SailGPUnter Druck in Portsmouth – deutsche Beinahe-Kenterung

Tatjana Pokorny

 · 25.07.2026

Die Beinahe-Kenterung von Team Germany.
Foto: Ricardo Pinto for SailGP
Es waren haarige Momente, die das Germany SailGP Team an diesem Samstag im Solentrevier von Portsmouth zu überstehen hatte: Im letzten Rennen des Tages wären Erik Kosegarten-Heil und sein Team fast gekentert. Gerade noch konnten sie ihren Foiler wieder unter Kontrolle bringen.

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Eigentlich wollten die Briten beim Heimspiel den Ton angeben und glänzen. Doch daraus wurde zum Auftakt erst einmal nichts. Nach zwei verrockten Rennen aber gelang Dylan Fletcher, Hannah Mills und Team Emirates GBR dann doch der erste Rennsieg. Da war aber schon klar, wer an diesem ersten von zwei Renntagen beim Emirates Great Britain Sail Grand Prix dominiert: die neuseeländischen Vorjahressieger in Gruppe A und das schwedische Team Artemis in Gruppe B.

“Rettung des Tages” verhindert deutsche Kenterung beim Briten-SailGP

Peter Burling und seine Black Foils zeigten nach ihrem Comeback im vergangenen Monat in Halifax nach vier Monaten ohne Boot in Portsmouth mit den Rängen 4, 2 und 1 einen beeindruckenden Aufwärtstrend in Gruppe A. “Windflüsterer” Nathan Outteridge und sein schwedisches Team Artemis waren in Gruppe B mit den Rängen 2, 1 und 2 sogar noch einen Tick besser. Outteridge sagte: „Schöner Sonnenschein, gute Brise, und wir hatten ein echt gutes Aufwärmtraining, das uns das nötige Selbstvertrauen gab, das Boot im Rennen richtig zu pushen.”

Unter solchen Bedingungen macht es wirklich einen großen Unterschied, wenn man das Boot hart rannehmen kann.” Nathan Outteridge

In der von Team Artemis dominierten Gruppe B mussten sich die Briten nach drei Rennen an Tag eins hinter den Schweden, dem Amerikanern und Schweizern vorerst als Vierte einreihen. In derselben Gruppe kam das Germany SailGP Team auf keinen grünen Zweig.

Dem ersten misslungenen Start folgte zunächst ein viel besserer in Rennen zwei, doch fehlte auf dem Kurs der Speed. Danach gelang Schwarz-Rot-Gold in Rennen drei sogar ein richtig guter Start. Doch dann, so berichtete es die Liga in ihrer Tageszusammenfassung, stolperte Flügeltrimmer Kevin Peponnet beim Seitenwechsel. Der F50-Foiler geriet außer Kontrolle, die Crew konnte nur mit Mühe eine Kenterung verhindern. Die Kommentatoren bescheingten Erik Kosegarten-Heil und seiner Crew “die Rettung des Tages”.

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GER-Stunt vor dem Horse Sand Fort im Solent

Der Steuermann beschrieb den Verlauf später so: “Wir sind als Erste um die Tonne und hatten wieder ein technisches Problem. Das Boot hat sich einmal ins Wasser gesenkt. Dadurch sind die Briten bei uns innen reingekommen und haben uns vorgegeben, wann wir sozusagen halsen können. Da mussten wir sehr hoch an diesem Fort, diesem Donat im Wasser, so einer Burg (Red.: gemeint ist das kreisrunde Horse Sand Fort mit einem Durchmesser von 80 Metern, das mitten im Kurs lag) vorbeifahren.”

In der Folge habe es “mehr oder weniger Unstimmigkeiten” an Bord gegeben, so Erik Kosegarten-Heil. Er erklärte: “Man kann nicht hochfahren, solange noch beide Boards unten sind. Kevin war spät auf der neuen Seite, hat das eine Bord nicht mehr rechtzeitig hochgekriegt. Ich habe nicht gesehen, dass es noch nicht oben war, bin weiter hochgefahren. So ist eins zum anderen gekommen.” Die erste Halbzeit beschrieb Erik Kosegarten-Heil danach als “insgesamt etwas enttäuschend, nicht unser bester Tag”.

Dabei war er mit den Starts nicht unzufrieden, sagte: “Wir hatten zwei gute Starts, einen schlechten Start. Wir haben dann aber das Geschwindigkeitspotenzial des Bootes nicht gefunden und sind dadurch nie richtig nach vorne gekommen. Das hat uns heute ein bisschen gewundert. Vielleicht müssen wir uns da ein bisschen die Daten ansehen und für morgen andere Einstellungen wählen. Insgesamt ist da Luft für Verbesserungen.”

Es hätte besser laufen können.” Erik Kosegarten-Heil

​Sechs Rennen und sechs verschiedene Sieger haben in den knackigen Portsmouth-Bedingungen bei einer Artemis-Spitzengeschwindigkeit von 98,58 km/h den Seglern und Seglerinnen aber auch viel Spaß gemacht. “Das war unglaubliches Segeln heute”, freute sich “Artemis”-Steuermann Nathan Outteridge. “Das waren Bedingungen heute! Wir haben den Tag wirklich genossen”, bestätigte auch Peter Burling für die Black Foils.

Gruppensegeln im SailGP: viel Speed, wenige Überholchancen

Der Eröffnungstag des Emirates Great Britain Sail Grand Prix bot vom ersten bis zum letzten Signalton jede Menge Spannung. Bei einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h auf dem Solent waren die F50-Boote mit dem kleinsten 18-Meter-Flügelsegel sowie den Highspeedrudern und -Boards ausgestattet worden. Das gewählte Gruppensegeln, das die Liga von diesem achten Event der sechsten SailGP-Saison an bis zum Saisonende beibehalten will, sorgte dafür, dass die Teams mit mehr Übersicht agieren konnten.

“Das Segeln mit den geteilten Gruppen ist eigentlich cool”, sagte Erik Kosegarten-Heil, “es gibt mehr Highspeed-Situationen. Das macht schon Laune. Man hat schon viele enge Situationen, aber auch wenig Spuren zum Aufholen.” Auch in den Augen anderer Teams war der Kurs so angelegt, dass es nach den Starts nur wenige Überholspuren gab.

Das kritisierte auch Dylan Fletcher, der sagte: “Die Bedingungen waren fantastisch. Es war nur etwas frustrierend, wie der Rennkurs angelegt war. Er hat eine Art von Prozession verursacht. Ich hoffe, da können sie für morgen etwas tun, um es etwas interessanter zu machen.” Seine Strategin Hannah Mills legte nach: “Es war ein wirklich schwieriger Kurs zum Überholen. Der Kurs war in gewisser Weise einspurig, was das linke Tor unten betraf. Aber die Bedingungen waren einfach phänomenal.”

Bester britischer Fahrer war in Halbzeit eins ein Kanadier

Die spannendste Entscheidung fand in Rennen zwei der Gruppe B statt. Da führten mit dem kanadischen NorthStar Team die Sieger von Rennen eins erneut, wurden dann aber in letzter Minuten von Spaniens Los Gallos attackiert und abgefangen. In der Verteidigung fielen die Kanadier von den Foils und wurden kurz vor dem Ziel noch von drei weiteren Teams überholt.

Dennoch war der britisch-kanadische Fahrer Giles Scott, zweimaliger Finn-Olympiasieger für Großbritannien, mit 0,27 Sekunden Luft zur Linie bester Fahrer des Tages. Sein Team lag nach drei Rennen in Gruppe A mit zehn Punkten und nur einem Zähler Rückstand auf die Black Foils auf Platz zwei in Gruppe A.

Am für die Briten versöhnlichen Ende des Tages holten sie mit ihrem Rennsieg die Fans noch einmal von den Sitzen im XL-Rennstadion. Da keimte neue Hoffnung auf, dass die Saisonmeister von 2025 als Heimteam mit zwei Top-Rennen am Sonntag vielleicht doch noch das Finale erreichen können, für das sich die jeweils besten beiden Teams der Gruppen A und B qualifizieren. Für Team Germany wird das bei bislang nur zwei Punkten auf Platz sechs in Gruppe B sehr schwer. Hier geht es zu den Zwischenständen nach Tag eins.

Der Emirates Great Britain Sail Grand Prix im ZDF-Streaming

Der Emirates Great Britain SailGP wird am Sonntag ab 17:30 Uhr deutscher Zeit fortgesetzt. Das ZDF übertragt die Rennen live im Streaming. Kommentator ist SailGP-Experte Felix Van den Hövel. Es werden ähnlich druckvolle Bedingungen wie am Samstag erwartet.

Zu den Halbzeit-Reaktionen der Steuerleute geht es hier:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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