Leichte und diffuse Winde sorgten am Freitagnachmittag in Neapel zunächst dafür, dass dass Segler, Wettfahrtleitung und rund 20.000 Fans an den Ufern und im Race Village lange auf ihre ersten Rennen warten mussten. Das schwierige Wetterszenario hatten Gewitter am frühen Morgen verursacht. Mehrfach musste das gestartete Rennen eins wieder abgebrochen werden, weil der Wind beim ersten Gate so stark abflaute, dass er das unterste Windlimit nicht mehr erreichte und die Foiler klebenblieben. Dann aber ging es endlich los.
Der erste Durchgang endete mit der ersten Überraschung: Das American Racing Challenger Team USA raste bei seinem ersten Rennen in diesem America’s Cup-Zyklus zum Sieg. Die Steuermänner Harry Melges und Lucas Calabrese ließen ihren AC40-Foiler mit den Trimmern Michael Menninger und Hans Henken über den Kurs gleiten, als wären sie nicht erst vor Kurzem als Last-Minute-Team in die neue Herausforderung durchgestartet.
Bestes Team des Tages waren aber wie schon bei der ersten Vorregatta in Cagliari Luna Rossas Senioren. Dabei war Peter Burling der einzige, der auch in Cagliari gesteuert hatte. Seine drei Neapel-Mitspieler – Backbord-Steuermann Marco Gradoni und die Trimmer Maria Giubilei und Gianluigi Ugolino – waren für den ersten Gipfel im künftigen America’s-Cup-Revier neu dazugekommen. Gemeinsam demonstrierte das Quartett am ersten der drei Renntage, wie breit der italienische Rennstall an seiner Leistungsspitze aufgestellt ist.
Der dreimalige America’s-Cup-Gewinner Peter Burling sagte am Freitagabend in Neapel: “Es war kein einfacher erster Tag, aber am Ende ging es gut. Die Bedingungen waren fordernd, insbesondere im zweiten Rennen, als Wind und Wellen aus unterschiedlichen Richtungen kamen. Aber es ist toll und auch interessant, in diesen Bedingungen zu racen.”
Ich würde sagen, dass wir zufrieden sind.” Peter Burling
Das Luna-Rossa-Quartett führte das Klassement am Freitagabend nach zwei Rennen und den Rängen 2 und 1 mit 19 Punkten vor den Senioren des Emirates Team New Zealand und dem ARC Team USA (beide 14 Punkte) an. Es folgten die Frauen- und Nachwuchsteams von Luna Rossa und Cobham-Ultra GB2 (beide 13 Punkte). Dahinter positionierten sich nach dem ersten Viertel der Rennen das Tudor Team Alinghi (11 Punkte).
Die Schweizer waren mit den Steuermännern Paul Goodison und Phil Robertson im ersten Lauf zwar nicht über den neunten und letzten Rang hinausgekommen, weil sie im dann schnell auffrischenden Wind mit der J1 überpowert waren. Doch konnten sie im zweiten im zweiten Rennen sogar Luna Rossa an der Spitze attackieren und mit Rang zwei glänzen.
Die gute Leistung des Tudor Team Alinghi spiegelte sich auch in den Daten wider: Bei der reinen Geschwindigkeit lagen das italienische und das Schweizer Boot nur knapp auseinander. Das Tudor Team Alinghi erreichte im Rennen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,29 Knoten, verglichen mit 32,33 Knoten bei Luna Rossa.
Am Ende des Klassements fanden sich nach zwei Rennen das Frauen- und Jugendteam der Neuseeländer (11 Punkte), das ernüchterte “GB1”-Team um Dylan Fletcher (6 Punkte) und das schwer getroffene La Roche-Posay Racing Team wieder. Zu den einzelnen Rennergebnissen und dem Zwischenklassement nach zwei Läufen geht es hier (nur etwas runterscrollen).
Für die im ersten Durchgang auf Rang sechs gesegelten Franzosen hatte das zweite Rennen mit einem Schock begonnen. Nachdem sie mehrere Sekunden zu früh über die Startlinie gerast waren, führte das direkt eingeleitete Manöver dazu, dass ihr Boot wie ein Torpedo fast senkrecht und tief in die Mittelmeerfluten eintauchte und kenterte. Das hatten sich das La Roche-Posay Racing Team, die Steuermänner Quentin Delapierre und Diego Botin sowie ihre Trimmer Jason Saunders und Florian Trittel ganz anders vorgestellt.
“Sie wollten umkehren, haben das aber sehr schnell gemacht. Wie man sehen konnte, haben sie dann einen Nosedive erlebt. Dann haben sie das Ruder verloren, das keinen Kontakt mehr mit dem Wasser hatte. Und wenn man nicht steuern kann, kann man das Boot nicht mehr segeln”, erklärte 49erFX-Olympiasiegerin Odile Lambriex van Aanholt, die das Renngeschehen gemeinsam mit Niall Myant-Best, Shirley Robertson und Cole Tapper als Expertin kommentiert.
Aus dem französischen Rennstall kam aber bereits am Freitagabend gute Kunde für alle, die sich um den Start der Franzosen mit spanischer Verstärkung an den kommenden beiden Tagen sorgten. Das Team vermeldete: “Wir haben heute sehr viel gelernt. Wir pushen bis an die Grenzen – und manchmal darüber hinaus. Aber das ist Racing: pushen, lernen und stärker zurückkommen. Zwei weitere intensive Renntage stehen bevor. Und eines ist sicher: Wir werden bereit sein. Wir sehen uns morgen!”

Freie Reporterin Sport
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