El NiñoAm Panamakanal droht Blauwasserseglern Mega-Stau

Pascal Schürmann

 · 08.09.2026

Fünf Schleusen gibt es im Panamakanal. Hier zu sehen: Die Gatún-Schleusen
Foto: Picture Alliance/Diego Lezama
Wer in nächster Zeit mit der Fahrtenyacht vom Atlantik in den Pazifik will, muss mit unter Umständen außergewöhnlich langen Wartezeiten rechnen. Wegen aktuell niedriger Wasserstände in den für die Schleusen wichtigen Seen im Landesinneren hat die Verwaltung des Panamakanals die tägliche Zahl der Transite begrenzt. Besonders vor der Pazifiksaison 2027 könnte sich die Lage für Langfahrtsegler drastisch zuspitzen.

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Seit dem 4. September dürfen nur noch 34 Berufsschiffe täglich den Kanal passieren. Ab dem 15. September sinkt die Kapazität auf 32 Transite pro Tag. Normalerweise werden täglich rund 40 der teils riesigen Frachter und Tanker geschleust.

Ursache ist ein voraussichtlich lange anhaltendes El-Niño-Ereignis, das Mittelamerika weniger Regen als in normalen Jahren beschert. Damit fehlen wichtige Zuflüsse für den im Landesinneren von Panama gelegenen Gatún- und den Alajuelasee. Der Wasserstand der Seen ist zuletzt stark gefallen.

Das Wasser aus den Seen füllt die Schleusenkammern auf beiden Seiten des Kanals. Mit jeder Schleusenöffnung fließt es ins Meer ab. Um die Seen nicht weiter trockenfallen zu lassen, muss die Kanalverwaltung daher die Anzahl der Schleusungen begrenzen - und auch den Tiefgang großer Frachter.

Für die Schifffahrt ein Nadelöhr

Die Beschränkung trifft Langfahrtsegler auf zwei Ebenen. Erstens werden weniger Schleusungstermine vergeben. Zweitens konkurrieren Yachten mit der Berufsschifffahrt um knappe Kapazitäten. Die vom britischen World Cruising Club betriebene Internetseite Noonsite weist aktuell ausdrücklich darauf hin, dass für nicht vorab reservierte reguläre Yachten unter 65 Fuß derzeit kein verlässlicher Durchfahrtstermin absehbar ist.

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Besonders heikel könnte sich die gegenwärtige Beschränkung laut Noonsite im ersten Quartal 2027 bemerkbar machen. Zwischen Januar und Mai steigt die Zahl der Langfahrtsegler in Panama traditionell deutlich: Viele Crews folgen nach der Karibiksaison der Barfußroute über den Kanal in Richtung Galapagos und Südsee.

Schon unter normalen Bedingungen können Wartezeiten dann mehrere Wochen erreichen. Jetzt kommt die Wasserbewirtschaftung hinzu. Weil Yachten unter 65 Fuß mit einem Transit Advisor statt mit einem Kanalpiloten fahren und diese speziell zugelassenen Berater nur begrenzt verfügbar sind, dürfte sich der Terminrückstau weiter verschärfen.

Passage früh anmelden und flexibel bleiben

Für Langfahrtsegler heißt das: Die Kanalpassage am besten schon lange vor der Ankunft vorbereiten, aktuelle Hinweise der Kanalverwaltung prüfen und im Törnplan ausreichend Zeitreserven einbauen. Vor dem Transit werden Yacht und Daten erfasst, Gebühren und Termin geregelt sowie die vorgeschriebene Schleusenausrüstung und ausreichend Helfer für die Leinenorganisation vorbereitet. Während der Passage kommt ein autorisierter Advisor an Bord; seiner Anweisung folgt die Crew in den Schleusen.

Auf der Atlantikseite ist die Shelter Bay Marina ein von vielen Fahrtenseglern genutzter Stützpunkt, um die Kanalpassage vorzubereiten. Wer hier nun in den kommenden Wochen ohne gesicherten Termin eintrifft, sollte nicht auf eine schnelle Weiterreise zu den Galapagos-Inseln bauen.

Ein Kanal mit hohem Preis

Der Panamakanal wurde 1914 eröffnet und ersparte der Schifffahrt die gefährliche und weite Route um Kap Hoorn. Sein Bau dauerte mehr als 20 Jahre und kostete knapp 30.000 Menschen das Leben. Herzstück ist der künstliche Gatúnsee in der Kanalmitte: Über insgesamt fünf Schleusenanlagen werden Schiffe auf dessen Nieveau angehoben und am anderen Kanalende wieder abgesenkt.

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Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

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