MeinungOstseeschutz – gemeinsam kann mehr erreicht werden!

YACHT

 · 03.05.2025

Meinung: Ostseeschutz – gemeinsam kann mehr erreicht werden!
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-2000x500-lasse_145d458a17da6dc17eb4b56652f78f5b

Liebe Leserinnen und Leser,

die vergangene Woche begann mit der Auftaktveranstaltung zu einer Reihe von Informationsabenden über den Aktionsplan Ostseeschutz, kurz „APOS“. Der soll helfen, Ziele durchzusetzen, welche die schleswig-holsteinischen Grünen in Form eines zu schaffenden „Nationalparks Ostsee“ in den Koalitionsvertrag mit der CDU verhandelt hatten.

Der Nationalpark aber scheiterte nach intensiven Protesten am Votum der Unions-Parteibasis. Um den Vertrag zu erfüllen, einigte man sich auf einen Kompromiss, den APOS. Ähnlich wie beim Nationalparkvorhaben, steht auch der APOS – nicht zuletzt bei Wassersportlern – in der Kritik. Denn es wird die Frage laut, ob das Vorhaben tatsächlich vorrangig dem Ostseeschutz diene, wie sein Name verspricht.

Im Kern geht es darum, 12,5 Prozent der schleswig-holsteinischen Ostsee (39.000 Hektar) unter strengen Schutz zu stellen und damit einer auf EU-Ebene vereinbarten Verpflichtung nachzukommen, geschützte Flächen in Höhe einer bestimmten Quote auszuweisen - die an Land viel schwieriger durchzusetzen und einzurichten wären.

Das soll nun durch 7,94 Prozent neue marine Naturschutzgebiete und einen besseren Schutzstatus für 4,57 Prozent der bereits bestehenden Natura 2000-Gebiete geschehen. Hinzukommen sollen „Aktive Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität der Ostsee“, „Reduzierung der Nährstoffeinträge“, „Bergung von Altlasten und Müll“.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Neben den neuen Schutzgebieten wird, ähnlich einer Nationalparkverwaltung, nun auch ein Apparat an Land eingerichtet. In der Präsentation heißt dieser Punkt schlicht „Effektives Schutzmanagement und Bildungsarbeit“.

Diese „Meeresschutzstation Ostsee“ – Mitarbeiter sind bereits eingestellt, ein Gebäude wird aktuell gesucht – soll nicht nur für die Betreuung der Schutzgebiete zuständig sein, sondern auch eine zentrale Anlaufstelle für den Ostseeschutz werden, die Bildungs- und Informationsangebote aufbauen, und „örtliche Akteure“ (etwa Kommunen, Tourismus, Wirtschaft und auch Wassersport werden genannt) beraten und einbinden soll.

Eingerichtet werden soll außerdem ein Wissenschaftlicher Beirat durch Berufung von 16 Wissenschaftlern aus den Themenbereichen „Meeresökologie“, „Munition im Meer“, „Geologie“, „Klima“, „Tourismus“, „Wirtschaft“, „Agrarwissenschaften“, „Agrarökonomie“, und „Gesellschaftswissenschaften. Am 12. Juni findet dessen konstituierende Sitzung unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Daniel Günter statt.

Alles in Allem eine stattliche Shore-Crew und eine starke Stimme für den Ersatz eines politisch gescheiterten Vorhabens.

Wassersportler haben nun offiziell die Möglichkeit der Stellungnahme. Es ist zu hoffen, dass sie genutzt wird. Ob das aber einen Einfluss auf die kommenden Prozesse hat, wird von Insidern bezweifelt.

Hans Köster, im Vorstand des Landesseglerverbandes Schleswig-Holstein seit mehreren Jahren für die Umweltbelange zuständig und dementsprechend gut im Thema, hat den gesamten Konsultationsprozess zum Nationalpark begleitet und war auch auf der Auftaktveranstaltung zum APOS in Eckernförde.

Aus Seglersicht, so Köster, der Maßnahmen zum Schutz der Ostsee grundsätzlich begrüßt, sei bisher mangelnde Mitsprachemöglichkeit zu beklagen. „Wenn Politiker argumentieren: weil es der Ostsee schlecht gehe, müssten die, die darauf segeln, jetzt auch mal etwas für sie tun – dann sollten wir auch darüber mitreden dürfen, was zu tun ist, und fragen dürfen, ob die geplanten Maßnahmen denn auch etwas nützen“, so Köster.

So wie es aussehe, seien Befahrensverbote und Ankerverbotszonen bereits gesetzt, obwohl ein Arbeitskreis Befahrens-Verordnung ausweislich der Präsentation des Aktionsplans erst noch darüber beraten soll, und das Angebot der Wassersportler, sich auf freiwillige Vereinbarungen zu verständigen, von den Entscheidungsträgern gar nicht aufgegriffen wurde.

Köster, beruflich als Rechtsanwalt in Flensburg tätig, fragt nach der Verhältnismäßigkeit geplanter Befahrensregeln. Die sei Voraussetzung für ihre Rechtmäßigkeit, könne aber nur angenommen werden, wenn künftig auch eine Evaluierung dessen stattfinde, was die Maßnahmen bewirken. „Ob die Einschränkungen dem angestrebten Zweck auch tatsächlich nutzen, muss daher zwingend im Einzelfall beobachtet werden“, so Köster.

In einem Interview, das der schleswig-holsteinische Umweltminister Tobias Goldschmidt der YACHT zum Auftakt der Präsentationsveranstaltungen zum APOS gab, wich er der Frage nach einer Evaluierung einzelner Maßnahmen aus. Untersucht werden solle die allgemeine Entwicklung der Schutzgebiete.

Besonders bemerkenswert, so Köster, sei – zumindest in der Präsentation – die inhaltliche Schwerpunktsetzung des Vorhabens. So werde der Bergung von Munitionsaltlasten lediglich ein Absatz gewidmet, dabei sei hierin neben den landwirtschaftlichen Nährstoffeinträgen die größte Bedrohung zu sehen.

Zum Thema Schwarzwasserentsorgung in Sportboothäfen sieht der Plan lediglich Bewusstseinsbildung und eine Defizitanalyse vor, nicht jedoch die Förderung einer Entsorgungsinfrastruktur.

Hans Köster hat Recht. Von der Kritik am Nationalpark, die schließlich zu dessen Scheitern führte, haben sich die Architekten des APOS offensichtlich nicht beeindrucken lassen. Der NDR titelte „Aus Nationalpark Ostsee soll Aktionsplan Ostseeschutz werden“. Und genau so kann man es bei näherer Betrachtung auch sehen.

Während effektive Maßnahmen zum dringend notwendigen Ostseeschutz, etwa die Reduzierung von Nährstoffeinträgen und die Räumung der Munitionsaltlasten, eher halbherzig in Angriff genommen werden, entsteht mit dem APOS ein teurer Apparat, der neben der Bekümmerung der Schutzgebiete offenbar noch völlig andere Aufgaben bekommen soll.

Nutzungseinschränkungen und Befahrensregelungen für Segler, deren positive Auswirkungen auf den Gesamtzustand der Ostsee (der eigentliche Zweck des Vorhabens) zumindest in Frage stehen, sind bereits ohne Mitsprache der Betroffenen vorbereitet worden. Dabei hat es an Angeboten, etwa durch freiwillige Vereinbarungen von Ankerverbotszonen konstruktiv an dem politischen Vorhaben mitzuwirken, nicht gemangelt. Aus meiner Sicht wird hier eine große Chance verspielt.

Der Ostsee geht es schlecht. Was ihr hilft, liegt auf der Hand. Statt es anzugehen, wird viel Geld für Maßnahmen in die Hand genommen, deren Verhältnismäßigkeit bezweifelt werden darf. Und wer sich genauer ansieht, was durch den APOS entsteht, wird den Verdacht nicht los, dass ein Instrument geschaffen werden soll, welches nicht nur den geplanten Schutzgebieten von Nutzen ist.

Der Umweltminister sprach nach der Auftaktveranstaltung von einem guten Kompromiss, der mit dem APOS gefunden worden sei. Es drängt sich die Frage auf, ob dabei tatsächlich der Nutzen für den Schutz der Ostsee im Vordergrund stand. Der würde in jedem Fall davon profitieren, wenn die Betroffenen einbezogen werden. Denn gemeinsam könnte mehr erreicht werden.

Lasse Johannsen

stellv. YACHT-Chefredakteur


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

​SailGP Sassnitz

15.000 Fans, Millionen-Effekt und Pläne bis 2030

yacht/fd2-5048_bebb2b2dd5b796bd2deeccb4ffd99a5f

15.000 Fans, ein neuer Geschwindigkeitsrekord und Pläne bis 2030: Beim SailGP Sassnitz gewann vor allem der Austragungsort auf Rügen.


Ocean Race Atlantic

Live-Premiere mit Boris Herrmanns “Malizia 4”

yacht/20260824-mlz-ny-arrival-ml-067_ab3606dc6f07fa586e4d964cf3b54e01

Fällt der 24-Stunden-Rekord? Boris Herrmanns neue "Malizia 4" zählt zu den sechs Imocas, die am 1. September in die Ocean-Race-Atlantic-Premiere starten.


​Nach Havarie und Motorausfall

Ein „Steel Buddy" holt die „Soggy Dollar" heim

yacht/1000142653_9c6b28fe615dab4bc04c39315b08a260

Motorausfall vor Helgoland: Seenotretter schleppen die „Soggy Dollar“. Ein Steel Buddy baut danach eine ungewöhnliche Diesel-Notversorgung.


Sophie Steinlein

Zwischen Foils und Formensprache

yacht/image00007_acb65e21c294d1887d94e44e62b3b5e0

Sophie Steinlein nimmt Kurs auf Olympia 2028. Im YACHT-Interview spricht die 49erFX-Steuerfrau über Entscheidungen bei 50 Knoten, den Spagat zwischen Spitzensport und Studium sowie die Rolle der Frauen im professionellen Segelsport.


Y6

Der neue Luxuskreuzer aus Greifswald vor der Kamera

yacht/yyachts-y6-exterior-11_0e6c361efc89996ac4e18bf84423f25f

Erste Bilder zeigen die neue Y6 von YYachts unter Segeln. Die Galerie gewährt zudem detaillierte Einblicke an Deck und in das individuell gestaltete Interieur des luxuriösen Blauwasser-Cruisers aus Greifwald.


Ostsee

Pfahlreste in nur 1,5 Meter Tiefe - Gefahr vor Großenbrode

yacht/screenshot-2026-08-24-174222_771bccbf9a4217db8e6b4f9e7c134e62

Vor Großenbrode wurden ein gefährliches Unterwasserhindernis gefunden: Pfahlreste, lediglich 1,5 Meter unter der Oberfläche - und es handelt sich um eine vielbefahrene Stelle.


​Oyster 825 „Viva La Vida“

Kenterung nach schwerem Kielschaden

yacht/783981449-122246944316095413-3602582623290535968-n-firefly-upscaler-4x-skalierung_3ebda03607ca060b20e097761dfe193b

Die Oyster 825 „Viva La Vida“ ist in Australien gekentert, die untere Ballastsektion des Kiels fehlt. Der Fall erinnert an „Polina Star III“, doch die Schadensbilder unterscheiden sich deutlich.


Linjett 36

Die vielseitige Nordländerin im Test-Video, Teil 2: So wohnt es sich an Bord.

yacht/linjett-36-test-2026-scheden-ngu-32_8f32eb4e7e11ca1c461d3847bea1116f

Im zweiten Teil der Video-Vorstellung bei YACHT-TV geht es unter Deck der Linjett 36: Wir zeigen Ausbau, Raumaufteilung, Stauraum und Bordtechnik und werfen einen ausführlichen Blick hinter Türen, Klappen und Verkleidungen.


Vor 100 Jahren

YACHT 5/1926 - Fahrtenkreuzer Typ “Albert”

yacht/img-0476_8b3124e0e5699df5b821bb07802007fd

In Ausgabe 5/1926 beschrieb die Redaktion den Neubau eines Exemplars einer damals schon 19 Jahre alten Werftklasse von Abeking & Rasmussen. Der “Typ Albert” war ein Fahrtenboot, dass sich aus einer frühen Konstruktion für die Meterklasse entwickelt hatte.


„Pavane“

Wie ein junger Bootsbauer einen Klassiker rettete

yacht/100228498_c94aec02b9ebbc1b88c30066acc89d28

Die „Pavane“ stand jahrelang unbeachtet an Land, bevor der junge Bootsbauer Kyrell Becker sie übernahm und restaurierte. Nun soll ein neues Rigg dem klassischen Olin-Stephens-Racer zu mehr Leichtwindleistung verhelfen.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service