Das war eine Generalprobe ohne Podiumsplatz: Boris Herrmanns Team Malizia hat die Premiere des Ocean Race Atlantic auf Rang vier beendet. Nach 8 Tagen, 6 Minuten und 40 Sekunden fehlten der neuen Koch-Rakete “Malizia 4” im packenden Schlussduell mit der japanischen "DMG Mori Global One" gerade einmal 300 Sekunden zu Platz drei.
“Bis kurz vor Schluss haben wir noch gedacht, dass wir da vielleicht noch einmal rankommen”, berichtete Boris Herrmann nach dem atemlosen Ringen auf dem Wasser. Sowohl das Antoine-Koch-Design “Malizia 4” als auch Kojiro Shiraishis Verdier-Entwurf “DMG Mori Global One” sind erst zwei Monate alt. Sie galten vor dem Rennstart am 2. September als Favoriten, auch wenn Neukonstruktionen oftmals Jahre der Optimierung bis zur vollen Reife brauchen.
Gewonnen hat das 3000-Seemeilen-Transat Paul Meilhats «United by the Ocean» (7 Tage, 23 Stunden, 39 Minuten, 11 Sekunden) vor Francesca Clapcichs «11th Hour Racing», die 8 Minuten und 56 Minuten nach den Siegern ins Ziel kam. Die Italo-Amerikanerin verbarg ihre leichte Enttäuschung dabei nicht. Ihr Team hatte am Schlusstag erst das DMG Mori Sailing Team mit Kojiro Shiraishi, Samantha Davies, Nico Lunven und Arisa Moriya von der Spitze verdrängt und sich dann ein Bug-an-Bug-Duell mit “United by the Ocean geliefert.
Am Ende willst du immer mehr. Wir waren so dicht dran, das Rennen zu gewinnen.” Francesca Clapcich
Bis etwa 14.30 Uhr am Nachmittag lag “11th Hour Racing vorne. Dann aber hatten der mit seiner Familie in Lorient lebende Paul Meilhat und seine Crew in den unbeständigen Schlusswinden den besseren Riecher. Die Glénan-Inseln hatte sein Team nördlich nördlich, “11th Hour Racing” im Süden. Über Stunden lieferten sich die Crews auf “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” ein packendes Duell, dessen Ausgang bis kurz vor dem Ziel kaum vorhersagbar war.
In der Schlussphase dichter unter Land als die Rivalen, fanden Meilhat und sein Team schließlich den besseren Wind, übernahmen endgültig die Führung, die sie bis zum Zieldurchgan um 15.39 Uhr nicht mehr abgaben. Die beiden erfolgreichsten Boote bei diesem Transatlantikrennen von New York nach Lorient wurden 2022 zu Wasser gelassen und erlebten eine neue Blüte.
Ich freue mich sehr für Paul und sein Team, gönne ihnen diesen Sieg. Paul ist einer der besten Segler, auch für mich ein Hero.” Boris Herrmann
Paul Meilhat hatte mit demselben Boot unter seinem früheren Namen "Biotherm" 2025 auch das Ocean Race Europe mit Start in Kiel gewonnen. Seitdem galt die “Mittelmeer-Königin” als antrittschnelle Gleiterin in mäßigen Bedingungen. Dass sie auch Atlantik und ruppig als Gesamtkunstwerk in den Griff bekommen kann, haben die Gewinner Paul Meilhat, Mariana Lobato, Sara Stone und Benjamin Ferré gerade eindrucksvoll bewiesen, auch wenn das nicht immer leicht war. Meilhat erklärte in Lorient: “Das Boot ist nicht gerade das jüngste Design. Es ist schnell, aber wir hatten auch einige schlechte Momente, weil es in mehr Welle nicht wirklich schnell ist.”
Aber wir wissen, dass dieses Boot bei flachem Wasser und in leichten Winden wirklich, wirklich schnell ist.” Paul Meilhat
Alle vier ersten Boote des Rennens über den Atlantik kamen nach 3000 Seemeilen binnen weniger als einer halben Stunde ins Ziel. Das zeigt auch, wie atemlos und auf Augenhöhe miteinander gerungen wurde. “Ich bin stolz auf mein Team. Darauf, wie wir motiviert geblieben sind und gekämpft haben. Das Handicap hätte uns auch demotivieren können”, sagte Boris Herrmann nach dem bretonischen Krimifinale.
Am vierten Renntag war Team Malizia in Führung liegend mit einem Meeressäuger oder großen Fisch kollidiert. Die Folge war ein Schaden am Foil-System des fast werftneuen Bootes – ein Handicap für die Crew. Wie es ohne den Schaden gelaufen wäre? Boris Herrmann sagte: “Es ist immer blöd, über sowas zu spekulieren, aber es hat uns in diesem Rennen auf jeden Fall sehr zurückgehalten. Das ist schon ein bisschen enttäuschend.”
Auf der Haben-Seite bleibt die Erkenntnis einer in vielen Bedingungen schon jetzt sehr schnellen Imoca. Boris Herrmann sagte: “Unser neues Schiff ist superschnell am Wind. Und alles hoch am Wind auch beim Reachen. Raumschots und bei Seegang sind wir noch nicht so schnell. Das hatten wir auch noch wenig. Das müssen wir noch lernen.”
Insgesamt ist der 45-Jährige aus Hamburg vom neuen Boot überzeugt. Der sechsmalige Weltumsegler zog nach der ersten Regatta mit der vom Franzosen Antoine Koch entworfenen “Rakete” positiv Bilanz, sagte: «Das Boot ist außergewöhnlich! Wir waren am Wind nach dem Start bis zur Kollision superschnell. Das hat uns dann etwa zwei Stunden Arbeit gekostet. Das konnten wir danach nie wieder ganz aufholen.»
Das Ocean Race Atlantic gilt als Generalprobe für das Mutterrennen um die Welt, an dem auch Team Malizia teilnimmt. Anschließend will Boris Herrmann 2028 mit “Malizia 4” seine dritte Vendée Globe ins Visier nehmen. Der Startschuss zu The Ocean Race, das während des Transatlantikrennens am 8. September seinen 53. Geburtstag feierte, fällt am 17. Januar im spanischen Alicante.
Im noch weiter laufenden Ocean Race Atlantic wurde in der Nacht zum Freitag noch Oliver Heers “Embrace the Challenge” erwartet. Die Schweizer Imoca von 2018 hatte gegen 20 Uhr noch gut 60 Seemeilen bis ins Ziel zu meistern. Conrad Colmans Außenseiterin “MSIG Europe” fehlten zu dem Zeitpunkt noch rund 300 Seemeilen bis zum Zieldurchgang.
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