Route du RhumViel Prominenz und Herrmanns erstes Solo mit “Malizia 4”

Tatjana Pokorny

 · 28.09.2026

Die jüngste Ultim "Gitana 18" wurde im Februar vom Stapel gelassen. Für Skipper Charles Caudrelier und den Rennstall Edmond de Rothschild markiert die Route du Rhum das erste Solo.
Foto: Eloi Stichelbaut/polaRYSE/Gitana S.A.
Schon in gut einem Monat fällt am 1. November der Startschuss zur legendären Route du Rhum. Gemeldet sind imposante 118 Boote in sechs Klassen. Sie ergeben einen interessanten Spiegel des aktuellen französischen und internationalen Offshore-Sports. Rekordhalter Charles Caudrelier tritt mit der neuen “Gitana 18” an. Boris Herrmann wird sein erstes Solo mit der neuen “Malizia 4” bestreiten.

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Der Kurs ist seit 1978 immer der gleiche: Die Route du Rhum führt ihre Herausforderer auch in diesem Jahr ab 1. November von der bretonischen Hafenstadt Saint-Malo über 3542 Seemeilen nach Pointe-à-Pitre ins französische Übersee-Départmen Guadeloupe. Es geht von Ost nach West, vorbei an den Azoren über den Atlantik ins Karibische Meer.

Route du Rhum: “Who is who” des Offshore-Segelns am Start

Erwartet wird zum Spätherbstklassiker des anspruchsvollen Offshore-Sports ein aufregendes Teilnehmerfeld: 118 Boote, unter denen die Class40 das größte Feld bildet. Auf der Meldeliste stehen 8 Ultim-Gigantinnen, 23 Imocoa-Solisten, 49 Class40-Skipper und 11 Ocean Fifties. Dazu 13 Vintage-Monos, 14 Vintage-Multis. Am Start sind fast alle, die in Frankreich und der internationalen Offshore-Szene Rang und Namen haben.

Allen voran ist Charles Caudrelier mit der neuen “Gitana 18” am Start. Die mit Spannung erwartete Premiere der jüngsten Ultim-Gigantin aus dem Rothschild-Rennstall wird von vielen Superlativen begleitet. Zum einen ist Charles Caudrelier amtierender Titelverteidiger und Riesenfan der wie Olympische Spiele nur alle vier Jahre ausgetragenen Rhum-Route. Er hatte bei der 12. Edition 2022 mit der Ultim-Vorgängerin “Maxi Edmond de Rothschild” (”Gitana 17”) als Erster die 7-Tage-Schallmauer unterboten und den Kurs in 6 Tagen, 19 Stunden, 47 Minuten und 25 Sekunden gerockt.

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Die Route du Rhum ist mein Herzenskurs.” Charles Caudrelier

Bei Spekulationen über die Möglichkeiten mit der neuen “Gitana 18” mahnte Caudrelier aber mit Blick auf den Neubau zur Vorsicht: “Es ist ein enormes Ziel nach nur fünf, sechs Monaten der Vorbereitung. Aber mich motiviert es.” Seine Konkurrenten sind die Ultim-Solisten Tom Laperche (”SVR-Lazartigue”), Armel Le Cléac’h (”Maxi Banque Populaire XI”), Thomas Coville (”Sodebo Ultim 3”), Anthony Marchand (”Actual Ultim 4”), Louis Burton (”Ultim Armand Thiery”), Guirec Soudée (”Liamm”) und Alexia Barrier (”Idec Sport – CIC”). Die Französin will als erste Frau ein Rhum-Solo mit einer Ultim ins Ziel bringen.

Das erste Transat-Solo für “Malizia 4”

Viel spannenden Stoff und eine ganze Reihe Podiumskandidaten birgt die Imoca-Klasse, auch wenn beispielsweise der Vendée-Globe-Zweite Yoann Richomme noch auf sein neues Boot wartet und nicht mit von dieser Partie sein kann. Boris Herrmann zählt mit der neuen “Malizia 4” ebenso zu Top-Kandidaten wie der Vendée-Globe-Dritte Sébastien Simon mit dem sogar noch etwas neueren Verdier-Design “Groupe Dubreuil – Air Caraïbes”.

Nicht im Rhum-Einsatz ist die neue “DMG Mori Global One”. Das japanische Team um Skipper Kojiro Shiraishi konzentriert sich ohne das Solo auf den Start zum Ocean Race um die Welt, das am 17. Januar in Alicante beginnt. Andererseits ist Francesca Clapcich (”11th Hour Racing”) auf ihrem Kurs zur ersten Vendée Globe bei der Route-du-Rhum erstmals mit der Ex-”Malizia 3” im großen Solo-Einsatz.

Die Route du Rhum ist eines der legendären Rennen in unserem Sport. Ich freue mich sehr, wieder am Start zu sein.” Boris Herrmann

Dem in Hamburg lebenden sechsmaligen Weltumsegler mit “zweiter Heimat” in Lorient bietet die Route du Rhum auch eine weitere sehr willkommene Testbühne für “Malizia 4”, die erst am 6. Juli zu Wasser gelassen wurde. Mit dem Ocean Race Atlantic hat sie bereits ihren ersten Team-Test bestanden. Boris Herrmann sagte: “Die Route du Rhum wird mein erstes Solorennen auf diesem Boot sein und einen sehr wichtigen Schritt im Vorfeld der Vendée Globe sowie in unserem gesamten Rennprogramm des Teams Malizia darstellen.”

Route du Rhum: bloß kein “Déjà-vu-Erlebnis” wie 2022

Ein Déjà-vu-Erlebnis wie bei der Route du Rhum 2022 wünscht sich im Team Malizia niemand. Damals war “Malizia 3” die neue Imoca, in etwa so jung wie jetzt “Malizia 4”. Vor vier Jahren kam Boris Herrmann mit dem damaligen Neubau erst als 24. ins Ziel. Die Kombination aus dem zu risikoreich gewählten südlichen Kurs, der wie auch für andere in flaue Winde geführt hatte, und einem Problem mit dem Steuerbord-Foilcase, hatte das unbefriedigende Resultat ergeben.

Auch vor vier Jahren hatte die Route du Rhum das erste Herrmann-Solo mit einem Neubau markiert, bevor kurz danach das Ocean Race um die Welt in Alicante startete. Die Konstellation wiederholt sich, das Ergebnis soll im November bei der 13. Rhum-Auflage ein anderes sein. Dieses Mal hat sich die neue “Malizia 4” bereits im Ocean Race Atlantic bewährt. Zwar durch eine Kollision und einen Schaden am Foil-System leicht ausgebremst, war die Neue trotzdem schnell und hatte das Podium nur um fünf Minuten verpasst.

Das Boot wird nach dem Zieldurchgang der anstehenden Rhum-Herausforderung nicht nach Lorient zurückkehren. “Malizia 4” wird direkt von Guadeloupe nach Alicante überführt. Im Starthafen für das Ocean Race sind Trainings geplant. Auch Team Malizias Technik-Team ist vor Ort. Fast genau vier Jahre nach der ersten Malizia-Teilnahme am bekanntesten Mannschaftsrennen um die Welt nehmen Boris Herrmann und seine Crew die Herausforderung zum zweiten Mal an.

Thomas Ruyant: der zweimalige Sieger muss passen

Eine der traurigeren Geschichten im Vorfeld der Route du Rhum ist der Fall von Thomas Ruyant. Der Franzose war ein treibender Partner im Dreier-Neubauprojekt mit Boris Herrmanns Team Malizia und Loick Berrehars Team Banque Populaire. Ruyant hatte seine Koch-Rakete im Sommer als erster der drei Skipper kurz vor Boris Herrmann erhalten, war da aber schon ohne Hauptsponsor. Vor einer Woche dann hatte Ruyant seinen Kampf um einen neuen Partner für die Route du Rhum offiziell aufgegeben.

Meine Enttäuschung ist riesig. Aber die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.” Thomas Ruyant

In einem öffentlichen Statement hatte Thomas Ruyant seine Enttäuschung, aber auch seine Hoffnung für die Zukunft ausgedrückt: “Meine Enttäuschung ist riesig. Dieses Rennen nimmt in meiner Geschichte einen besonderen Platz ein. Ich habe daran teilgenommen und es zweimal gewonnen. Als Titelverteidiger wollte ich natürlich unbedingt zurückkommen und diesen Sieg verteidigen.” Daraus wird nun nichts, weil die Partnersuche nicht zum Erfolg führte.

Thomas Ruyant erklärte: “Wir hatten alles, was wir brauchten, um eine grossartige Geschichte zu schreiben: ein engagiertes und talentiertes Team, ein neues Boot, das uns beeindruckt und schon bei seinen ersten Einsätzen unglaubliches Potenzial gezeigt hat. Als ich dieses Projekt in Angriff nahm, wusste ich, dass ich gegen die Zeit antreten musste, insbesondere beim Bau des neuen Bootes. Aber das Leben eines Sportlers besteht aus Siegen und Enttäuschungen. Aus Momenten, in denen alles wie am Schnürchen läuft, und anderen, in denen man akzeptieren muss, dass die Dinge nicht nach Plan laufen.”

Mit guten Wünschen an die Rhum-Startlinie

Die Folge daraus für den Kompromisslosen: “Es ist uns nicht gelungen, eine Partnerschaft zu finden, die es uns ermöglicht hätte, unter den richtigen Bedingungen in Saint-Malo anzutreten. Heute muss ich diese Route du Rhum aufgeben. Aber nicht das, was danach kommt.
Die Imoca-Rennserie geht weiter, mit weiteren legendären Regatten ab 2027. Und die Vendée Globe 2028 zeichnet sich schon an Horizont ab. Der Ehrgeiz ist noch größer. Die Energie auch.”

Ruyant sieht seine Absage für die Route du Rhum als Etappenniederlage, keinesfalls als generales Imoca-Aus. Er sagte: “Ich habe ein riesiges Verlangen danach, zu segeln, Hochseeregatten zu bestreiten und zu gewinnen. Und vor allem danach, weiterhin grossartige Geschichten zu schreiben und zu erzählen – mit einem Team, einem Boot und Partnern, die diesen Ehrgeiz teilen. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Ich wünsche euch allen eine sehr gute Route du Rhum – Destination Guadeloupe!”

Die Vorschau zur 13. Route du Rhum – Destination Guadeloupe:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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