Die X-79 ist kein kleines Fahrtenboot mit ein paar Regatta-Ambitionen. Sie ist ein Sportboot, das für ihre Größe erstaunlich viel Fahrtentauglichkeit mitbringt. Acht Meter Rumpflänge, ein für damalige Verhältnisse breites Heck, ein leistungsfähiges 7/8-Rigg und ein großer symmetrischer Spinnaker machen sie zu einer Yacht, die Engagement und seglerisches Können verlangt. Wer eine gebrauchte X-79 sucht, erwirbt deshalb keinen Allrounder für jede Lebenslage. Er kauft einen leichten, lebendigen Racer mit einer aktiven Regatta-Szene, bemerkenswert viel nutzbarem Raum und einer klaren Haltung zum Segeln.
Als Niels Jeppesen die X-79 im Jahr 1979 zeichnete, war sie nicht eindeutig zuzuordnen. Heute wirkt sie wie ein Vorreiter auf das, was bei schnellen Performance-Cruisern längst selbstverständlich ist. Viel Breite achtern und ein Rumpf, der nicht nur Verdrängerfahrt kann. Außerdem viel Segelfläche an einem gut trimmbaren Mast, ein auf Leistung ausgelegtes Deckslayout und das alles für eine Besatzung, die arbeiten muss. Die X-79 war damit ihrer Zeit voraus. Allerdings ohne die Komfort- und Sicherheitsreserven heutiger Performance-Cruiser.
Die X-79 ist nicht irgendein Modell aus der Geschichte von X-Yachts, sie ist der Anfang der renommierten Werft. Aus der Scheune in Haderslev entwickelte sich später eine der prägenden Marken im europäischen Performance-Yachtbau. X-Yachts führt die X-79 heute als erstes Modell der eigenen Historie, gebaut von 1979 bis 1994 in 468 Exemplaren.
Die Hauptdaten wirken aus heutiger Sicht nicht spektakulär. Die X-79 misst 7,96 Meter über alles, ist 2,88 Meter breit und hat 1,33 Meter Tiefgang. Der YACHT-Gebrauchtboottest nennt ein Gewicht von 1,5 Tonnen und rund 700 Kilogramm Ballast. Die Klassenregeln geben für den Kiel einschließlich Bolzen und Beschichtung ein Gewicht von 650 bis 680 Kilogramm vor.
Die X-79 ist leicht, hat einen relativ hohen Ballastanteil und trägt viel Segelfläche. Das Groß misst 20,3 Quadratmeter, die Genua rund 19 Quadratmeter, hinzu kommt der große Spinnaker. Das 7/8-Rigg erlaubt eine breite Palette an Trimmmaßnahmen. Es kann bei wenig Wind offen gefahren werden, reagiert aber auch deutlich auf Spannung im Achterstag und Veränderungen am Vorstag.
Das breite, vergleichsweise flache Heck macht den Unterschied. Es erzeugt früh Auftrieb, gibt der Yacht Stabilität, wenn sie Druck bekommt, und schafft die Voraussetzung dafür, dass sie auf raumen Kursen ins gleiten kommen kann. Die rechnerische Rumpfgeschwindigkeit auf Basis der Wasserlinienlänge von 6,40 Metern liegt bei gut sechs Knoten. Das ist auf diesem Boot keine Geschwindigkeitsbegrenzung.
Die X-79 kann diesen Bereich bei genügend Wind und passendem Kurs klar überschreiten. ORC-VPP-Daten für die Einheitsklasse errechnen bei 20 Knoten wahrem Wind rund 7,8 Knoten bei 90 Grad Windwinkel, 8,5 Knoten bei 110 Grad, 9,4 Knoten bei 120 Grad und 9,6 Knoten bei 135 Grad. Diese Werte sind keine GPS-Aufzeichnung eines einzelnen Bootes, sondern rechnerisch ermittelte und im Laufe der Jahre auch wieder korrigierte Werte. Sie zeigen aber, woher der Ruf als Raumwindboot kommt.
Der Preis für dieses Temperament ist ein Boot, das nicht passiv gesegelt werden möchte. Eine X-79 profitiert von einer Crew, die beobachtet, nachtrimmt und Gewichte verlagert. Mit zu viel Druck im Groß oder schlechter Balance kann sie anstrengend werden. Mit sauberem Trimm ist sie dagegen erstaunlich kontrollierbar.
Die Eigenschaften, die die X-79 schnell machen, prägen auch ihr Verhalten in der Welle. Der jollenhafte Rumpf kann bei rauem Seegang hart aufsetzen und ist kein Design, das eine schwere, lange Welle einfach wegdämpft. Für sportliche Segler ist das nicht zwingend ein Mangel. Wer aus einer Jolle oder einem sportlichen Kielboot kommt, wird die Reaktionen eher als lebendig denn als unangenehm empfinden. Wer eine ruhige Plattform für lange Urlaubsetappen mit kleiner Crew sucht, sollte diesen Punkt ernst nehmen.
Das gilt besonders bei Starkwind. Die X-79 hat genug Stabilität und genug Segelfläche, um bei Druck schnell zu werden. Doch sie verlangt rechtzeitige Entscheidungen. Reffen ist keine Niederlage, sondern Voraussetzung dafür, dass das Boot schnell und kontrollierbar bleibt. Die Riggspannung muss zum Wind passen und bei zunehmendem Seegang entscheidet die Crewarbeit darüber, ob die Yacht sauber durch die Welle läuft oder unnötig hart bremst.
Unter Deck überrascht die X-79 bis heute. Nicht durch Komfort, aber durch nutzbares Volumen. Der Innenraum ist einfach, aber konsequent. Die langen Salonkojen reichen weit unter das Cockpit und ergeben nicht nur Schlafplätze, sondern auch enormen trockenen Stauraum. Für längere Fahrten lässt sich das Vorschiff als Doppelkoje nutzen. Im Regattaalltag dient es dagegen vor allem als Segellager.
Dazu kommen zwei schmale Lotsenkojen, die sich aus den hochklappbaren Rückenpolstern der Salonkojen ergeben. Die Pantry liegt am Mast, die Spüle an Steuerbord, der Kocher gegenüber. Wer vom heutigen Standard kleiner Fahrtenyachten kommt, wird vieles vermissen. Stehhöhe, getrennte Nasszelle, abgeschlossene Vorschiffskabine und eine üppige Kombüse gehören nicht zum damaligen Konzept.
Gemessen an einem Acht-Meter-Boot der späten 1970er-Jahre bietet die X-79 bemerkenswert viel Raum. Vier Personen können übers Wochenende gut an Bord leben, wenn sie bereit sind, sich zu organisieren. Zwei Personen finden genug Platz für Urlaubsfahrten in Küstenrevieren. Der große Vorteil ist dabei nicht der Ausbau, sondern die Flexibilität. Segel, Kleidung, Proviant und Sicherheitsausrüstung lassen sich sinnvoll verstauen, ohne dass der Salon sofort unbenutzbar wird.
Das Alter der X-79-Flotte verlangt eine strukturierte Besichtigung der einzelnen Schiffe. Ein niedriger Kaufpreis sagt bei einem Boot aus den Jahren 1979 bis 1994 wenig aus. Entscheidend sind Feuchtigkeit, Reparaturqualität, Zustand der Beschläge, Alter des Riggs und die Frage, wie konsequent das Boot im (Regatta-) Einsatz beansprucht wurde.
Im Fokus liegt die Sandwichkonstruktion. Rumpf und Deck bestehen aus handlaminiertem GFK-Sandwich. Das bringt Gewichtsvorteile und Steifigkeit, verlangt aber Aufmerksamkeit an Durchbrüchen, Beschlägen und bei besonders belasteten Bereichen.
Ein bekannter Punkt betrifft das mittlere von drei Ruderlagern am unteren Ende des Kokers. Bei einzelnen Booten war die Verklebung am Borddurchbruch nicht ausreichend. Eindringendes Wasser kann dann in das Sandwich gelangen und sich entlang der Kernstruktur verteilen. Das muss nicht automatisch einen schweren strukturellen Schaden bedeuten. Es darf aber nicht ignoriert werden.
Bei der Besichtigung gehören deshalb das Spiel in der Steueranlage, sichtbare Feuchtigkeitsspuren, frühere Reparaturen und die Ausführung der unteren Ruderaufhängung auf die Prüfliste. Die Klassenvereinigung führt diesen Punkt ebenso in ihrem Buyers Guide, wie auch die später nachgerüsteten Verstärkungen im Bereich der unteren Ruderaufhängung.
Die X-79 wird sportlich getrimmt, das ist Teil ihres Konzepts. Zu viel Riggspannung kann jedoch den Bereich um den Mastfuß belasten. Deshalb sollte der Käufer den Mastkragen von oben und unten, den Mastfuß in der Bilge sowie das Hauptschott gründlich begutachten.
Besonders wichtig sind Haarrisse, Verformungen, weiche Decksbereiche, dunkle Wasserläufer und sichtbare Verstärkungen. Verstärkungen sind nicht automatisch negativ. Eine sauber dokumentierte, fachgerecht ausgeführte Reparatur kann besser sein als ein unberührter Originalzustand. Entscheidend ist die Qualität der Arbeit und die Frage, ob die Ursache behoben wurde.
Rund um die Mastdurchführung liegt Sperrholz im Sandwich. Dieses Material kann bei eingedrungener Feuchtigkeit Schaden nehmen. Feuchtemessung allein reicht hier nicht immer aus. Ein Sachverständiger sollte bei auffälligen Messwerten, weichem Deck oder sichtbaren Rissen die Konstruktion genauer bewerten.
Bei frühen Schiffen der X-79 Baureihe ist der Kielbereich besonders wichtig. Bei einem Teil der ersten Baunummern wurden neben dem massiv laminierten Kielbereich zunächst Balsaholz als Sandwichkern verwendet. Dieser Kern kann Feuchtigkeit aufnehmen. Die spätere Verbesserung der Bauweise mit geschlossenzelligem Schaumkern ist in dieser Hinsicht weniger kritisch, bedarf aber auch einer sorgfältigen Untersuchung.
Der Käufer sollte von außen nach Rissen, unregelmäßigen Spachtelzonen, auffälligen Reparaturen und Osmoseblasen suchen. Die sechs Kielbolzen sind ebenfalls zu kontrollieren. Die Klassenregeln legen ihre Befestigung mit sechs M16-Edelstahlbolzen fest. An einem Gebrauchtboot geht es jedoch nicht um die Regelzeichnung, sondern um Korrosion, Dichtheit, sichtbare Deformationen und die Qualität möglicher Reparaturen.
Die X-79 lebt von ihrem Deckslayout. Fallen, Strecker, Schoten, Winschen, Blöcke und Klemmen definieren das Handling. Gerade stark beanspruchte Regattaboote können an diesen Stellen teuer werden. Einzelne Beschläge sind oft bezahlbar. Die Summe aus mehreren Winschen, Stoppern, Blöcken, Schienen und Leinen kann den vermeintlich günstigen Kauf schnell relativieren.
Prüfen sollte man deshalb nicht nur, ob etwas funktioniert. Wichtig sind Spiel, Korrosion, weiche Bereiche unter hoch belasteten Beschlägen und die Befestigung der Winschen von innen. Besonders die große Winsch auf dem Kajütdach und die Lukengarage sollten mit Sorgfalt kontrolliert werden. Wenn der Sandwichkern dort weich geworden ist, genügt ein neuer Beschlag nicht.
Die aufgeklebten Plexiglasscheiben sind ein weiterer typischer Alterspunkt. Kratzer sind ein rein kosmetisches Thema, Undichtigkeiten nicht. Ein Schlauchtest zeigt häufig mehr als eine schnelle Sichtprüfung. Auch Vorluk, Niedergang und Relingsfüße sollten dabei einbezogen werden. Leckspuren an den Innenwänden oder Verfärbungen hinter Verkleidungen sind Warnzeichen.
Eine gute X-79 erkennt man nicht daran, dass alles original geblieben ist. Bei einem Boot dieses Alters kann ein sorgfältig modernisiertes Exemplar die bessere Wahl sein. Ein neues stehendes Gut, überholte Ruderlager, eine dokumentierte Sanierung kritischer Sandwichbereiche und ein erneuertes Deckslayout sind wertvoller als ein vermeintlich komplett originales Boot.
Positiv sind auch aktuelle Segel, ein gepflegter Trailer, ein vernünftiger Außenborder und eine klare Dokumentation zu Reparaturen. Der Außenborder vereinfacht die Technik-Kontrolle an Bord, ersetzt aber keine Prüfung. Ein Eigner, der offen über erledigte und noch offene Arbeiten spricht, schafft mehr Vertrauen als alle beliebigen Verkaufsfloskeln.
Die X-79 bleibt zudem ein Boot, bei dem die Klasse hilft. Auf der Website der deutschen Klassenvereinigung finden sich technische Hinweise, Regattainformationen und ein wachsendes Wiki. Wer ein Boot kauft, kann deshalb auf eine Wissensbasis zurückgreifen, die bei vielen weniger verbreiteten Entwürfen dieser Größe fehlt. Ein klarer Vorteil beim Kauf einer gebrauchten X-79 im Vergleich zu anderen Modellen in diesem Alter.
Die X-79 bietet etwas Seltenes. Einen bezahlbaren Zugang zu aktivem One-Design-Segeln, eine weiterhin lebendige Klasse und einen Bootstyp, dessen Charakter bis heute unverwechselbar geblieben ist.
Schon im Premierenjahr 1979 gewann der neue Entwurf bei Sjælland Rundt und setzte sich dabei gegen deutlich etabliertere Boote durch. Kurz darauf folgte der Sieg bei Tjörn Runt in Schweden. Damals ebenfalls eines der großen skandinavischen Segelevents. Diese Ergebnisse machten die X-79 weit über Dänemark hinaus bekannt und waren ein wesentlicher Grund für den schnellen Erfolg der jungen Werft X-Yachts. Bereits 1981 wurde die erste dänische Meisterschaft ausgetragen, 1985 folgte eine Europameisterschaft. Die X-79 etablierte sich damit früh als nordeuropäische Einheitsklasse.
Auch heute ist die Klasse kein historisches Netzwerk ehemaliger Regattasegler. Die Deutsche X-79 Klassenvereinigung e.V. organisiert Regatten, unterstützt Eigner mit technischen Informationen und bündelt Erfahrungswissen zu Refit, Vermessung und Ersatzteilen. Gerade für Kaufinteressenten ist diese Mischung aus Regattabetrieb und technischem Austausch ein echter Pluspunkt.
Die Saison 2026 zeigt, dass die Klasse nach wie vor aktiv ist. Bei der dänischen Meisterschaft am 28. und 29. August in Kolding waren zwölf X-79 gemeldet. Beim neu gestalteten Klassentreffen am 22. August in Kiel kamen neun Boote mit ihren Crews zusammen. Wer eine X-79 übernimmt, findet weiterhin Regattagelegenheiten.
Die X-79 passt zu Seglern, die ein kleines Boot nicht als Verzicht, sondern als Kombination verstehen. Sie ist richtig für Crews, die auf der Regattabahn aktiv sein wollen, aber nicht jedes Wochenende mit einem reinen Rennboot verbringen möchten. Außerdem passt Sie zu Paaren, die ein trailerbares Boot mit viel Segelgefühl suchen und gelegentliche Küstentörns nicht ausschließen.
Sie kann aber auch für Familien interessant sein, wenn die Ansprüche an Privatsphäre und Komfort überschaubar bleiben. Das Cockpit ist groß, der Innenraum erstaunlich nutzbar. Wer eine abgeschlossene Vorschiffskabine, eine vollwertige Nasszelle und ruhiges Verhalten in jeder Welle erwartet, sollte sich nach einem anderen Konzept umsehen.
Für Einsteiger ist die X-79 nicht grundsätzlich falsch, aber anspruchsvoll. Das Boot verzeiht nicht jede übersehene Böe, jede unpassende Segelstellung und jede übertriebene Riggspannung. Mit guter Einweisung, konservativer Segelführung und einem erfahrenen Skipper kann sie jedoch ein hervorragendes Lehrboot sein. Sie zeigt klar, was Trimm bewirkt, und belohnt sauberes Handling unmittelbar.
| Merkmal | Angabe |
| Konstrukteur | Niels Jeppesen |
| Werft | X-Yachts, Dänemark |
| Länge ü. a. | 7,96 m |
| Länge Wasserlinie | 6,40 m |
| Breite | 2,88 m |
| Tiefgang | 1,33 m |
| Verdrängung | ca. 1.345–1.552 kg |
| Ballast | 650–680 kg |
| Kieltyp | feststehender Flossenkiel |
| Material | GFK-Sandwichlaminat |
| Rigg | durchgesteckte 7/8-Slup |
| Segelfläche am Wind | 38,9 m² oder 32,8 m² |
| Motor | Außenborder |
| Steuerung | Pinne |
| Kojen | vier bis sechs |
| Gebrauchtpreis | 5.000 - 20.000€ |
In eigener Sache: Die YACHT hat die X-79 2009 ausführlich getestet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse zu Segeleigenschaften, Konstruktion und Ausbau sind in diesen Beitrag eingeflossen. Für die aktuelle Gebrauchtbootberatung wurden sie neu eingeordnet und um aktuelle Angaben zu Schwachstellen, Ersatzteilversorgung, Klassenvereinigung und Marktpreisen ergänzt.
Bootskauf ordnet die Entscheidung für eine gebrauchte Segelyacht systematisch ein. Der Ratgeber behandelt die Wahl von Größe und Material ebenso wie Wertermittlung, Vertragsfragen, Versicherung, Liegeplatz sowie mögliche Wartungs- und Reparaturkosten.
Yachtdesign richtet den Blick auf die Konstrukteure hinter prägenden Segelyachten. Der Band verbindet Porträts bedeutender Designer mit Bildern ihrer Entwürfe und erklärt, warum Linienführung, Materialien und technische Konzepte den Charakter eines Bootes bestimmen.
Welche Erfahrungen haben Sie mit der X-79 gemacht? Ist sie für Sie ein Regattaboot oder schon eine kleine Fahrtenyacht?
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