Hauke Schmidt
· 01.06.2026
Mit den Signal-VHF-Geräten bringt Garmin mehr als vier Jahre nach der Übernahme von Vesper Marine die erste eigenentwickelte UKW-Funkanlage auf den Markt. Vesper war vor allem für das innovative Cortex-System bekannt – ein UKW-Funkgerät mit integriertem AIS-Transponder, Monitoring-Funktionen und einer Software-Defined-Radio-Architektur. Nach Aussage von Garmin basiert die Signal-Serie auf der Vesper-DNA. Der zentrale Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt in der AIS-Funktion: Das VHF 400 kann über den integrierten Klasse-B-Transponder (SOTDMA) nicht nur fremde AIS-Ziele empfangen, sondern auch die eigene Position, den Kurs und die Geschwindigkeit senden. Das VHF 220 beschränkt sich auf den AIS-Empfang.
Eine technische Besonderheit der Signal-Serie ist die Installation mit nur einer einzigen VHF-Antenne für Funk und AIS – ein Antennensplitter ist nicht erforderlich. Die Tatsache, dass beide Funkgeräte VHF-Kommunikation und AIS über eine Antenne abwickeln, legt nahe, dass Garmin die Software-Defined-Radio-Architektur (SDR) von Vesper übernommen hat.
Ein Software Defined Radio unterscheidet sich grundlegend von konventionellen Funkgeräten: Statt separater Hardware-Empfänger für VHF-Sprache und AIS digitalisiert ein SDR das gesamte empfangene Frequenzspektrum und verarbeitet die Signale per Software. Das ermöglicht es, mit einem einzigen Empfänger alle VHF-Kanäle (Kanal 1 bis 88) sowie den AIS-Bereich (Kanal 87 und 88) gleichzeitig zu überwachen. Konventionelle Funkgeräte mit separatem AIS-Empfänger benötigen dagegen zwei Empfänger und einen Antennensplitter, der das Signal aufteilt – mit potenziellen Verlusten bei beiden Funktionen. Die SDR-Architektur erlaubt zudem Funktionen wie die gleichzeitige Aufnahme mehrerer Kanäle oder das kontinuierliche Scannen aller Frequenzen, ohne dass der aktive Sprechfunkverkehr unterbrochen wird.
Diese Architektur würde auch die erweiterten Überwachungsfunktionen erklären: Alle UKW-Kanäle werden kontinuierlich im Hintergrund auf Aktivität geprüft, sechs Kanäle können parallel abgehört werden. Eine VHF-Wiedergabefunktion zeichnet Audioübertragungen auf bis zu drei Kanälen gleichzeitig auf – verpasste Funkmeldungen lassen sich bis zu drei Minuten lang nachträglich abhören. Diese Funktionen waren charakteristisch für das Vesper-Cortex-System und deuten auf eine ähnliche technische Basis hin.
Die adaptive Geräuschunterdrückung arbeitet mit automatischer Rauschsperre und blendet Hintergrundgeräusche wie Wind, Wellen und Motorenlärm aus. Über die DSC-Funktion (Klasse D) können Notsignale per Notruftaste an Schiffe in der Nähe gesendet werden. Beim VHF 400 lässt sich über den AIS-Bildschirm direkt ein DSC-Ruf an nahegelegene Boote starten.
Eine weitere Besonderheit der Signal-Serie ist das mitgelieferte Handmikrofon: Es benötigt nur eine Stromversorgung und ist drahtlos mit dem Hauptgerät verbunden. Das Mikrofon verfügt über einen integrierten Fünf-Watt-Lautsprecher, eine eigene adaptive Geräuschunterdrückung und lässt sich an beliebiger Position montieren. Das Hauptgerät selbst hat keinen eigenen Lautsprecher, kann aber mit einem externen Lautsprecher verbunden werden. Eine Intercom-Funktion ermöglicht die direkte Kommunikation zwischen mehreren Signal-Geräten und den optionalen Tochterstationen.
Die optionale Fernbedienungsstation Signal RM 100 (599 Euro) ermöglicht die vollständige Steuerung des UKW-Funkgeräts von einem zweiten Steuerstand oder einer Flybridge aus. Jedes Signal VHF 220 oder 400 unterstützt bis zu fünf RM-100-Fernstationen. Die Tochterstation verfügt ebenfalls über ein 3,5-Zoll-Farbdisplay und ein drahtloses Handmikrofon. Die Verbindung zwischen Fernstation und Hauptgerät erfolgt über Garmins BlueNet-Netzwerk.
Die Integration in bestehende Bordsysteme erfolgt via NMEA 2000, Garmin Marine Netzwerk oder Garmin BlueNet. Über NMEA 2000 werden AIS-, DSC- und Navigationsdaten geteilt. Beide Geräte enthalten einen GPS-Empfänger und unterstützen eine externe GPS-Antenne, falls die Einbauposition den Empfang beeinträchtigt. Die Geräte sind mit 12- und 24-Volt-Bordnetzen kompatibel.
Ein integriertes WLAN ermöglicht Software-Updates über die ActiveCaptain-App und die drahtlose Weitergabe von AIS-, GPS- und Kursdaten. Die Signalgeräte sind nach Garmin-Angaben mit der Navionics Boating App kompatibel – ein Feature, das Garmin von Vesper übernommen hat und das AIS-Daten per WLAN auf mobile Endgeräte bringt. Weitere Informationen: www.garmin.com
Garmin Signal VHF 400:
Garmin Signal VHF 220:
Garmin Signal RM 100 (Fernbedienung):

Redakteur Test & Technik