’s Rückwärts-Anlegen mit Anker bzw. Muring und zwei Heckleinen.

Wo Luv ist? Es klingt banal, kann aber nicht oft genug wiederholt werden: Der Verklicker im Mast ist der beste Indikator für die Windrichtung. Von ihr hängt ab, in welcher Reihenfolge die Festmacher gelöst oder belegt werden. Dabei gilt beim Anlegen: Zuerst in Luv belegen, dann in Lee. Beim Ablegen: Zuerst in Lee lösen, dann in Luv. Ein Blick nach oben genügt: Da, wo die Spitze hinzeigt, Leinen raus.

Ein Verklicker ist der zuverlässigste WindanzeigerFoto: YACHT/A. WormsEin Verklicker ist der zuverlässigste Windanzeiger

Hafenmanöver Tipp 17: Provisorisch anlegen

Hektik an Bord kann gerade in einer heiklen Situation niemand gebrauchen. Weht eine kräftige Brise und lässt sich nicht unmittelbar ein Platz im Hafenbecken ausmachen, stürzen vor allem auf den Steuermann viele Anforderungen ein: die Yacht sicher zu manövrieren und zugleich den Überblick über den Hafen, die Bedingungen und die Aufgaben der Crew zu behalten. Damit dabei keine gefährliche Hektik entsteht, ist die Crew gut beraten, eine Pause einzulegen, also vorübergehend festzumachen: einfach einen Pfahl oder anderen Befestigungspunkt in Luv suchen und daran mit einer Vor- oder Achterleine festmachen.
Die Yacht wird vom Wind nach Lee gedrückt und hängt sicher an ihrer Leine. Nun kann die Crew in Ruhe aufklaren, erhitzte Gemüter abkühlen lassen, sich einen Überblick verschaffen und wenn nötig Hilfe suchen, per Funk beim Hafenmeister oder von Skippern, die in der Nähe liegen.


Hafenmanöver Tipp 18: Maschine checken

Vor dem Ablegen, beim Anlegen noch vor Erreichen des Hafens rechtzeitig die Maschine starten, warmlaufen lassen, Vorwärts- und Rückwärtsschub testen. Auf gute Kraftstoffqualität achten (Dieselpest), Filter überprüfen. Besteht die Gefahr, dass durch Schaukeln in rauer See Schwebstoffe im Tank den Filter zusetzen, was zum Maschinenausfall führen kann: abwägen, ob die Ansteuerung unter Segeln möglich wäre. Außenborder bei steiler Welle in Kombination mit Segeln nutzen, da der austauchende Propeller nur ungenügenden Vorschub leistet und das Boot schnell versetzt wird. Rechtzeitig nachtanken!


Hafenmanöver Tipp 19: Deck klarieren

Windfänger wie Kuchenbude, Sprayhood, Bimini u. Relingskleid bei Starkwind wenn möglich abnehmen. Das verkleinert die Windangriffsfläche und verringert so das Vertreiben bei wenig Fahrt. Luken und Backskisten verschließen, sonst besteht Verletzungsgefahr. Außerdem können sich Schoten oder Festmacher an den geöffneten Deckeln verhaken und diese beschädigen. Alle Gegenstände an Deck fest verzurren, etwa das Beiboot. Auch darauf achten, dass lose eingehängte Rettungsmittel wie Rettungskragen oder -ring nicht von Leinen aus ihren Halterungen gerissen werden können.


Hafenmanöver Tipp 20: Anker klar zum Fallen

Der Anker sollte klar für ein Notmanöver sein, also etwaige Sicherungsbolzen ziehen und auf jeden Fall die Sicherung der Ankerwinde einschalten und kurz deren Funktion checken. Falls die Yacht mit Maschinenausfall auf Drift geht und eine Legerwallsituation droht, aus der man sich nicht freisegeln kann, ist der Anker die letzte Hoffnung vor der Strandung.


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Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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