SailGPSpanier stark wie bei der Fußball-WM

Tatjana Pokorny

 · 26.07.2026

Flight Controller Joel Rodriguez reckt  die Siegerfaust für Los Gallos beim Emirates Great Britain Sail Grand Prix in den Himmel über Portsmouth.
Foto: Jason Ludlow for SailGP

Themen in diesem Artikel

Nur eine Woche nach dem spanischen Triumph bei der Fußball-WM haben auch Los Gallos im SailGP wieder zugeschlagen. Entzaubert waren beim Emirates Great Britain Sail Grand Prix dagegen eine Reihe von Co-Favoriten. Und Team Germany hatte zu kämpfen, obwohl auch eine kleine Gala gelang.

Nur eine Woche nach dem goldenen Spanien-Finale bei der Fußball-WM haben auch die iberischen Segler wieder geglänzt. Und das nach ihrem Halifax-Triumph im Juni zum zweiten Mal in Folge. Beim achten Event der sechsten SailGP-Saison haben sich Los Gallos im britischen Portsmouth im Vierer-Finale gegen das schwedische Team Artemis, NorthStar Canada und das Schweizer Team Explora Journeys durchgesetzt.

Das SailGP-Gruppensegeln ist gekommen, um zu bleiben

Vierer-Finale? Genau! Die Liga hat entschieden, dass nach einigen Tests mit Beginn des Portsmouth-Gipfels die Fleetraces der inzwischen auf 13 Teams angeschwollenen SailGP-Flotte bis zum Finale Ende November in Abu Dhabi bei allen Events in zwei Gruppen ausgetragen werden. Das kommt nicht bei allen Fans gut an, fiel aber im britischen Revier in knackigen Winden und Highspeed-Konfiguration der Boote weniger ins Gewicht, weil viel Tempo und dadurch vor allem an Tag zwei auch mehr Überholmöglichkeiten und Spannung im Spiel waren.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Das Finale war zum Auftakt der europäischen SailGP-Phase europäischer als erwartet. Weder die top-favorisierten Rekordsieger und Tabellenführer der australischen Bonds Flying Roos noch Neuseelands an Tag eins so souverän agierende Black Foils haben den Endlauf erreicht. Die Show stahlen ihnen Los Gallos und NorthStar Canada als beste Teams der Gruppe A. Dazu das schwedische Team Artemis und Team Explora Journeys Swiss als Top-Zwei der Gruppe B.

Im Finale ließen sich die Spanier auch von ihrem schwachen Start nicht ausbremsen. Mit meisterlich gutem Gespür für den Wind, wählten sie zur Rennhalbzeit im bewussten Split die eigene Kursseite. Auf dem vorletzten Kursabschnitt übernahmen 49er-Olympiasieger Diego Botin und seine Crew dann die Führung und gaben sie nicht mehr ab. Nathan Outteridge und Team Artemis mussten sich beugen, warten nach sehr guten Leistungen an diesem Wochenende weiter auf ihren ersten Event-Sieg.

Neue Hackordnung in der SailGP-Saisonmeisterschaft

Der ebenfalls auffällig gut agierende Finn-Doppel-Olympiasieger Giles Scott, einst in britischen Diensten und heute Antreiber von NorthStar Canada, brachte sich und sein Team mit dem Überfahren der Kursbegrenzung und einem Penalty um ein noch besseres Finalergebnis als Platz drei. Vor den verbliebenen fünf Events rückten Los Gallos in der Meisterschaftswertung mit 54 Punkten näher an die australischen Rekordmeister und Tabellenführer der Bonds Flying Roos (66 Punkte) heran, die beim Briten-SailGP nicht über Rang sieben hinauskamen.

Ausgetragen wurden Solent-Revier insgesamt zehn Rennen bis zum Finale, fünf für jede der beiden Gruppen. Zehn verschiedene Rennsieger zeigten in „Champagner-Segelbedingungen“ bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu fast 100 km/h, wie ausgeglichen das Leistungsniveau in der Segelweltliga inzwischen ist. Hier geht es zur Saisonwertung und den Portsmouth-Ergebnissen.

Ein schwarzes Wochenende erwischten die britischen SailGP-Meister von 2025: Die mit olympischen Goldmedaillen gespickte und co-favorisierte Crew um Fahrer und 49er-Olympiasieger Dylan Fletcher und Strategin und 470er-Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills kam zuhause vor rund 10.000 Zuschauern pro Tag nicht über Rang elf hinaus. “Das war sehr enttäuschend”, sagte Fletcher.

Britische Titelverteidiger fallen auf SailGP-Tabellenplatz fünf zurück

Ohne Punkte beim Heimspiel, fiel Team Emirates GBR in der Rolex SailGP-Saisonmeisterschaft auf Platz fünf zurück. Auch Team Germany hatte sich für die Eröffnung der europäischen Phase der Segel-Formel 1 mehr erhofft als Rang zehn in Portsmouth. Doch Fahrer Erik Kosegarten-Heil und seine Crew hatten sich beim Emirates Great Britain Sail Grand Prix im windreichen Solent-Revier schon in Halbzeit eins um die Finalchancen gebracht.

Einem verpatzten ersten Start folgten zwar deutlich bessere Eröffnungen in den folgenden beiden Gruppenrennen am Samstag. Dabei aber fehlte Schwarz-Rot-Gold noch die passende Bootsgeschwindigkeit, um die Ernte auch einzufahren. Erik Kosegarten-Heils Ankündigung, die Daten dazu genau zu studieren und bessere Einstellungen für den Finaltag zu finden, hat aber über Nacht gut funktioniert.

Zuvor hatte sich am Samstag im dritten Rennen in Folge eines Abstimmungsfehlers an Bord noch die dramatische deutsche Beinahe-Kenterung entwickelt, bei deren Anblick sich die Stimmen der internationalen Kommentatoren kurzfristig überschlugen. „Das war ein vermeidbarer Fehler, ein Fehler in der Kommunikation, der uns unter extremem Druck passiert ist und so nicht vorkommen darf“, räumte Erik Kosegarten-Heil später ein.

Kleine GER-Gala am Finaltag, aber kein Happy End

Experten attestierten dem deutschen Team „eine brillante Rettung“, doch die gute Position im Feld war dahin. Ebenso die Hoffnung auf den Finaleinzug. Zwar gelang dem Germany SailGP Team am Sonntag im vierten Gruppenrennen ein Bilderbuchstart und mit wiedergefundenem Bootsspeed auch ein souveräner Rennsieg, doch kam das Comeback zu spät. Im letzten Rennen dann warf eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung im Duell mit dem US-Team das deutsche Team noch einmal auf Rang fünf zurück.

Ich glaube, da schulden uns die Schiedsrichter mal wieder einen.“ Erik Kosegarten-Heil

Der Steuermann bedauerte die Schiedsrichter-Entscheidung und sagte: “Der Penalty mit den USA: Es waren, ehrlich gesagt, zwei Situationen. Eine direkt an der Tonne und eine direkt danach. Die zweite Situation wäre nie entstanden, wenn wir unseren Penalty für die erste Situation bekommen hätten. Das hat uns im Nachhinein ein bisschen frustriert, weil das ein wichtiger Punkt war, der auch im Gesamtklassement ein bisschen was verändert hat.”

Es war insgesamt nicht das beste Event, das wir hatten.” Erik Kosegarten-Heil

Dass Team Germanys James Wierzbowski am Sonntag zum „Flight Controller des Tages“ gekürt wurde, zeigte aber auch eine der vielen Qualitäten der deutschen Mannschaft. Dennoch fiel der Rennstall von Unternehmer Thomas Riedel, dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und weiteren Anteilseignern mit nur einem Portsmouth-Punkt in der Tabelle bei 28 Zählern zunächst auf Platz acht zurück.

Die nächste Angriffschance: das Heimspiel in Sassnitz

Team Germany segelt trotzdem optimistisch in die Zukunft, denn es folgt am 22. und 23. August das Heimspiel in Sassnitz, mit dem so viele positive Erinnerungen verknüpft sind. Dort hatten sie bei der Deutschland-Premiere im vergangenen Jahr mit fulminantem Auftritt die Fanherzen im Sturm erobert und sportlich mit Platz fünf die Trendwende in Saison fünf eingeläutet. Danach folgte auf dem Genfersee der historisch erste deutsche Event-Sieg.

Sassnitz war im letzten Jahr der Wahnsinn. Wir freuen uns drauf!“, verkündete Erik Kosegarten-Heil, bevor sich sein Team in der kommenden Woche in Kiel wieder auf den kleinen Switches und in Workshops auf die nächste Angriffschance auf der heimischen Ostsee vorbereitet. Die Mannschaft frühzeitig in Sassnitz sein. “Wir wollen sehen, dass wir uns früh auf die Bedingungen einstellen”, sagte der Skipper noch in Portsmouth.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta