Die Jubelszenen im Golf von Neapel gaben an diesem Sonntag auf dem Wasser und an Land einen weiteren schönen Vorgeschmack auf das, was im kommenden Jahr in Italien zu erwarten ist: Ein Fest für den Segelsport und den America’s Cup! Team Luna Rossa segelt bei den Vorregatten zum 38. America's Cup von Sieg zu Sieg. Nach dem Erfolg im eigenen Trainingsrevier vor Cagliari im Mai gewannen die Azzurri jetzt auch das zweite Vorspiel auf den kleineren AC40-Foilern.
Erstmals haben die neun Crews von sechs Teams im neuen America’s-Cup-Revier miteinander gerungen. Vor allem am ersten, aber auch am letzten der drei Renntage hatten in Neapel dabei leichte und diffuse Winde für Startverzögerungen gesorgt. Sie waren aber mindestens teilweise dem späten September-Termin geschuldet. Die Herausfordererrunde zum 38. Louis Vuitton America’s Cup und das Cup-Match selbst finden im kommenden Jahr ab 22. Mai bis Ende Juli statt.
Serviert wurde im Golf von Neapel auch am finalen Sonntag der zweiten Vorregatta auf den AC40-Flitzern packender Segelsport vor Vesuv-Kulisse. Das La Roche Posay-Racing Team nutzte seine Chance, nach den beiden Kenterungen am Freitag und am Samstag noch einmal aufzudrehen. Bleu-Blanc-Rouge punktete in den letzten Rennen sieben und acht am Sonntag mit den Rängen 3 und 2.
Quentin Delapierre, Diego Botin, Jason Saunders und Flo Trittel waren erneut rasend schnell unterwegs. Das französischspanische Quartett hätte dem Emirates Team New Zealand das zweite Finalticket ohne die beiden Kenterungen streitig machen können. Schon eine weniger, als sie beispielsweise am Samstag in Führung liegend hatten aufgeben müssen, hätte bei acht Punkten Rückstand auf die Kiwis einen Unterschied gemacht. “Es ist unser bestes Ergebnis seit Kampagnenstart”, hielt Coach Philipp Mourniac fest.
So beendeten die Franzosen die Vorregatta mit 48 Punkten auf Platz drei vor ihnen mit jeweils 44 Zählern folgenden vier punktgleichen Teams: ARC Team USA, Emirates Team New Zealand Women & Youth, Luna Rossa 2: Women & Youth und dem Tudor Team Alinghi. Die Schweizer mussten am Finaltag mit zwei achten Rängen einen herben Rückschlag hinnehmen. Am Tag zuvor noch auf Platz drei vorgerückt, fielen sie in der Endabrechnung auf Platz sieben zurück.
Nicht über den vorletzten und letzten Platz kamen die britischen Boote beim ersten America’s-Cup-Mini-Gipfel in Neapel hinaus. Dabei hatten im Schlussspurt Dylan Fletcher und seine Crew auf “GB1” (42 Punkte) die Bugspitze immerhin noch vor ihren Frauen- und Jugendteam Cobham-Ultra GB2. Das Seniorenteam konnte sich am Finaltag mit zwei vierten Rängen nach technischen Problemen während der Regatta steigern.
Das strahlende Team dieser zweiten Vorregatta aber war Luna Rossa. Steuermann Peter Burling sagte am Sonntag kurz nach dem Sieg: “Es war ein toller Tag für uns. Wir haben drei solide Rennen zusammengesetzt. Wir haben wirklich gut zusammengarbeitet und gezeigt, wozu wir imstande sind.” Zu den Endergebnissen und den einzelnen Rennresultaten geht es hier.
Mit Burling drückten auf dem Rennkurs Backbord-Steuermann Marco Gradoni, Maria Giubilei und Gianluigi Ugolini das Gaspedal durch. Die beiden zweimaligen Vizeweltmeister im Nacra 17 und Trimmer fügten sich ebenso nahtlos ins Hauptteam der Italiener ein wie Youth-America’s-Cup-Gewinner Marco Gradoni. Mit ihrer Crew stellten die Italiener in Neapel das einzige Seniorenteam mit einer Frau im Startquartett.
Luna Rossa wies im Finale die Cup-Verteidiger vom Emirates Team New Zealand mit den Steuermännern Nathan Outteridge und Seb Menzies sowie den Trimmern Andy Maloney und Iain Jensen nach dominantem Marsch durch die acht Fleetraces auch im Matchrace-Finale in die Schranken. In der Vorstartphase gab es spannende Jagdszenen zu beobachten, in der beide Teams ihre Möglichkeiten hatten.
Luna Rossa aber gewann in den letzten Sekunden vor dem Start die Oberhand und passierte die Startlinie einmal mehr mit perfektem Timing einige Sekunden vor den Kiwis. An dieser Anfangsführung konnten die Kiwis im weiteren Verlauf des Rennens auf aufgrund der hochkonzentrierten Deckung von Luna Rossa nicht mehr rütteln. Mit etwa 250 Metern Vorsprung preschten die Azzuri schon jubelnd und glücklich lachend über die Ziellinie.
Heute war ein großer Tag für unser Team. Wir haben diese Reise mit Pete, Maria und Gigi vor vielen Monaten begonnen. Ich glaube, wir haben der Welt bei diesem Event gezeigt, dass wir mit Abstand die Besten waren.” Marco Gradoni
Luna Rossas CEO Max Sirena ordnete den Erfolg seines Teams ein, sagte am Sonntagabend in Neapel: “Einerseits zeigt dies, dass wir über ein äußerst talentiertes Team verfügen, dessen Mitglieder in verschiedenen Rollen perfekt austauschbar sind.” Diese Aussage bezog Sirena darauf, dass die Senioren zwischen den Vorregatten in Cagliari und in Neapel drei ihrer vier Akteure ausgetauscht hatten – und trotzdem gewannen.
Ich glaube, Luna Rossa hat eine große Chance, im kommenden Jahr den America’s Cup zu gewinnen.” Marco Gradoni
“Anderseits”, so Max Sirena, “ist es eine Belohnung für die Arbeit, die wir in den letzten Monaten geleistet haben, als wir zwischen Cagliari und Neapel zwei Programme gleichzeitig mit der AC75 und der AC40 durchgeführt haben. Die Crew war außergewöhnlich: Das Niveau unserer Gegner war sehr hoch und die Regattastrecke war alles andere als leicht einzuschätzen. Die neuen Crew-Aufstellungen haben so funktioniert, wie wir es erwartet hatten.”
Den inoffiziellen Wettbewerb der drei Frauen- und Jugendteams aus Italien, Neuseeland und Großbritannien allerdings gewannen dieses Mal die Kiwis (5.) punktgleich vor den Italienern (6.) und dem britischen Team Cobham-Ultra GB2 (9.). Geführt wird das neuseeländische Women & Youth-Team vom erst 20 Jahre alten Skipper und Motten-Ass Jake Pye.
Bei der stürmisch gefeierten Siegerehrung gab es noch die verdiente Verneigung vor der Gastgeberstadt, der sich alle Teams anschlossen. Max Sirena sagte: “Herzlichen Glückwunsch an Neapel, eine wundervolle Stadt, die, wie ich erwartet hatte, der Veranstaltung das gewisse Etwas verliehen hat. Die Unterstützung durch die Neapolitaner hat uns definitiv ein paar zusätzliche Knoten eingebracht.”

Freie Reporterin Sport
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