Liebe Leserinnen und Leser,
Weihnachten steht vor der Tür. Die einen lieben es, die anderen hassen es und ich schwebe zwischen den Welten. Die Festtage im Kreise der engsten Familie finde ich sehr schön, oft im Norden Dänemarks. Gänsebraten, um den Weihnachtsbaum tanzen und gemeinsame Spaziergänge am menschenleeren Strand, wo der eiskalte Wind den Stoffwechsel auf Trab bringt. Dieses Jahr muss jedoch eine Alternative her.
Inmitten des hektischen Vorweihnachtsrummels fällt es mir schwer, mich auf die Feiertage zu freuen. In der überfüllten, überdekorierten Stadt mit 3D-Beschallung von Weihnachtsknallern wie „Jingle Bells“ und „Last Christmas“ überkommen mich Fluchtgedanken. Einst verbrachte ich den Heiligabend im Zelt im Küstenwald, begleitet von einer Flasche Schnaps und meinem iPod – Das war schon geil, aber mittlerweile habe ich Familie und die würde mir zurecht den Vogel zeigen.
Warum also nicht aufs Boot? Mein eigenes Boot fällt leider raus. Es steht aufgebockt im Freilager und bietet auch nicht den Komfort für eine gemütliche Familienfeier. Mein Bruder lag letztes Jahr mit seiner Hanseat noch auf Guadeloupe. An Bord gab es Gulasch und Rotwein, unterlegt mit afrikanisch-karibischer Musik. Selfie mit Badehose und Weihnachtsmütze. Das wärs, nur leider liegt auch dieses Boot mittlerweile im heimischen Winterlager.
Bleibt noch die Charter. Karibik oder Seychellen sprengen definitiv mein Budget und außerdem könnte es Probleme beim Zoll geben, denn auf meinen Weihnachtsbraten möchte ich nicht verzichten. Ein Kollege hatte die rettende Idee: Ein Boot auf Mallorca chartern. Die Kosten außerhalb der Saison sind moderat, und die Anreise ist einfach. Man braucht nur ein bisschen Glück mit dem Wetter.
Ein Weihnachtsfest verbrachten er und seine Frau also in der Puerto de Cabrera. Kein anderes Boot weit und breit. Jene Traumbucht im Nationalpark südlich von Mallorca, deren Muringbojen im Sommer stets ausgebucht sind und vorab reserviert werden müssen. Bei frühlinghaften Temperaturen fand sogar die Badeplattform ihre Bestimmung. Das Beste aber war, dass sie ihren Kaninchenbraten im Alu-Reisebräter im Gepäck aufgeben konnten. Ein 12-Volt-Tannenbaum aus dem Truckerbedarf sorgte für die weihnachtliche Stimmung. Und gibt es etwas Besinnlicheres als sich entspannt mit einem Glas Wein im Mittelmeer schwojen zu lassen? Das perfekte Weihnachten für Segelromantiker!
Naja, fast. Auf jeden Fall bis zu dem Zeitpunkt, als plötzliche Fallwinde das Boot am Abend dermaßen ins Schaukeln brachten, dass kurzweilig nicht nur die Stimmung kippte, sondern auch der halbverdaute Braten über die Reling ging. Aber irgendwas ist ja immer. Mein Plan für ein Weihnachten an Bord steht jedenfalls.
Morten Strauch
YACHT-Redakteur
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