Spätestens seit ihrem Meistertitel 2024 sind Spaniens Los Gallos eine Macht im SailGP. Ähnlich wie Team Germany in den ersten Jahren, haben sich auch Diego Botin, Florian Trittel, Nicole Van der Velden und ihr Team in der 2019 durchgestarteten Segel-Formel 1 erst hocharbeiten müssen. Heute zählen sie zu den Top-Teams der Liga, sind am Wochenende Co-Favoriten beim Rockwool Germany Sail Grand Prix auf der Ostseepiste von Sassnitz.
Als Tabellenzweite segeln Los Gallos nach zuletzt zwei Event-Siegen aktuell wieder auf der Erfolgswelle. Parallel zum SailGP und erneut olympischen Ambitionen, haben die Spanier nun auch noch den America’s Cup im Visier, bereiten sich mit dem französischen La Roche-Posay Racing Team auf die 38. Cup-Edition vor. Die Triple-Herausforderung hält Diego Botin und Florian Trittel auf Trab.
Als Sohn deutscher Eltern hat der heute 32-jährige 49er-Vorschoter Fl Trittel, SailGP-Flügeltrimmer und America’s-Cup-Trimmer seine ersten drei Lebensjahre am Bodensee verbracht. Im Interview erzählt er, wie aus dem deutschen Jungen, der in Münsterlingen in der Schweiz geboren wurde, ein spanischer Top-Sportler wurde, der in Barcelona zuhause ist und rund um die Welt als Segelprofi im Einsatz ist.
Im Moment würde ich uns schon in die Top-Drei einsortieren. Wir sind technisch immer besser geworden. Das hilt sehr. Wir haben zuletzt auch taktisch gute Entscheidungen getroffen, während unsere Starts nicht so gut waren. Das hoffen wir hier in Sassnitz zu schaffen, obwohl unsere Starts hier letztes Jahr auch nicht großartig waren. Aber unser generelles Niveau und unser Verständnis im Team untereinander sind sehr gut. Wir sind wirklich eine Mannschaft. Das macht es leichter, auf dem Wasser zu flowen.
Auf jeden Fall gut! Es ist ein Riesenschritt für uns in unserer professionellen Karriere. Es gibt uns sehr viel, weil wir in ein neues Projekt eingestiegen sind, in dem wir sehr viel Neues lernen. Auf anderen Booten, die noch viel mehr auf Entwicklung ausgerichtet sind als SailGP. Das ist bereichernd und beflügelnd.
Anfang 2025 haben wir die ersten Gespräche geführt. Zuerst mit Bruno (Red.: Bruno Dubois, Co-CEO im französischen Cup-Team). Dann haben wir uns das länger durch den Kopf gehen lassen und überlegt. Es war eine Entscheidung von uns beiden: Diego und mir. Wir wollten auch unbedingt schauen, wie es in den Kalender reinpasst. Und das passt durchaus sehr gut. Verbunden mit dem Fakt, dass die Franzosen auch im SailGP im Einsatz sind, waren das für uns die ausschlaggebenden Argumente.
Ja. Das ist doch eine gute Motivation. Die Franzosen sind auf jeden Fall stark im SailGP.
Es sind drei sehr verschiedene Disziplinen, auf jeden Fall sehr verschiedene Projekte. Für die Olympia-Kampagne brauchen wir natürlich nur eine relativ keine Gruppe. Mit unseren Trainern sind wir zu dritt oder zu viert.
Diego Alvaro. Das olympische Projekt ist das, in dem man am meisten dieses Gefühl für den Segelsport beibehält und entwickelt. Weil es halt ein kleineres Boot ist. Es ist sensibler, man ist mehr in Kontakt mit dem Boot und mit allem Drum und Dran. SailGP ist der Racing-Gipfel und der America‘s Cup der Entwicklungsgipfel, wo es natürlich viele Abteilungen gib, in die man sich erst reinarbeiten muss, um zu sehen, wie die ganzen Prozesse funktionieren, wo und wie wir Input geben können. Aber es ist auf jeden Fall ein großes Ding.
Unsere Mannschaft ist jetzt solide. Wir sind ein privates Team, haben als offizielle Partner die Santander Bank und Denza mit Elektroautos. Valencia hat uns als neuer Austragungsort und größere Stadt die Möglichkeit gegeben, an gewisse Firmentüren zu klopfen. Auch Firmen, die in Valencia schon eine Infrastruktur haben, wo sie das Sponsorship aktivieren können.
Zu Anfang wussten wir das noch nicht, aber es hat sich sehr schnell erwiesen, dass sich unsere Stärken und Schwächen sehr gut ergänzen.
Wenn man auf die Person Diego schaut, dann ist er jemand, der stark ist im Monofokus. Ich bin mehr der fürs große Bild.
Ich kenne sie dafür nicht gut genug. Aber wir haben für die Olympia-Regatta in Marseille auch mit ihrem Trainer Hamish Willcox gearbeitet. Der hat uns auf jeden Fall mitgeteilt, dass das, was wir haben, sehr wertvoll ist. Und, dass es auch sehr wertvoll wäre, das in Zukunft weiter gemeinsam beizubehalten.
Wir kennen uns seit den Optizeiten. In einem Boot segeln wir seit 2021, also fünf Jahre. Dass wir uns vorher kannten, hat auch geholfen. Aber es ist ja oft so, dass reifere Menschen mehr aus einer Partnerschaft ziehen können.
Diego lebt in Santander, ich in Barcelona. Wir waren in diesem Jahr immer in längeren Blöcken in Lorient, haben dort mit dem La Roche-Posay Racing Team trainiert. Dadurch, dass die Franzosen auch SailGP machen, passt es gut. Zuhause? Da kommen wir immer mal wieder vorbei (lacht).
Meine Eltern sind Deutsche. Sie lebten in Konstanz am Bodensee. Ich bin in Münsterlingen in der Schweiz geboren, weil damals das nächstgelegene Krankenhaus dort war. Ich war die ersten drei Jahre mit meiner Familie, meinen Geschwistern in Deutschland. Dann sind meine Eltern mit uns nach Barcelona gezogen. Da sind wir dann großgeworden, waren auf der deutschen Schule in Barcelona. Das ist meine Stadt.
Ja ich war von 2012 bis 2017 fünf Jahre in aller Welt unterwegs, habe Kitesurfen, Kitefoilen und alles das gelernt. Dabei habe ich ein BWL-Fernstudium gemacht.
Es ist auf jeden Fall viel. Ob es zu viel ist, werden wir erst im Nachhinein wissen. Für uns ist klar, dass wir auf den beiden großen Bühnen America’s Cup und SailGP antreten und im 49er weiter trainieren, aber in diesem Jahr nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Im nächsten Jahr steigen wir dann wieder ein. Die 49er-WM (Red.: 22. Juli bis zum 1. August) fällt aber noch in die Cup-Zeit. Das steht also noch nicht fest. Sie ist die erste Chance, das Land für Olympia 2028 zu qualifizieren. Da würden wir schon gerne helfen.
Olympische Spiele haben einfach diesen ganz besonderen Reiz. Jeder, der diesen Sport verlässt, spürt, dass man so etwas sonst nirgendwo findet. Es ist ein Projekt, dass du wie ein kleines Baby – in unserem Fall dann nur noch ein Jahr – zusammen vorbereitest. Das ist einfach eine Mission.
Ich finde es eine gute Entscheidung. Mehr Cup-Sport wird vielleicht die Geschichte etwas verändern, was für die Traditionalisten möglicherweise komisch sein könnte, aber wie der SailGP mehr Kontinuität und auch mehr Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichung und in den Medien bringt.
Es wird auf jeden Fall eine Rolle als Trimmer, in die ich immer stärker reinwachse. Wir wollen alle erst einmal sehen, wie sich diese Mannschaft jetzt entwickelt, wie wir zusammenwachsen. Wir haben mit Leigh McMillacn auch enorm starke Erfahrung von der Konkurrenz an Bord. Das ist sehr hilfreich (Red.: McMillan gewann im 37. America’s-Cup-Zyklus die Herausfordererunde mit den Briten, trat mit Ineos Britannia zu Duell gegen Neuseelands Cup-Verteidiger an, das die Kiwis gewannen).
Konzeptionell nicht, aber wie man segelt, schon. Es gibt in einem Cup-Team so viele unterschiedliche Abteilungen, so viele Bereiche. Die eigene Rolle zu finden, in der man wirklich der Beste sein kann. Ich bleibe bodenständig, arbeite hart und gebe mein Bestes.
Auf jeden Fall! Olympia war immer ein Kindertraum, auch wenn ich mich als kleiner Junge fragte, wie man da eigentlich hinkommt. Und natürlich der America’s Cup. Den SailGP gab es ja damals noch nicht. Schon im Opti war es mein Traum, die spanische Mannschaft zu vertreten. Ich hatte mich mal für die WM qualifiziert, aber da wollte der Präsident nicht, dass ich Spanien vertrete, weil ich noch den deutschen Pass hatte. Wenn man so klein ist, kann man sowas nicht so gut verarbeiten. Deshalb bin ich frühzeitig aus dem Opti ausgestiegen und fing als Teenager im 29er an mit meinem Bruder. Dann kam das ganze Schnellsegeln, das Kitsurfen und so weiter an. Und irgendwann fängt man an, von den größeren Projekten zu träumen…

Freie Reporterin Sport
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