Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie es beim Segeln gerne so einfach wie möglich?
Der Markt, die Kundschaft, die Segler von heute wollen mehr Komfort, nicht nur zum Wohnen an Bord, sondern auch unterwegs. So die landläufige Einschätzung und Expertenmeinung. Einen Beitrag dazu soll die Selbstwendefock leisten. Lange Zeit in Vergessenheit geraten und nur auf wenigen vorbehaltlos nordeuropäischen Yachten vertreten, hat sie in den letzten Dekaden eine fulminante Renaissance erlebt. Hanseyachts machte den Start, französische Werften folgten, bald setzten sich Selbstwendefocks gar auf Kats durch, obwohl man auf diesen Gefährten ja zuweilen das Vorsegel für eine erfolgreiche Wende backhalten möchte. Doch: Ist die Mimik, die heute fast auf jedem Fahrtenboot angeboten wird, tatsächlich sinnvoll?
Klar: Aufkreuzen mit Selbstwendefock erfordert keine Arbeit an Schoten, Winschen, Kurbeln. Damit wird das Boot ein- und kleincrewtauglich. Aber die Nachteile überwiegen: Notgedrungen fällt das Tuch kleiner aus als das maximale Vorsegeldreieck, somit fehlt Fläche und damit Segel-PS. Es sind mit der Schiene und Schotumlenkungen, sei es an Deck oder durch den Mast, mehr Beschläge notwendig, damit mehr Gedöns, mehr Gewicht, mehr Kosten. Sobald ein Schrick in den Schoten der Kurs der Wahl ist, öffnet die Selbstwendefock oben und ein Gutteil der ohnehin kleineren Segelfläche wird ineffektiv. Abhilfe schafft erst ein Barberholer, ein weiterer Beschlag mit einer weiteren Schot samt Umlenkung wird nötig. Auf tiefen Kursen knallt der Schotwagen von der einen auf die andere Seite. Und auch im Hafen scheint die Selbstwendefock besonders die eine oder andere Crew zu überfordern. Gelingt es vielleicht noch, das Großfall weg- und so Geräusche zu unterbinden, bleibt die nach oben am Mastgeführte und dort wieder nach unten umgelenkte Fockschot oft scheinbar unergründlicher und unbeseitigbarer Quell für nervige, meist hochfrequente und nervtötende Klappgeräusche.
Gegen die Selbstwendefock spricht somit vieles, der gewünschte Komfort ist teuer erkauft. Und Selbstwendefocks finden auch unter Fahrtenseglern nicht vorbehaltlos Fans. Ausgerechnet Chartersegler lehnen die automatisch wendenden Vorsegel ab und würden gezielt Boote mit konventionellem Arrangement suchen und buchen, wie große Anbieter berichten. Denn diese Kundengruppe möchte nicht untätig herumsitzen, während nur der Mensch am Ruder was zu tun hat und aktiv segelt.
Was ist somit die beste Lösung? Ein nur wenig überlappendes Vorsegel, welches das Dreieck Mast, Vorschiff und Vorstag komplett ausfüllt, schafft kurze Schotwege und ist auch von kleiner Crew oder einhand schnell zu wenden und komfortabel zu trimmen. Mit Schienen auf dem Kajütdach oder eng daran platziert für enge Schotwinkel und dann noch mit einem Inholer ausgestattet, lässt es sich effektiv trimmen. Mit Padeyes auf der Deckkante und einer Außenschot bleibt das Segel auch auf raumeren Kursen effektiv.
Insbesondere für die Selbstwendefock wie auch die kleine Genua gilt: Ein Code Zero oder ein Gennaker komplettiert die Garderobe ideal, die dann alle Windeinfallswinkel gut abdeckt, den Segelspaß fördert und eben auch die Crew beschäftigt. Das bedeutet insgesamt mehr Gerödel, dient aber der seglerischen Finesse. Mehr Komfort ist ebenso schön wie gut, aber möglichst nicht zulasten der Leistung. Und wenn Segeln einfach wäre, würde es ja Fußball heißen.
stellv. YACHT-Chefredakteur
Der Live-Tracker der Vendée Globe 2024/25: Dieses Tracking zeigt den Rennverlauf der zehnten Ausgabe der Weltumseglungs-Regatta - mit Boris Herrmann!
Erst der Foil-Schaden, dann gebrochene Rumpfverstärkungen und nun ein Riss im Großsegel. Zwei neue Videos zeigen, wie Team Malizia den IMOCA vor der Route du Rhum repariert und weiterentwickelt.
Die Unterelbe verschlickt, Zeitfenster schrumpfen und Häfen werden schwer erreichbar. Mit flachen Booten und selbst gebauten Schlickmaschinen kämpfen Segler um ihr Revier.
Ein Drehflügelpropeller, der die Steigung während der Fahrt selbst verändert: Was Max Props Modell Max Bianchi beim Motoren und Motorsegeln leisten soll.
Seit mehr als 40 Jahren segelt die „Thor Heyerdahl“ durch die Weltmeere. YACHT-Redakteur Fabian Boerger erklärt, warum das Traditionsschiff relevant ist.
Ein Rettungsschwimmer befreit einen Segler aus einer teilweise überfluteten Yacht vor Kalifornien. Warum die Hurrikansaison 2026 zwischen Atlantik und Pazifik so unterschiedlich verläuft.
Fünf Blauwasseryachten, fünf Konzepte: Boréal 56, Kraken 58, Pure 49, Stem 50 und Breehorn 55 zeigen ihre Stärken und Schwächen auf Langfahrt.
Die Pegelstände im Zürichsee liegen unter dem bisherigen Niedrigwasserrekord. Weil seine Segelyacht im flachen Wasser festzusitzen und zu kippen drohte, ließ ein 65-jähriger Eigner sein Boot mit einem Helikopter ausfliegen. Die Aktion kostete rund 2000 Franken zeigt, wie sehr der außergewöhnlich niedrige Wasserstand die Schifffahrt inzwischen beeinträchtigt.
Erneut schlagen Diebe am Wieltsee zu: Sie entwenden zwei Boote und demontieren schwere Außenbordmotoren. Es ist bereits der vierte Vorfall innerhalb von drei Monaten.
Schmale Taille, Mahagonirumpf und elegante Überhänge: Die von Olle Enderlein entworfene Arietta 31 setzt auf ausgewogene Linien und Seetüchtigkeit statt auf maximalen Wohnraum. Als Vorläufer späterer skandinavischer Fahrtenboote ist sie heute ein interessanter Klassiker für Segler, die ein traditionelles, kompaktes Fahrtenboot suchen.
Pilothouse, Teakholzausbau und ein ungewöhnlich gut zugänglicher Technikkanal: So funktioniert die Breehorn 55 unter Deck und diese Kompromisse bleiben.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.