Tatjana Pokorny
· 22.07.2026
13 Events hat die sechste SailGP-Saison. Am kommenden Wochenende steht in Portsmouth zum Auftakt des europäischen Event-Quartetts der achte Saisongipfel auf dem Program. Die Vorzeichen? Die dreimaligen australischen Rekordsieger rauschen mit breiter Brust und sagenhaften 18 Punkten Vorsprung als bislang dominante Tabellenführer nach Europa.
“Die segeln echt beeindruckend momentan. Sie sind omnipräsent, verfügen über gigantischen Speed und sind auch über die Charaktäre Slingsby (Red.: Steuermann Tom Slingsby) und ‘Goobs’ (Red.: Flügeltrimmer Iain Jensen) eine starke Kombination. Mit dem Selbstvertrauen, das sie sich gerade aufgebaut haben, sind sie aktuell schwer zu schlagen”, zollt auch der deutsche Steuermann Erik Heil den Bonds Flying Roos einigen Respekt.
Unter Druck stehen vor ihrem Heimspiel vor allen die Gastgeber: Team Emirates GBR will zuhause siegen. Für Fahrer Dylan Fletcher, Strategin und Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills, den vom deutschen Team in sein englisches Heimteam gewechselten Flügeltrimmer Stu Bithell und die Crew steht viel auf dem Spiel.
Im vergangenen Jahr hatte das Team Emirates GBR beim Heimspiel mit Platz zwei seinen Angriff auf die Spitze eingeläutet. Anschließend waren die Briten auf ihrem Kurs zur ersten Saisonmeisterschaft nicht mehr aufzuhalten. Doch in diesem Jahr hatten Dylan Fletcher und Co mit den Plätzen 12 in Rio de Janeiro und 11 in Halifax schon zwei schwere Rückschläge wegzustecken. In Portsmouth müssen sie liefern, wollen sie weiter dranbleiben am Traum vom zweiten Titel in Folge.
„Die Erwartungen an uns als Team sind dieses Mal sicherlich viel höher“, weiß auch Fletcher, der 2021 in Enoshima mit Stuart Bithell zu olympischem 49er-Gold gesegelt war. Fletcher sagte zur Lage seines Teams vor dem Heimspiel: “Da wir schon immer zu den Favoriten gehörten und dann auch (Red.: die Saisonmeisterschaft 2025) gewonnen haben, spürt man diese Last natürlich auf unseren Schultern.“
Die Titelverteidigung verläuft nicht so reibungslos, wie es sich die Briten erhofft hatten. Nach schwer frustrierenden Wochenenden in Rio de Janeiro und Halifax liegt das Team nach sieben von 13 Events mit 44 Punkten zwar immer noch punktgleich mit den spanischen Tabellen-Zweiten auf Platz drei, doch die 18 Punkte Rückstand auf die australischen Spitzenreitern der Bonds Flying Roos (62 Punkte) wiegen schwer. Hier geht es zur Saisontabelle.
Entsprechend selbstkritisch äußerte sich Titelverteidiger Fletcher: „Wir sind nicht zufrieden mit unserer aktuellen Position. Aber wir haben auch das Gefühl, dass wir einige großartige Ergebnisse erzielt haben und uns wirklich Stück für Stück vorarbeiten.“ Dabei konnten die Briten mit einem Saisonsieg zu Jahresbeginn in Perth, drei zweiten Plätzen und einem vierten durchaus glänzen. Fletcher bleibt davon überzeugt, dass Meisterschaften durch “unermüdliche Beständigkeit” errungen werden. Auch in einer Flotte, “die noch nie so stark besetzt war wie heute”.
Man könnte sagen, dass es härter geworden ist, die Flotte zu dominieren. Mehr Teams denn je gewinnen Events, segeln aufs Podium, gewinnen Rennen.” Dylan Fletcher
Fletcher sparte auch nicht mit Selbstkritik, sagte: „Ich habe das Gefühl, dass ich heute ein besserer Anführer bin als noch vor anderthalb Jahren. Ich habe gelernt, wie ich die Leistung jedes Einzelnen im Team optimal fördern kann. Aber ich habe auch erkannt, dass es Momente gab, in denen ich mich von der Situation habe überwältigen lassen. Das gehört zum Sport dazu. Es ist Teil dieses unaufhörlichen Strebens nach unerbittlicher Perfektion.“
Dieses Streben treibt auch das Germany SailGP Team an. Steuermann Erik Kosegarten-Heil und seine Mannschaft liegen nach sieben Events mit 27 Punkten auf Platz sieben. Die bisherigen Saisonergebnisse 9, 6, 8, 6, 3, 11 und 7 zeigen: Es gibt noch viel zu tun für Schwarz-Rot-Gold im dritten Jahr nach dem Ligaeinstieg. Das deutsche Team ist bereits am Dienstag in Portsmouth eingetroffen. “Die Wetterbedingungen sehen nach guten Foiling-Bedingungen aus”, wusste Erik Kosegarten-Heil nach der Ankunft in der Hafenstadt an der Südküste Englands zu berichten.
Er erwartet, dass die SailGP-Rennen auch in Portsmouth mit geteilter Flotte in zwei Feldern fortgesetzt werden und sagte: “Das ist für die Startanlage relevant und bringt natürlich auch grundsätzlich mehr Speedthemen auf den Tisch. Das bedeutet: Die Stärken, die ohnehin immer gefragt sind, werden hier noch mehr gefordert sein: Starts und Bootsspeed.”
Sein Team, so Kosegarten-Heil, habe zuletzt an einer Vereinfachung des Startsystems gearbeitet. “Wir haben mit Blick auf die guten Starts vom letzten Jahr vier verschiedene Starttypen selektiert und ein Startsystem aufgebaut, das wir in unterschiedlichen Bedingungen versuchen zu reproduzieren. Auch haben wir die Abstimmung zwischen Kevin, mir und Anna weiter trainiert. Ich glaube, darin liegt der Schlüssel: Egal, wie schlecht wir vermeintlich in die Startbox reinfahren – der Schlüssel ist, wie man wieder rauskommt.”
Zur Optimierung der Starts hat das Team sowohl das Vokabular in der Kommunikation als auch die möglichen Aktionen weiter angepasst, setzt damit den schon in der ersten Jahreshälfte eingeleiteten Prozess fort. Die Erkenntnis von Erik Kosegarten-Heil: “Alles, was nach der Wende passiert, muss im Grunde im Freestyle gemanagt werden.” Darüber hinaus ist das Team mit dem vom HSV zum Germany SailGP Team gewechselten Sportpsychologen Frank Weiland in die stärkere Visualisierung seiner Prozesse eingestiegen.
Erik Kosegarten-Heil hat gerade erst eine Ansprache an sein Team gehalten. “Ich habe gesagt, dass die zweite Saisonhälfte jetzt losgeht. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen! Wir haben die Chance, uns vorne festzusetzen, aber auch, uns nach hinten zu verlieren. Wir werden so hart pushen, wie es geht, um nach vorne zu kommen. Sobald wir uns da einen Schuss erarbeitet haben, kann es auch mal richtig nach vorne gehen.”
Auf seiner Seite hat der von der Deutschen Bank und weiteren Partnern unterstützte deutsche SailGP-Rennstall von Thomas Riedel, dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und weiteren Anteilseignern auch die Erfolge der letzten Saison. 2025 hatte das Team in der Europa-Phase stark aufgedreht, beim Heimspiel in Sassnitz geglänzt und die Leichtwindschlacht auf dem Genfersee sogar gewonnen.
Wir freuen uns auf die europäische Saison. Viele Events nacheinander waren immer gut für uns und unser Gefühl fürs Boot.” Erik Kosegarten-Heil
Die Rennen im Emirates Great Britain Sail Grand Prix von Portsmouth werden am 25. und 26. Juli live im ZDF-Streaming übertragen. Die Übertragungen beginnen an beiden Tagen um 17.30 Uhr. Kommentator Nils Kaben und Co-Kommentator Felix van den Hövel sind im Einsatz.

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