Beim Halbzeitgipfel der sechsten SailGP-Saison waren in Nova Scotia gute Nerven, viel Konzentration und – nichts Neues – gute Starts gefragt. In den leichten Winden kreuzte in Halifax erstmals seit Februar wieder die gesamte Flotte der 13 F50-Foiler auf. Die Freude darüber währte aber nicht lange.
Dylan Fletcher und Team Emirates GBR waren nach einem Nosedive im Vorbereitungsrennen am Sonntag mit kaputten Ruder aus dem Rennen. Die Brasilianer sind mit einer Tonne kollidiert, mussten danach passen und wurden von der Jury für “schwere Schäden” mit einer Vier-Punkte-Strafe belegt. Für Hochspannung sorgten im Leichtwindpoker andere. Gesegelt wurde im kanadischen SailGP-Revier in zwei Gruppen.
In beiden Gruppen setzten sich im Ringen um den Finaleinzug die Favoriten durch: Die dreimaligen SailGP-Rekordsieger der Bonds Flying Roos (Australien) und das schwedische Team Artemis gewannen als Co-Favoriten in ihren Gruppen. Spannend ging es im Kampf um die zweiten Plätze zu. Das Finale mit vier Teams war ein Novum und der Entscheidung fürs Gruppensegeln geschuldet.
Den zweiten Platz in Gruppe A erkämpften hinter Tom Slingsbys fast lässig durch die Hauptrunde segelnden Bonds Flying Roos Spaniens Leichtwindkünstler in sehenswerter Weise. Im spannendsten Fleetrace des Tages fingen Los Gallos die bei ihrem Comeback mit neuem Boot schon wieder starken Neuseeländer mit einem sehenswerten Last-Minute-Konter noch ab. Im Fotofinish entschied ein Zentimeter-Vorsprung bei gleicher Sekunde im Ziel zugunsten von Diego Botin und seiner Crew über den Finaleinzug.
Die Kiwis hatten das Nachsehen. Peter Burling freute sich zwar über das endlich erfolgte Comeback seiner Black Foils, bedauerte aber auch die verpasste Chance zum Finaleinzug. Für sein Team erschien es ihm nach der langen Pause insbesondere im oberen Windbereich der Leichtwindkonfiguration der Boote “schwieriger als für andere”. Burling sagte: “Da waren uns die anderen überlegen, die das so schon in New York oder Rio gemacht haben.” Der Kraftakt der Spanier indessen sollte später belohnt werden.
In der zweiten Gruppe B hatte sich nach Tag eins auch das auf Platz drei liegende Team Germany noch Hoffnungen gemacht. Doch die Chance auf den vierten Finalplatz nahm sich das Germany SailGP Team by Deutsche Bank mit schwachen Starts selbst. Steuermann Erik Kosegarten-Heil sagte: “Es war schwierig heute. Wir hatten eigentlich ein gutes Bootsgefühl, sind in den Starts aber leider nie richtig weggekommen.“
Das Germany SailGP Team arbeitete während der Rennen gegen die Startschwäche an. Man konnte sehen, wie die am Sonntag fünfköpfige Crew kämpfte und mehrfach gute Aufholjagden zeigte. Doch unter dem Strich blieb beim siebten von 13 Events der sechsten SailGP-Saison am Sonntagabend Platz sieben, während das Schweizer Explora Journeys Swiss SailGP Team um Sebastian Schneiter ins Finale segelte.
In seiner Bilanz sagte Erik Kosegarten-Heil beim Saisonhalbzeitgipfel in Halifax: „Wir sind heute zu viel auf Angriff gegangen, zu wenig auf Verteidigung.“ Sollte heißen: Team Germany wollte viel, riskierte einiges und vergab im beherzten Kampf um den Finaleinzug ein paar für die Saisonwertung wertvolle Punkte.
Dass die Foiler in den leichten, dann etwas zunehmenden Winden mit ihren größten 27.5-Meter-Segelflügeln unterwegs waren, beleuchtete Erik Kosegarten-Heil kritisch. Der zweimalige Olympia-Dritte sagte am Sonntag: „Die Flügel sind eigentlich viel zu groß für den Wind, den wir jetzt hatten. Normalerweise sind die für ein Speedlimit von 75 km/h ausgeschrieben. Wenn man da rübergeht, dann fliegen die Boote auseinander.“
Man habe gesehen, so der Steuermann aus Strande bei Kiel, „dass es bei den Briten nicht lange gedauert hat, bis die bei einem Manöver im Grunde das Ruder verloren haben“. Deswegen, so der deutsche Skipper in seiner dritten Saison, „war es leider ein bisschen die falsche Wahl.“ In welchen Konfigurationen die Flotte ihre Rennen bestreitet, entscheidet die Liga vor den Rennen. Erik Kosegarten-Heil räumte aber andererseits ein, dass das Segeln mit den Riesenflügeln auch ein Vergnügen sei. Der sagte: „Es ist cool! Es macht Spaß! Die Dinger, die bringen uns schon vorwärts.“
Im Finale wurden die Spanier nach starkem Start zwar von Team Artemis mit „Windflüsterer“ Nathan Outteridge am Steuer überholt. Doch Botín und seine Crew lieferten im Finale ab, als es darauf ankam: Sie konnten erneut kontern und stahlen Artemis Racing den Sieg. Die Hoffnungen der Bonds Flying Roos auf einen rekordverdächtigen fünften Sieg in Folge waren da schon geplatzt.
Damit feierten Los Gallos ihren ersten Sieg in dieser Saison. Dass sie vorher trotzdem schon gut waren, zeigt ihr zweiter Tabellenplatz, den die Spanier nach dem Halifax-Bergfest mit 44 Punkten in der Saisonmeisterschaft besetzen. Die Australier (66 Punkte) führen weiter dominant und die Briten (44 Punkte) halten punktgleich mit den Spaniern auch nach dem technischen K.o. von Halifax noch Platz drei. Team Germany (27 Punkte) liegt auf Tabellenplatz sieben.
Am 25. und 26. Juli läutet der Rolex SailGP seine europäische Saisonphase in Portsmouth ein. Am 22. und 23. August gastiert die Segelrennliga zum zweiten Mal nach der Premiere 2025 in Sassnitz. Was sich Erik Kosegarten-Heil für die nächsten Events wünscht? Die Antwort kommt schnell: „Gut starten, das würde sehr helfen.“

Freie Reporterin Sport
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