Im fernen Halifax steigt an diesem Wochenende parallel zum Eröffnungswochenende der Kieler Woche im deutschen Norden der Halbzeitgipfel der sechsten SailGP-Saison. Am Eröffnungstag haben Team Artemis und die dreimaligen Rekordsieger der Bonds Flying Roos das kanadische Event dominiert. Alle 13 Teams haben in fordernden Leichtwindbedingungen einen dramatischen ersten Tag erlebt, an dessen Ende die Schweden und die Australier ihre Gruppen anführten.
Der Renntag hatte ungewöhnlich begonnen, als das Auftaktrennen der Gruppe A abgebrochen werden musste, obwohl die Tabellenführer der Bonds Flying Roos die Ziellinie als Erste bereits passiert hatten. Die Australier waren vom Start weg sauber in den Foilmodus gekommen und hatten die Flotte während des gesamten Rennens unter Kontrolle. Weil aber die Führenden die Ziellinie erst kurz nach Ablauf des neunminütigen Zeitlimits für das Rennen erreichten, hatte die Wettfahrtleitung einen Neustart angeordnet.
Als das Rennen von Neuem begann, legten die Black Foils bei ihrem Comeback mit dem neuem Boot nach vier Monaten Zwangspause den stärksten Start hin. Doch Tom Slingsby fliegende Kängurus holten sie noch vor der ersten Marke ein. Von da an kontrollierten die Australier das Feld und sicherten sich ihren ersten Rennsieg des Tages vor Spanien Los Gallos und Neuseelands Black Foils.
Das Eröffnungsrennen der Gruppe B zählte zu den packendsten des Tages. Das US-Team legte einen perfekten Start hin, dicht gefolgt von Emirates GBR, doch es war das Explora Swiss SailGP Team, das ihnen die Schau stahl. Nachdem sie gegen Halbzeit des Rennens ihren Rhythmus gefunden hatten, hoben die Eidgenossen um Steuermann Sebastian Schneiter auf ihren Foils ab, stürmten durchs Feld, überrundeten jedes vor ihnen liegende Boot sicherten sich in imposanter Weise den ersten Rennsieg der Saison 2026 vor Team Artemis und Team Germany.
Zurück in Gruppe A, gelang dem dänischen Rockwool-Team im vorletzten Rennen des Tages ein hervorragender Start, doch die Bonds Flying Roos stellten einmal mehr ihre wachsende Stärke auch in leichteren Winden unter Beweis. Obwohl sie an der ersten Marke Schwierigkeiten hatten, kämpften sich die Australier durchs Feld zurück, holten sich einen weiteren Sieg und schlossen die Tageswertung nach zwei Siegen in zwei Rennen mit weißer Weste ab.
Einmal mehr haben Tom Slingsby und seine bekannten Starkwind-Lover in dieser Saison gezeigt, dass sie im Foiling-Rennsport SailGP auch Leichtwind können. Peter Burling und die Black Foils beendeten den ersten Renntag in Halifax als Zweite in Gruppe A vor dem französischen Team DS Automobiles.
Peter Burling konstatierte: “Das neue Boot fühlt sich großartig an!” Das Lob bedeutete auch gute Kunde für Liga-Boss Russell Coutts, der in der vergangenen Woche SailGP-Kritikern eine Standpauke gehalten hatte, und sein vielgelobtes Tech-Team bedeutete. Die SailGP-Techniker waren nach den Crashes dieser Saison im Dauereinsatz.
Keine auffallend positive Veränderung brachte zunächst die SailGP-Rochade im brasilianischen Team. Hier hat die erste und einzige Steuerfrau Martine Grael das Steuer an den Team-Strategen Paul Goodison abgegeben und dessen Rolle übernommen. Das Team begründete den Tausch mit “den Leistungszielen” des Rennstalls Mubadala Brazil.
Mit Goodison am Steuer lagen die Südamerikaner zunächst auf Platz neun, waren einmal als Vierte und einmal als Letzte ins Ziel gekommen. Trotzdem hielt Paul Goodison fest: “Insgesamt war es ein einigermaßen vielversprechender Tag.” Hier geht es zu den Zwischenständen beim Canada Sail Grand Prix an diesem Wochenende.
Im letzten Samstagrennen lieferten sich Artemis und Emirates GBR an der Spitze der Flotte in ihrer Gruppe ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Artemis setzte sich schließlich knapp gegen das britische Team durch und sicherte sich mit dem Rennsieg die Halbzeitführung in der Gruppe B vor den Kiwis, den Schweizern und den Deutschen. Steuermann Erik Kosegarten-Heil sagte danach: “Es war ein komplizierter Tag für alle Teams. Auch sehr fordernd für die Wettfahrtleitung, einen vernünftigen Kurs auszulegen, weil der Wind stark gedreht hat und eine Front durchkam. Es ist nicht einfach…”
Unsere Starts waren in Ordnung. Leider hatten wir im zweiten einen Penalty mit den Amrikanern. Das müssen wir uns nich genauer ansehen.” Erik Kosegarten-Heil
Das Finale von Halifax werden am Ende der Flottenrennen vier und nicht – wie üblich – drei Teams bestreiten. Die beiden Top-Teams jeder Gruppe ziehen in den entscheidenden Lauf ein. “Es geht von vorne los. Wir fühlen uns gut, haben gute Routinen aufgebaut in den letzten Monaten. Wir wollen auf jeden Fall angreifen. Vollgas!”, kündigte Erik Kosegarten-Heil an.
Ein bisschen bedauernd stellte am späten Nachmittag der Steuermann aus Strande bei Kiel fest, dass nach dem Übertragungsfenster auf dem Halifax-Kurs “Champagnerbedingungen” herrschten. “Aber unglücklicherweise können wir diese Momente nicht wählen”, sagte er über die Fernsehsportart SailGP mit ihren festgelegten Übertragungszeiten. Der Canada SailGP wird am Sonntagabend ab 21 Uhr deutscher Zeit mit jeweils zwei Rennen für die Gruppen A und B fortgesetzt. Für das ZDF kommentiert 470er-Vizeweltmeisterin Anna Markfort die Action in Halifax mit Vor-Ort-Reporter Felix van den Hövel hier.

Freie Reporterin Sport
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