Liebe Leserinnen und Leser,
Holzboote … ein lästiges Thema. Zumindest, wenn man sich mit Bootseignern unterhält. Eigentlich kenne ich in meinem direkten Umfeld nur noch einen, der ein Boot aus Holz besitzt. Genauer gesagt hat er sogar zwei Holzboote. Aber warum eigentlich?
Die Antwort ist schnell gefunden: Holz bedeutet Arbeit. Lackieren, schleifen, ausbessern, hier und da eine Leiste oder ein ganze Planke ersetzen. Wer das nicht selbst kann, sammelt schnell Rechnungen, die auf dem Papier beinahe einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichen. Vernünftig ist das also nur bedingt. Und trotzdem bleibt da etwas, das sich kaum erklären lässt.
Denn so gut eine GFK-Oberfläche auch lackiert sein mag, sie wird für mich niemals die Tiefe und Anmutung einer perfekt lackierten Mahagoniplanke erreichen. Holz lebt. Es verändert sich mit den Jahren, erzählt manchmal Geschichten und entwickelt Charakter. Vielleicht ist genau, dass der Grund, warum mich Holzboote immer wieder faszinieren. Gleichzeitig bin ich aber auch ein riesiger Fan von modernen Konstruktionen.
Dabei muss ein Holzboot heute längst nicht mehr bedeuten, jeden Winter wochenlang mit Schleifpapier und Pinsel zu verbringen. Formverleimte Exemplare, häufig mit Glasfaser und Epoxid, verbinden das Beste aus zwei Welten. Das Holz bleibt vor Witterungseinflüssen geschützt, der Wartungsaufwand sinkt erheblich und trotzdem bleibt genau das erhalten, worauf es mir persönlich ankommt: die unverwechselbare Optik, auch wenn ich damit dem ein oder andern, eingefleischtem Holzliebhaber vielleicht vor den Kopf stoße.
Wenn dann noch modernes Yachtdesign dazukommt, ist es um mich geschehen. Flache Decks, breite Hecks, Unterwasserschiffe mit modernem Lateralplan und hier und da ein wenig Kohlefaser an den richtigen Stellen. Ehrlich gesagt: Für mich kann man Tradition und Moderne kaum schöner miteinander verbinden. Aber sind es dann noch richtige Holzboote?
Im Rahmen meiner Arbeit für das BOOTE-Magazin, durfte ich im vergangenen Jahr die Schleswiger Werft Ilensee Boote besuchen. Sie bauen die Ilensee 16, ein kleines Motorboot, welches quasi aus der CNC-Maschine kommt und an eine Riva erinnert. Ein Besuch der Homepage ist das Boot definitiv wert, auch wenn man Segler ist. Hier wird das Boot komplett Formverleimt. Nach dem Rumpf folgt eine Schicht Glasfaser und dann eine abschließende mit Deckfurnier.
Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, stößt früher oder später auf Namen wie Elida, das 48 Fuß lange Sportboot von Daniel Baum, auf Jan Brügge mit seinen Woy 26, 28 und Woy 35 oder auf die LA28 und moderne 15er-Jollenkreuzer. Natürlich gehören auch Spirit Yachts, im Teilen auch Biga und Scalar in diese Reihe, auch wenn die Rümpfe aus Glasfaser sind. Auch hier die Frage, sind das noch richtige Holzboote? Für viele Puristen vermutlich nicht. Für mich dagegen schon. Denn entscheidend ist nicht, ob irgendwo unter dem Lack Glasfaser oder Epoxid steckt. Entscheidend ist, dass Holz das Boot prägt.
Besonders hervor stechen für mich dabei drei Menschen: Jan Brügge, Martin Menzner und Juliane Hempel. Sie zeigen mit ihrer Arbeit, dass Holz im modernen Yachtbau keineswegs ein Relikt vergangener Zeiten ist. Für mich bilden sie die Speerspitze eines Werkstoffs, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Vielleicht sehe ich das auch deshalb so, weil ich viele Jahre selbst Segelboote gebaut habe. Bei Knierim Yachtbau durfte ich an einigen modernen Yachten mitarbeiten. Meist entstanden dort Boote aus Kohlefaser, leicht, steif, technisch beeindruckend. Genau so, wie moderner Hochleistungsbootbau heute aussieht.
Aber hin und wieder stand eben doch ein Holzboot in der Halle. Und immer, wenn daran gearbeitet wurde, fühlte es sich anders an. Warum das so ist, kann ich bis heute nicht genau erklären. Vielleicht liegt es am Geruch des Holzes. Vielleicht an der sichtbaren Handwerkskunst.
Holz scheint eine gewisse Ehrlichkeit zu besitzen. Es verzeiht keine Nachlässigkeit, belohnt dafür aber Sorgfalt und Hingabe. Ob Holzboote tatsächlich eine Seele haben? Wahrscheinlich ist das eine Frage, die sich nicht einmal nach dem dritten Bier im Cockpit eindeutig beantworten lässt. Aber ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, dass sie zumindest deutlich mehr Persönlichkeit besitzen als viele ihrer weißen Nachbarn im Hafen.
Und ganz ehrlich, überspitzt gesagt: Für mich gibt es kaum einen schöneren Anblick als eine moderne Holzyacht, deren Mahagoni in der Abendsonne leuchtet. Sie ist einfach schön. Und manchmal ist genau das das stärkste Argument.
Daher ist meine Antwort: Ja es sind noch richtige Holzboote. Aber eben welche, die mit der Zeit gegangen sind und die Materialien und Handwerkskunst eines neuen Zeitalters verbinden. Es wird viele geben, die nicht meiner Meinung sind, aber: Sind Holzboote mit Stahlspanten dann auch richtige Holzboote?
Jan-Ole Puls
YACHT-Redakteur
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