Oyster stellte die neue 36M auf der Monaco Yacht Show vor. Die britische Werft positioniert den Entwurf ausdrücklich nicht als vergrößerte Oyster, sondern als Einstieg in eine neue Klasse. “Wir richten uns bei unseren Neuentwicklungen nach den Wünschen unserer bestehenden Kunden, die mit ihren Ideen und Visionen zu uns kommen”, berichtet CEO Stefan Zimmerman-Zschocke beim YACHT-Gespräch auf der Messe in Monaco. So entstand der neue und in Cannes präsentierte C60-Katamaran, als auch die 36m. Die erste Einheit des C60 sei bereits verkauft, bei der 36m befindet sich die Werft eigenen Angaben zufolge in Gesprächen mit potentiellen Kunden.
Mit 36 Metern Länge über alles und 9,26 Metern Breite liegen die Maße des GFK-Baus deutlich über den aktuellen Serienmodellen der Marke. Die Oyster 515 mit Beach-Club-Konzept bildet mit gut 15 Metern Länge bislang das andere Ende des aktuellen Neubootprogramms, die größte Oyster ist derzeit die Oyster 885. Im Jahr 2013 entstand bereits eine 38,14 Meter lange Oyster 125 mit Flybridge, die in der Türkei gebaut wurde. “Wo die neue 36m entsteht, kann ich noch nicht sagen”, so Zimmermann-Zschocke. “Wir haben mehrere Optionen.”
Die Werft möchte die technische Basis der 36m weitgehend vorentwickelt anbieten, zugleich aber individuelle Ausbauten zulassen. Eigner können laut Oyster zwischen drei, vier oder fünf Kabinen wählen und Innenraum, Decksbeschläge, Kiel, Rigg, Segelplan sowie Ausrüstungsdetails nach ihren Vorlieben gestalten und bestimmen.
Im Heck sollen ein großes Cockpit und ein Beach Club den Aufenthalt nahe am Wasser in den Mittelpunkt rücken. Kernstück ist die Badeplattfform mit dem klangvollen Namen „The Island“. Sie lässt sich hydraulisch absenken, um den Zugang zum Wasser zu erleichtern, oder angehoben als zusätzliche Terrasse nutzen. Optional ist zudem eine seitliche Einstiegplattform vorgesehen.
Auf dem Vorschiff in der tiefergelegten Tenderbucht ist ein separater Rückzugsbereich geplant, der sich mit Sonnenschutz oder auch einem Jacuzzi ausstatten lässt. Dazwischen liegt der Deckssalon mit 360-Grad-Blick. Eine verschiebbare Glaswand verbindet ihn direkt mit dem Cockpit. Das schafft einen durchgängigen Wohnbereich auf einer Ebene – ein Konzept, das man in kleinerem Maßstab bereits bei modernen Fahrtenyachten sieht, das auf 36 Metern aber deutlich andere Dimensionen erreicht.
Für Konstruktion und Linien ist Frers Naval Architecture verantwortlich. Oyster nennt einen scharf geschnittenen Steven und ein breites Heck als prägende Elemente des Rumpfdesigns. Die veröffentlichten Basisdaten unterstreichen den Anspruch als luxuriöse Yacht für Weltreisen: Die vorläufigen technischen Daten der Oyster 36M nennen 12.000 Liter Dieselkraftstoff, 4.500 Liter Frischwasser und eine Segelflächevon 670 Quadratmetern. Der Standardkiel soll einen Tiefgang 3,80 Meter haben, der Mast ragt 49,20 Meter in den Himmel. Damit ist die Yacht klar auf große Distanzen und nicht für flache Reviere ausgelegt.Bis dato sind wenig Details des Flaggschiffes bekannt. Die Werft betont große Stauräume, gut zugängliche technische Systeme und reichlich Stauraum für Ersatzteile. Hinzu kommt eine große Garage für Tauchausrüstung, Wassersportgerät und den Tender.
Ob sich aus der 36m ein neues, dauerhaftes Modellprogramm entwickelt, bleibt offen. Die erste Vorstellung liefert zunächst ein Konzept mit einigen wenigen Kennzahlen und einer ambitionierten Positionierung. Entscheidend werden Bauqualität, Seeverhalten und die Frage sein, wie weit Oyster den Wunsch nach Individualisierung im realen Projekt umsetzen kann.
Große Erfolge feiern die englischen Bootsbauer mit ihrer World Rally. Für Eigner von Oyster-Yachten bietet die britische Werft mit ihrem Flottillenabenteuer um die Welt ein eindrucksvolles Komplettpaket: 16 Monate Freiheit, 27.000 Seemeilen, 27 Stopps, 22 teilnehmende Yachten und ein durchgeplantes Reiseprogramm, das kaum Wünsche offen lässt. An der bis Mitte 2027 laufenden Rally nehmen 30 Yachten teil.
Doch auch eine Havarie überschattet das aktuelle Werftgeschäft. Vor wenigen Wochen kenterte eine Oyster 825 während einer Regatta nach schwerem Kielschaden. Die Untersuchungen zu dem Unglück laufen noch.
Traumyachten versammelt 18 klassische Segelyachten in großformatigen Fotografien und erzählt ihre Geschichten – von der „Manitou“ bis zur „Germania Nova“. Der Bildband erklärt nicht die Technik der neuen Oyster 36M, setzt ihre Präsentation aber in einen größeren Kontext: große Segelyachten als individuell geprägte Entwürfe, deren Wirkung aus Proportionen, Details und der besonderen Verbindung von Konstruktion und Lebensstil entsteht.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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