Beiboot-Guide9 Tipps für besseres Dingi-Handling

Hauke Schmidt

, Olaf Schmidt

 · 16.11.2022

Beiboot-Guide: 9 Tipps für besseres Dingi-HandlingFoto: YACHT/B. Scheurer
So kurz sollte das Dingi nur bei Hafen- oder Ankermanövern geschleppt werden. Auf See bremst es stark

Nicht nur Ankerfans sind auf einen Tender angewiesen. Mit den richtigen Kniffen fällt der Umgang leichter und wird komfortabler. 9 Dingi-Tipps für den nächsten Törn

Wer am Ankerplatz trocken an Land kommen will, braucht ein Dingi. Neben der reinen Trans­portfunktion dient es als willkommenes Spiel­gerät für den Nachwuchs. Solange es auf­gebaut hinter der Yacht dümpelt, gibt es auch kaum Probleme. Aber wohin damit, wenn die Reise weitergehen soll? Schnell wird aus dem eben noch so praktischen Beiboot störrisches und störendes Beiwerk.

In diesem Artikel:


Klar, bei einem Schlauchboot kann man einfach die Luft ablassen und es unter Deck verstauen. Aber dazu muss es erst einmal wieder an Deck, und abends in der nächsten Bucht geht der Spaß dann von vorn los: aufpumpen, über Bord hieven und den Motor anschrauben. Viele Skipper lassen ihren Gum­mitender daher entweder gleich in der Backs­kiste oder schleppen ihn den Sommer über hinter der Yacht her. Beides ist nicht unbedingt die Optimallösung.

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Wer Davits hat, ist natürlich fein raus: Zwei Stropps angeschlagen, dichtgeholt, und schon ist das Dingi aus dem Weg. Aber auch ohne aufwändige Heckkonstruktionen lässt sich ein Schlauchboot auf den meisten Yachten am Spiegel lagern. Ob hochkant oder quer, hängt von den Gegebenheiten an Bord ab. Eine andere Möglichkeit wäre, den Tender auf dem Vorschiff festzulaschen – denn wo genügend Platz zum Aufbauen ist, kann das Boot auch gelagert werden. Aber wohin damit im Hafen? Schließlich versperrt es nicht nur den Weg an Land, sondern blockiert zudem das Vorluk.

Soll der Tender nachgeschleppt werden, kommt es auf die passende Leinenlänge an. Ungünstig eingestellt, wird das Dingi schnell zum Schleppanker und bremst die mühsam getrimmte Yacht unnötig aus. Aber nicht nur beim Schleppen und Stauen kann man sich das Leben erleichtern, schon das Heben des Beiboots von und an Bord gelingt mit ein paar Kniffen besser. Schließlich lässt sich auch der praktische Einsatz komfortabler gestalten, beispielsweise das Rudern, oder wie man mit nur einem Riemen für Vortrieb sorgt.


1. Dingi unter Deck verstauen

Unter Deck blockiert das Dingi häufig den Fußraum
Foto: YACHT/B. Scheurer

Zwar besitzen Schlauchboote im Vergleich zu anderen Dingiformen das kleinste Packmaß, und auf modernen Yachten steht meist eine geräumige Backskiste zur Ver­fügung. Aber spätestens nach dem ersten Versuch, das Beiboot wieder aus den Tiefen des Rumpfes hervorzuhieven, denkt jeder Skipper über Alternativen und wenn möglich ebenerdige Aufbewahrungsgelegenheiten nach. Unter Deck bietet neben der Backskiste nur der Salon genügend Platz. Am Tisch verschnürt, lässt sich die Tasche sicher stauen, blockiert jedoch den Fußraum, sodass höchstens noch Kinder bequem sitzen können.

Fast schon klassisch ist dagegen der Transport des gefalteten Dingis an Deck. Abhängig von der Form des Aufbaus und eventuell über Deck geführter Leinen bietet sich dazu der Platz vor dem Mast oder zwischen Mast und Niedergang an. In diesen Positionen ist das Beiboot aber nicht nur dauerhaft der Witterung ausgesetzt, sondern behindert meist auch die Sicht nach vorn. Damit die Tasche bei Lage und eventuellem Seeschlag nicht verrutscht, sind solide Fixierungspunkte wie Püttinge, Handläufe oder Decksaugen nötig.


2. Schritt für Schritt zum prallen Tender

In welcher Reihenfolge die Kammern aufgepumpt werden, ist fast egal. Es empfiehlt sich aber, mit der Außenhaut zu starten und öfter den Schlauch umzustecken, damit die Kammern gleichmäßig gefüllt werden. Boden, Sitzbank und Einlegebretter gleich zu Anfang einsetzen, bei Luftböden kann auch gewartet werden, bis das Dingi grob in Form ist. Nachdem die Schläuche prall sind, wird der Boden unter Druck gesetzt. Dabei kräftig pumpen, selbst eine 80 Kilogramm schwere Person erreicht kaum mehr als ein viertel Bar. Dann noch den Kiel befüllen. Er verträgt genau wie die Schläuche etwa 0,25 Bar.

Die beste Luftpumpe

Die Mühsal des Aufblasens ist leider fest mit dem Schlauchboot verbunden. Aber sie lässt sich minimieren, indem Sie eine möglichst großvolumige Doppelhub-Kolbenpumpe anschaffen. Die meist mitgelieferten Fußpumpen verbraten viel Energie für das unvermeidliche Aufblähen und Zusammenziehen des Blasebalgs, etwa die Hälfte jedes Arbeitshubs geht dafür drauf. Bei der Kolbenpumpe mit ihren starren Wandungen entfällt dieser Verlust vollständig, außerdem fördern gute Modelle in beiden Richtungen Luft ins Boot. Das bedeutet viel weniger Arbeitshübe und schnellere Einsatzbereitschaft. Darüber hinaus können sie für minimales Packmaß die Luft auch absaugen. Noch komfortabler, aber deutlich teurer sind elektrische Luftpumpen.


3. Wie das Dingi über Bord kommt

An der Bugöse eingeschäkelt, lässt sich der Tender leicht kranenFoto: YACHT/B. Scheurer
An der Bugöse eingeschäkelt, lässt sich der Tender leicht kranen

Kaum ist das Beiboot aufgebaut, wird es mühsam über die Reling gewuchtet. Das ist nicht nur unnötig anstrengend, denn schon ein 2,30-Meter-Exemplar wiegt an die 30 Kilogramm, sondern kann auch leicht zu Materialschäden führen. Dabei steht auf Segelyachten eigentlich immer ein komfortabler Kran zur Verfügung.

Die einfachste Lösung: ein freies Fall, das an der Bugöse eingeschäkelt wird. Nun kann das Beiboot mit der Fallwinsch an­ge­hoben werden, bis es frei über die Reling schwingt. Der Vorschiffs­mann muss es dabei nur leicht seitlich führen. Dass es beim Fieren mit dem Heck zuerst eintaucht, ist kein Problem, die Schlauch­enden haben meist so viel Auftrieb, dass kein Wasser über den Spiegel schwappt.

 Noch besser geht es mit einer bis auf Deckshöhe reichen­den Hahnepot auf die Schleppaugen – oder waagerechtFoto: YACHT/B. Scheurer
Noch besser geht es mit einer bis auf Deckshöhe reichen­den Hahnepot auf die Schleppaugen – oder waagerecht

Wird das Fall statt in die Bugöse in eine der Rumpfhöhe entsprechenden Hahnepot an den Schleppösen eingepickt, kann es ohne Verrenkungen vom Deck aus gelöst werden. Besonders schonend ist die Dreipunktaufhängung, an Bug und Spiegel. Dabei sollte das Dingi aber leicht hecklastig hängen, damit eingedrungenes Wasser beim Anbordholen über den Lenzer im Heck abläuft.


4. Mit Gleichgewicht trocken ins Beiboot

Schlauchboote haben eine stabile Schwimmlage. Trotzdem sollte bei kleinen Dingis nicht auf den Wulst getreten werden – falls keine zweite Person im Boot sitzt, besteht sonst Kentergefahr. Das gilt vor allem für Ausführungen mit ausgeprägtem V-Boden. Beim Einstieg über den Bug reagieren diese Dingis im ersten Moment sehr kippelig. Hier ist es wesentlich bequemer, längsseits einzusteigen. Auch in diesem Fall gilt: Je weiter der Schritt nach mittschiffs reicht, desto stabiler liegt der Tender.

Richtig: der Schritt über den Bug INS Dingi
Foto: YACHT/B. Scheurer

5. Nur wer bequem sitzt, kommt mit dem Dingi auch gut voran

Soll das Beiboot ohne Außenborder bewegt werden, ist Rudern die beste Lösung. Es wird jedoch schon zu zweit eng, denn außer einer Querbank sind bei den üblicherweise 2,20 bis 2,60 Meter langen Dingis im Regelfall keine Sitzgelegenheiten vorhanden.

Um seitlich auf dem Schlauch zu sitzen, reicht der Platz nicht aus. Lässt sich der Passagier im Bug nieder, vertrimmt das Boot stark und ist kaum zu manövrieren. Bleibt noch der Spiegel. Mit einem harten Kissenfender abgepolstert, gibt er einen komfortablen Sitzplatz ab, und auch der Trimm stimmt.

Zu zweit sitzt man sich am besten gegenüber
Foto: YACHT/B. Scheurer

Bei kleineren Tendern kommen sich Crew und Skipper beim Rudern schnell mit Armen und Beinen ins Gehege. Dann hilft nur die Riemen lösen und paddeln. Das erfordert aber eine eingespielte Crew, und obwohl auf diese Weise die gesamte Besatzung für Vortrieb sorgt, ist die Antriebsart deutlich weniger effektiv; längere Strecken sind nur mühsam zurückzulegen.

Vor allem unter den besonders günstigen Angeboten finden sich immer noch Schlauchboote ohne Sitzbank. Mit ihnen wird das Rudern, selbst wenn man allein ist, zur Qual, da die Riemen auf dem Boden sitzend nur schlecht durchgezogen werden können. Im Zubehör gibt es dafür aufblasbare Rollen als Bankersatz. Diese bieten aber nicht wesentlich mehr Komfort als ein gut aufgepumpter und zwischen die Schläuche gepresster Fender.

Tender mit Frontantrieb

Auch mit einem einzelnen Riemen lässt sich erstaunlich viel Vortrieb erzeugen. Dazu wird im Bug kniend gewriggt. Dabei beschreibt die Bewegung des Paddels auf der Wasser­ober­fläche eine Acht, das Blatt wird entsprechend der Bildsequenz angestellt.

Bilder-Guide in vier Schritten
Foto: YACHT/B. Scheurer

6. Das Beiboot richtig schleppen

Der Vorschlag, das Dingi zu schleppen, stößt bei vielen Seglern auf massiven Widerstand: Das bremst doch! Stimmt. Aber ob das Beiboot die Geschwindigkeit merklich herabsetzt oder der Yacht flink folgt, von einer Seite auf die andere pendelt oder brav im Kielwasser bleibt, hängt von der geschickten Leinenführung und einer sinnvollen Wahl der Leinenlänge ab.

Natürlich muss es generell in der Lage sein, das von der schleppenden Yacht vorgegebene Tempo zu laufen. Was für ein Dingi immer Gleitfahrt bedeutet. Mit einem Spitzgatter, beispielsweise einem Bananaboot ohne zusätzlichen Spoiler oder Abrisskante, funktioniert das hier beschriebene Verfahren nicht. Außerdem sollte der Anhang möglichst leicht sein sowie ausgeglichen oder leicht vorlich getrimmt. Das heißt: Der Motor muss ab. Und der Lenzstopfen auf, aber das ist wohl klar. Wenn Sie die Schleppleine nun so einstellen, dass Ihre eigene Hecksee das Boot vor sich herschiebt, merken Sie schon beim Belegen: Da ist kaum Zug drauf. Die optimale Länge ist von der Geschwindigkeit abhängig.

Richtig: Idealerweise surft das Dingi die Vorderseite der eigenen Hecksee hinunter. Es erzeugt so kaum Zug
Foto: YACHT/B. Scheurer

7. Das Dingi praktisch an Deck transportieren

In langen Boxen sieht man oft Beiboote dauerhaft hinter Schiffen schwoien. Doch hat das diverse Nachteile: Es verkompliziert nicht nur die eigenen Ablegemanöver, sondern behindert mitunter auch die Nachbarn. Besonders groß ist die Gefahr von Beschädigungen, wenn der Tender über die eigene Box herausschaut (was darum in den meisten Häfen nicht erwünscht ist). Unterm Steg ist eben­falls kein guter Platz: Durch Was­­ser­standsschwankungen kann das Schlauch­­boot dort selbst in eigentlich tidenfreien Revieren leicht eingeklemmt werden, sich durchscheuern und sogar die Steg­anlage beschädigen. Was Ihnen gegebenenfalls eine saftige Rechnung durch den Hafenmeister einbringen könnte. Doch auch wegen des unvermeidlichen Bewuchses sollte ein Dingi nicht ständig im Wasser liegen. Also bleibt lediglich der Platz an Deck oder am Heck.

Auf typischen Yachten ist nur vor dem Mast ausreichend Platz an Deck. Flach liegend (kieloben, damit sich kein Wasser sammelt) und gut verzurrt, lässt sich damit sogar segeln. Um für Hafen- oder Ankermanöver das Deck frei zu bekommen, können Sie dann das Boot mit einem Fall aufrichten und zwischen Mast und Unterwant aufstellen.

Geht zwar schnell, verhindert aber jegliche Sicht nach vorn: quer vorm Mast
Foto: YACHT/B. Scheurer

Strand im Dingi?

Sand oder Steine zwischen Luftkammern und Boden zerscheuern auf Dauer jedes Schlauchboot. Dass diese Fremdkörper an Bord geraten, ist nicht zu verhindern. Sie lassen sich aber leicht wieder auswaschen: Boot so aufstellen, dass Wasser direkt über den Spiegel ablaufen kann, Boden entlüften und herausnehmen, dann mit Wasserschlauch oder Pütz den Rumpf ausspülen. Das dauert keine fünf Minuten. Wer geschickt ist, spült den Sand gleich außenbords statt aufs Deck der Yacht.

Sand zwischen Schläuchen und Boden muss rausFoto: YACHT/B. Scheurer
Sand zwischen Schläuchen und Boden muss raus

8. Den Tender am Heck fixieren

Am Spiegel stört das aufgebaute Beiboot am wenigsten, hier behindert es weder die Sicht nach vorn noch die Segel. Allerdings wird auf den meisten Schiffen die Badeleiter blockiert, sodass diese nicht mehr ohne Weiteres zur Aufnahme von über Bord gegangenen Personen zur Verfügung steht. Darum sollte ein am Heck befestigter Tender für den Notfall mit wenigen Handgriffen lösbar sein. Ohne Davits ist mangels Befestigungspunkten nur Stauen hochkant möglich, idealerweise aufrecht stehend. Sieht zwar absolut unsportlich aus, doch kann sich so kein Was­ser im Inneren sammeln, und die Gefahr ist minimal, im Hafen an Pfählen hängen zu bleiben. Das Boot muss so hoch hängen, dass es nicht in die Hecksee der Yacht taucht. Eine mögliche Konstruktion sieht so aus: Die achteren Schlauch­enden stecken in Buchten, die ständig am Schiff bleiben, eine Leine durch die Schleppaugen sichert den Bug. Bei Nachtfahrten unbedingt auf die volle Sichtbarkeit der Hecklaterne achten.

Ein Fall ist auch am Heck eine große Hilfe beim Aufheißen des Dingis. Hierfür eignen sich Großfall oder Dirk
Foto: YACHT/B. Scheurer

9. Wie der Motor ans Dingi kommt

Fein raus ist, wer einen kleinen, leichten Außenborder und eine Yacht mit Badeplattform besitzt: Da klappt die Übergabe ohne Weiteres von Hand. Doch spätestens bei 4 PS ist Schluss mit einfach, vor allem, wenn das Ganze an einem unruhigen Ankerplatz vonstattengehen soll. Doch zum Glück hat jede Segelyacht ausreichend Heißgeschirr für den Motortransfer per Kran vom Schiff zum Beiboot-Spiegel: Zum Heben eignet sich jedes Fall, das sich in Richtung Dingi führen lässt. Bei schweren Motoren oder für Einmannbetrieb dienen zusätzlich Spi- oder Großbaum (notfalls ein kräftiger Bootshaken) als Ausleger, eine Talje reduziert die aufzuwendende Kraft.

Greif- und Kranhilfe
Foto: YACHT/B. Scheurer

Wohin mit dem Jockel?

Benzin-Außenborder werden am besten an der Reling gestaut: Das verhindert Gestank im Schiff und ausgelaufenen Kraftstoff in der Backskiste, auf vielen modernen Schiffen wäre da auch gar nicht genügend Platz. Faustregel: Solange Sie den Motor allein anheben können, hält auch der Heckkorb das aus. Wenn der Jockel unter Deck soll, beispielsweise als Schwerwetter-Vorbereitung oder zum Diebstahlschutz, auf jeden Fall vorher den Vergaser leerfahren, danach Restwasser aus den Kühlkanälen ablaufen lassen. Der Kopf muss immer höher als der Schaft liegen


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