Olympia-Gold, SailGP-Meisterschaft, America’s-Cup-Sieg: Tom Slingsby hat diese drei großen Gipfel des Segelsports schon gestürmt, zählt am Wochenende zur Mitfavoriten im Rockwool Germany Sail Grand Prix in Sassnitz. Zu den schärfsten Rivalen zählen Peter Burling (Black Foils), Nathan Outteridge (Artemis Racing) und Diego Botin (Los Gallos), die nicht nur Ligapunkte, sondern auch das Slingsby-Triple jagen. Heimspielhungrig und hochmotiviert geht Team Germany ins Rennen.
Siege bei Olympia, im America’s Cup und im SailGP? Der Australier Tom Slingsby hat alle drei Gipfevents des internationalen Segelsports schon gewonnen: 2012 vor Weymouth Olympia-Gold im Laser, 2013 den America’s Cup mit BMW Oracle USA, dazu als SailGP-Rekordmeister drei Saisontitel in der Segel-Formel 1. Es gibt nur wenige, die dieses Triple auch ins Visier nehmen können.
Ein Kandidat ist der andere starke Australier im SailGP: Nathan Outteridge, Steuermann im neuen, aber mit erfahrenen Seglern gespickten schwedischen Team Artemis. Outteridge hat sein Olympia-Gold 2016 im 49er in Rio de Janeiro gewonnen, den America’s Cup 2024 mit dem Emirates Team New Zealand. Ihm fehlt noch der SailGP-Titel. Sein Team lag in der Saisonmeisterschaft vor Sassnitz auf Platz drei.
Im Gespräch mit der YACHT lachte Outterridge am Freitag bei der Frage nach seinen Triple-Ambitionen und sagte: “Darüber habe ich bislang noch nie nachgedacht. Nun aber, da ich es höre, klingt das wie ein sehr hübsches Ziel. Ich habe zwei von drei. Wir sollten drei von drei gleich dieses Jahr anpeilen.” Das war nichts weniger als eine Kampfansage von Outteridge für Sassnitz und die folgenden Events bis zum großen Saisonfinale Ende November.
In ähnlicher Ausgangsposition ist Jahrhundertsegler Peter Burling aus Neuseeland, der 2016 in Rio de Janeiro mit Blair Tuke 49er-Olympia-Gold gewann und für drei America’s-Cup-Siege mit Neuseeland als erfolgreichster Steuermann seiner Generation berühmt wurde. Burling war der jüngste Steuermann, der Skiff-Gold bei Olympia-holte. Und der jüngste, der den America’s Cup gewann. Im SailGP dagegen konnten Burlings Black Foils bislang noch keine Meisterschaft gewinnen.
Das wird nach dem frühen Horror-Crash in dieser Saison und viermonatiger Zwangspause auch in diesem Jahr schwer für die Kiwis. Gerade deshalb sind sie im SailGP hungriger denn je, wollen sich trotzdem als Top-Team präsentieren. Bei den starken SailGP-Spaniern ist es anders herum: Sie haben 2024 Olympia-Gold im 49er und im selben Jahr die SailGP-Meisterschaft gewonnen.
Botin und Trittel fehlt zum Triple noch der Sieg im America’s Cup. Zu ihrem ersten Versuch sind die spanischen Weltsegler von 2024 im Frühjahr mit der französischen America’s-Cup-Kampagne La Roche-Posay Racing Team aufgebrochen. Mit Les Bleus greifen sie erstmals nach der wichtigsten Silberkanne des Segelsports.
Doch bevor es vom 24. bis 27. September bei der zweiten Vorregatta zum 38. America’s Cup erstmals im kommenden Cup-Revier von Neapel zur Sache geht und 2027 der Kampf um die bodenlose Kanne beginnt, haben Diego Botin und Flo Trittel jedoch im Rolex SailGP noch wichtige Aufgaben zu erledigen. Zuerst in Sassitz an diesem Wochenende (hier geht es zu den Anreiseinfos).
Botin, Trittel und Los Gallos sind das SailGP-Team der Stunde. Sie haben gerade wieder einen Lauf, konnten die letzten beiden Events in Halifax und Portsmouth gewinnen. Doch Flo Trittel erinnert sich nur zu gut an die vergangenen Saison, sagte in Sassnitz: “Wir müssen sehen, dass wir unseren Lauf beibehalten. Das ist das Wichtigste. Im vergangenen Jahr haben wir auch zweimal hintereinander gewonnen. Das dritte Event danach war nicht gut.”
Man kann nach zwei guten Events leicht psychologisch etwas nachlassen. Das wollen wir nicht!” Flo Trittel
Am Ende der Saison 2025 hatten Los Gallos den Einzug ins Grand Final verpasst, mussten als Titelverteidiger zusehen, wie das Emirates Team GBR die Siegprämie in Höhe von zwei Millionen US-Dollar kassierte.
Inklusive Sassnitz an diesem Wochenende stehen in dieser sechsten Saison im Rolex SailGP für die 13 Teams noch fünf Events auf dem Programm. Insgesamt geht es um 12,8 Millionen US-Dollar Preisgeld. Beim Heimspiel will auch das Germany SailGP Team punkten. Am liebsten wie im vergangenen Jahr, als gleich im ersten Rennen ein Sieg gelang und Schwarz-Rot-Gold das tosende Publikum an der Sassnitzer Außenmole von den Stühlen holte.
"Es war ein Riesenevent für uns im vergangenen Jahr. Das wollen wir gerne wieder so erleben", schwor Kosegarten-Heil sein Team auf den Gipfelsturm ein. Dabei bildeten alle im deutschen Hangar in der Boxengasse von Sassnitz einen Kreis, legten die Hände in der Mitte aufeinander. Ein Jahr nach dem Premierenerfolg wollen sie den Kreis schließen und mit einem starken Heimspiel auf die Zielgerade der sechsten SailGP-Saison einbiegen, die für das Germany SailGP Team by Deutsche Bank erst die dritte ist.
Der deutsche Rennstall mit Skipper Kosegarten-Heil, Strategin Anna Barth und ihrer Crew braucht ein starkes Ergebnis in Sassnitz, soll das zu Saisonbeginn ehrgeizig gesteckte Ziel erreicht werden. Vom ins Visier genommenen sechsten Rang am Saisonende trennen sie als Tabellenachte nach acht Events noch zwei Plätze. Auf die Frage, was dem deutschen Team ein möglicher Heimsieg vor Rügens Ostseeküste bedeutet würde, sagte Erik Kosegarten-Heil: “Es würde uns die Welt bedeuten.”
So manch ein Team hatte in den Vorbereitungstagen auf das SailGP-Wochenende mit Widrigkeiten zu kämpfen. Nach einer Beinahe-Kenterung im Training am Mittwoch konnte zwar das Boot vom dänischen Team Rockwool Racing blitzschnell wieder hergerichtet werden, aber Fahrer Nicolai Sehested muss das Event nun mit zwei gebrochenen Fingern am Steuer bestreiten. Der Mann mit eigener Farm bei Kopenhagen ist jedoch hartgesotten.
Wir haben uns ein paar blaue Flecken geholt. Ein bisschen Tape drauf und los geht’s!” Nicolai Sehested
Die Dänen sind nach Crew-Wechseln und unbeständiger Saison Tabellenzehnte, wollen und können aber mehr. Sie waren es, die in Sassnitz im vergangenen Jahr die 103.93 km/h erreicht haben, die immer noch den SailGP-Speedrekord markieren. Erwartet werden vor allem für Sonntag mögliche Rekordbedingungen. Auch NorthStar Canada mit Doppel-Olympiasieger Giles Scott am Steuer will ins Finale. Als Tabellensiebte liegen die Kanadier nach acht Events einen Platz vor Team Germany, das die Ahorne bei drei Punkten Rückstand gerne ein- oder überholen würde.
Die Kanadier wunderten sich am Mittwoch im Training über Rudervibrationen, bis sie entdeckten, dass eines ihrer Ruder-Cover nicht abgenommen worden war. Am Donnerstag dann hakte das NorthStar-Unterwant am Deck aus, was eine sehr schnelle Halse erforderte. Auch die Brasilianer erlebten einen Nosedive-Schreckmoment, der kurz an ihren Bruch im vergangenen Jahr erinnerte.
Ob Sassnitz seinem bei der Premiere 2025 mit mehreren dramatischen Situationen erworbenem Spitznamen “Crashnitz” erneut nacheifert, muss das SailGP-Wochenende zeigen. Zum Teaser von Team Germany geht es hier. Zur Sache geht es auf dem schnellsten Kurs der Liga am Samstag und am Sonntag jeweils ab 14 Uhr. Das ZDF überträgt die Rennen in seinen Sportnachmittagssendungen live.

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