La Solitaire du Figaro PaprecNico Lunven siegt, Boris Herrmann gratuliert

Tatjana Pokorny

 · 04.06.2026

Nico Lunven genießt seinen Erfolg im La Solitaire du Figaro Paprec.
Foto: Jean-Baptiste D'Eenquin/La Solitaire du Figaro Paprec 2026
Nico Lunven hat zum dritten Mal das La Solitaire du Figaro Paprec gewonnen. Bemerkenswert an diesem Sieg des langjährigen Navigators in Boris Herrmanns Team Malizia ist vieles: Die Härten, die bei dieser 57. Edition zu überstehen waren. Das herausragende Figaro-Comeback nach langer Pause. Und das großes Können, das der Franzose bescheiden, aber bestimmt umgesetzt hat.

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Das 57. La Solitaire du Figaro Paprec hat einen würdigen Gesamtsieger: Mit Rang vier auf der letzten Etappe von Pornichet nach Le Havre hat sich “PRB”-Skipper Nico Lunven einen der wichtigsten und begehrtesten Titel des Solosegelsports gesichert. Alexis Thomas (”Wings of the Ocean”) und Paul Morvan (”Foricher -French Touch”) eroberten die weiteren Podiumsplätze. Paul Loiseau (”Région Bretagne – CMB Espoir”) verpasste das Podium als Vierter und bester Newcomer nur knapp.

Boris Herrmann gratuliert Figaro-Sieger Nico Lunven

Der jüngste Figaro-Erfolg des langjährigen Navigators in Boris Herrmanns Team Malizia kommt neun Jahre nach seinem letzten Figaro-Sieg. Der Franzose hatte die Ausgaben 2009 und 2017 gewonnen. Sein phänomenales Comeback bestritt der bescheidene Profi mit großem Können und auch viel Erfahrung aus dem Imoca-Crcuit. Bei seiner ersten Vendée Globe 2024/2025 hatte Nico Lunven auf “Holcim - PRB” Platz sechs erkämpft.

Mit Team Malizia, Boris Herrmann, Rosalin Kuiper und Will Harris war Nico Lunven im The Ocean Race 2023 um die Welt gesegelt. Der sechsmalige Weltumsegler Boris Herrmann kennt Nico Lunven gut und sagte: “Nico ist einer der besten Segler aus unserer Welt. Ich freue mich extrem für ihn. Das Solitaire du Figaro ist unheimlich hart. Es ist das schwerste Rennen überhaupt.”

Das Figaro ist wie olympisches Segeln plus Offshore plus Marathon. Das hat man auch gestern gesehen, wie es die Besten trifft. Insofern ist Nico auf dem Höhepunkt seiner Karriere, seiner Schaffenskraft. Das ist toll zu sehen!” Boris Herrmann

Zuvor war Figaro-Favorit Tom Dolan (”Kingspan”) in der Schlussphase des La Solitaire du Figaro Paprec in der letzten Etappe ausgeschieden. Der erste nicht-französische Figaro-Sieger von 2024 war in der ersten Morgenstunde des 3. Juni bei Chaussée de Sein auf Grund gelaufen. Das rund 32 Kilometer lange Unterwasser-Felsenriff vor der westlichen Spitze der Bretagne ist berüchtigt und kostete den Iren den greifbaren Rennsieg.

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Nico Lunven: der fünfte Figaro-Maestro mit drei Siegen

Nico Lunven war es bei diesem La Solitaire du Figaro Paprec mit seinen vielen Wendungen gelungen, bis zur entscheidenden letzten Etappe zwischen Pornichet und Le Havre in Schlagdistanz zum Titel zu bleiben. Als Maestro der leisen Töne haushaltete Lunven gut mit seinen Kräften und parierte auch die strategischen Herausforderungen stark, bis er seinen historischen dritten Sieg vollendet hatte.

Im Alter von 42 Jahren bestätigt Nico Lunven mit dem Erfolg auch seinen Status als eine der Leitfiguren der Figaro-Klasse. Er gehört jetzt dem exklusiven Kreis der Dreifachgewinner des La Solitaire du Figaro Paprec an. Diese Leistung gelang auch Michel Desjoyeaux (1992, 1998, 2007), Jérémie Beyou (2005, 2011, 2014), Yann Eliès (2012, 2013, 2015) und Armel Le Cléac’h. Zu den sechs Könnern, die das Rennen zweimal gewinnen konnten, zählt auch der Vendée-Globe-Zweite Yoann Richomme.

Nico Lunven machte seinen dritten Sieg auf der dritten und letzten Etappe klar. Auf dem Kurs von Pornichet nach Le Havre waren die Figaro-Solisten zwischen der Bretagne und dem Ärmelkanal mit einer Abfolge komplexer Situationen konfrontiert. Der Wende kam mit dem Ausfall des Gesamtführenden Tom Dolan, der die Etappe an der Spitze der Gesamtwertung eröffnet hatte. Hinter ihm war alles offen.

Etappenrang vier reichte im Figaro-Endspurt zum Triumph

Loïs Berrehar (”Banque Populaire”), Boris Herrmanns Co-Skipper im Ocean Race Europe, hatte die Führung übernommen, bevor die Abstände wieder schrumpften. Entlang des Verkehrstrennungsgebietes erinnerte Hugo Dhallenne die Flotte daran, dass er nach wie vor ein ernstzunehmender Anwärter ist. Doch am Ende war es Paul Morvan auf “Foricher – French Touch”, der seinen Rivalen den Etappensieg entriss. Den Gesamtsieg aber schnappte sich Nico Lunven mit Rang vier im Endspurt.

Als Etappen-Sechster krönte Alexis Thomas seine herausragende Solitaire-Kampagne, sprang damit auf den zweiten Figaro-Podiumsplatz. Ihm fehlten nur 24 Minuten und 44 Sekunden auf Sieger Lunven. Etappensieger Paul Morvan machte das Podium der Top-Drei komplett. Die erste Etappe hatte die Flotte von Perros-Guirec nach Vigo geführt. Dabei wurde mit Blick auf die trotz der vielen taktischen Herausforderungen im Golf von Biskaya geringen Zeitabstände schon klar, wie ausgeglichen wettbewerbsstark das Feld in diesem Jahr war.

Tom Dolan hatte die Auftaktetappe gewonnen, nachdem er sich nur wenige Meilen vor der Ziellinie vor Kap Finisterre absetzen konnte. Die zweite der drei Etappen des 1970 erstmals ausgetragenen Rennen legte dann die Messlatte mit deutlich leichteren Winden und ständigen Positionsverschiebungen in der Spitze noch höher. Beim Startschuss zur Finaletappe hatten noch sechs Skipper realistische Chancen auf den Gesamtsieg.

Das Siegkonzept: kämpfen wie ein Löwe

Aus der Perspektive von Nico Lunven sah das so aus: “Ich hatte mir eingeredet, dass diese Etappe in zwei Teile eingeteilt sein würde. Der erste reichte vom Start bis zur westlichen Kardinaltonne vor Sein. Und dann kam der wirklich schwierige Teil, in dem es kein Schlafen geben würde und wir unter harten Bedingungen kämpfen müssten, mit starkem Wind und schwerer achterlicher See. Bedingungen, die ich auf diesem Boot noch nie erlebt hatte.”

Ich sagte mir, dass ich nicht aufgeben und nicht tatenlos zusehen würde, wie die anderen davonsegeln, also kämpfte ich wie ein Löwe. Vielleicht sogar ein bisschen zu hart, denn am Ende verlor ich einen Spinnaker!” Nico Lunven

Sein Figaro-Comeback nach der langen Zeit erklärte der Sieger im Ziel auch. Nico Lunven sagte: “Die Rückkehr zur La Solitaire hatte ich schon länger im Kopf. Als Yoann (Red.: der Vendée-Globe-Zweite Yoann Richomme) dann letzten Sommer ernsthaft darüber sprach, dachte ich mir: Wir können ihn das nicht alleine machen lassen, ich gehe mit und mache ihm das Leben schwer. Am Ende ließ er mich in Ruhe, und das stellte sich als ziemlich gute Idee heraus!”

Lunvens Liebeserklärung an La Solitaire

Zur Faszination des Figaro-Segelns und seinem aktuellen Rennen sagte Nico “The Brain” Lunven, der sich diesen Spitznamen im Team Malizia als smarter Navigator verdient hatte: “Ich habe es enorm genossen! Während der ersten und zweiten Etappe hatte ich wirklich einen Riesenspaß. Sogar auch auf dieser dritten Etappe – obwohl Vorwindsegeln bei starkem Wind und solchen Bedingungen nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehört. Wir haben es wirklich durchgezogen!”

Ich habe genau das wiederentdeckt, wofür ich zurückgekommen bin: die Freude am Segeln mit einer Figaro. Eine Art des Segelns, bei der ich mich wohlfühle. Ich fühle mich in diesem Sport zu Hause. Das ist wirklich die Geschichte dieser ganzen Solitaire.“ Nico Lunven
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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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