​Nach Havarie und MotorausfallEin „Steel Buddy" holt die „Soggy Dollar" heim

Lars Bolle

 · 25.08.2026

Die "Soggy Dollar" wird nach Helgoland geschleppt.
Foto: Sandra Saladin
Im Frühjahr lief die Bavaria 36 „Soggy Dollar" bei der Hamburg–Glückstadt-Regatta auf der Rhinplate auf. Nach der Reparatur wollte Miteignerin Saladin erstmals als Skipperin über die Elbe hinaus. Kurz vor Helgoland fiel der Motor aus, die Seenotretter kamen. Am Ende war es ein von den „Steel Buddies" bekannter Mechaniker, der mit einem Dieselkanister und zwei Schläuchen die Rückfahrt möglich machte.

Die 76. Hamburg–Glückstadt-Regatta endete im April für mehrere Teilnehmer mit Schäden. Zu den betroffenen Booten gehörte die Bavaria 36 „Soggy Dollar", die auf der Rhinplate auflief. Wir berichteten damals darüber.

Gesteuert hatte sie der Mitbesitzer, Saladins Ex-Mann, der als Einhandsegler an der Regatta teilnahm. „Eine Wende ist missglückt", sagt Sandra Saladin. „Er merkte, dass er der Rhinplate immer näher kam, und wollte wenden. Das Manöver funktionierte nicht." Danach habe er noch versucht, den Motor zu starten, doch der sprang nicht an. „Dann war es zu spät."

Den Rumpfschaden reparierte die Jensen-Werft in Wedel. „Die Werft hat einen hervorragenden Job gemacht", sagt Saladin. Anfang August war das Boot wieder fit.

Erstmals als Skipperin über die Elbe

Diese Reise war für die promovierte Chemikerin der erste Törn als verantwortliche Skipperin jenseits der Elbe. Zehn Jahre segelt sie bereits, seit zwei Jahren führt sie Yachten selbst. Jetzt wollte sie mit einem befreundeten Paar auf die Nordsee.

„Das war für mich schon eine echte Herausforderung", sagt sie. Die Route war ehrgeizig: von Wedel über Glückstadt und Cuxhaven nach Helgoland, weiter nach Wittdün auf Amrum und dann nach Hörnum auf Sylt. Zehn Tage waren geplant.

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Auf dem Weg nach Cuxhaven machte sich der Motor zum ersten Mal bemerkbar. Bei wenig Wind wollte die Crew mit der ablaufenden Tide in den Hafen. „Wenn man bei Schwachwind den Strom gegen sich hat, fährt das Boot im schlimmsten Fall rückwärts", erklärt Saladin. Also wurde die Maschine angeworfen.

Zunächst lief sie warm. Nach ungefähr einer halben Stunde begann die Drehzahl stark zu schwanken.

Der Motor war nicht mehr kontrollierbar. Kurz vor der Einfahrt nach Cuxhaven ging er ganz aus."

Mit schwachem Motor und viel Vorhalten in den Hafen

Zuerst setzte die Crew die Segel wieder. Doch die Cuxhavener Hafeneinfahrt ist schmal, die Strömung stark. Unter Segeln hineinzufahren schien zu riskant. Saladin gelang es, den Motor noch einmal zu starten.

„Die Maschine hatte kaum noch Leistung, deshalb musste ich stark vorhalten." Es war knapp: „Ich habe die Yacht fast quer zur Einfahrt gestellt und mich vom Strom hineintreiben lassen. Mit dem schwachen Motor ging es dann gerade so."

Den ersten erreichbaren Liegeplatz, gegenüber der Tankstelle, nahm sie einfach. „Dort ist es eng, und dann sind da noch die Dalben.

Ich konnte gerade noch anlegen, bevor der Motor wieder ausging."

In Cuxhaven kam ein Techniker vom örtlichen Motorenbetrieb. Der klassische Vorführeffekt trat ein: Im Hafen lief die Maschine im Stand tadellos. Der Techniker vermutete Kondenswasser aus dem Winterlager. Die Crew könne weiterfahren und solle die Maschine einfach öfter nutzen.

Drei Seemeilen vor Helgoland

Am nächsten Tag legte die Crew mir der „Soggy Dollar" nach Helgoland ab. Wegen Nordwestwinds musste die Crew fast acht Stunden kreuzen. Gegen halb acht Uhr abends lagen noch rund drei Seemeilen zwischen dem Boot und der Hafeneinfahrt.

„Es war ein langer Segeltag, und es wurde schon fast dunkel", erinnert sich Saladin. „Ich habe zu meinen Freunden gesagt: Kommt, lasst uns das letzte Stück unter Motor fahren.”

Wir wollten einfach ankommen."

Der Motor startete. Und kurz darauf begann dasselbe wie zuvor: Drehzahl unkontrollierbar, Maschine stirbt ab. Saladin rief Bremen Rescue. Das Seenotrettungsboot „Hermann Marwede" kam und schleppte die Bavaria in den Hafen. „Alles lief großartig und sehr ruhig ab", sagt Saladin. „Die Seenotretter waren wirklich sehr angenehm. Sie haben uns sicher reingebracht."

Fehlersuche auf der Insel

Auf Helgoland war die unmittelbare Gefahr vorbei, die Ursache aber noch unbekannt. Anders als in Cuxhaven gibt es auf der Insel keinen auf Yachten spezialisierten Motorenbetrieb. Die Crew suchte selbst nach dem Fehler.

„Wir haben Ursachenforschung betrieben, so gut wir konnten", sagt Saladin. Sie ließ sich neue Kraftstofffilter mit der Fähre bringen und baute sie zusammen mit ihren Freunden ein. Das Problem blieb.

Saladin vermutet heute eine Verschmutzung des Tanks. Das würde erklären, warum der Motor beim Techniker in Cuxhaven plötzlich wieder rund lief: Im Hafen lag das Boot ruhig, auf der achtstündigen Kreuz schaukelte es kräftig. „Wir nehmen an, dass der Dreck im Tank aufgewirbelt wurde und dann die Leitungen verstopfte."

Sicher weiß sie es nicht. Die Bavaria 36 hat keine ausreichend große Revisionsöffnung, um ins Innere des Tanks zu schauen. Die vorhandene Öffnung am Tankgeber reicht dafür nicht aus.

Ein „Steel Buddy" greift ein

Nach drei Tagen lernte Saladin Olaf Katterle kennen. Der Mechaniker arbeitet auf Helgoland und ist durch die TV-Serie „Steel Buddies" bekannt. Er hatte eine Idee: Den möglicherweise verschmutzten Haupttank einfach umgehen und den Motor direkt aus einem frischen Kanister versorgen.

„Er hat unseren Wasserkanister genommen, ihn mit frischem Diesel gefüllt und zwei Löcher in den Deckel gebohrt", erzählt Saladin. Katterle führte zwei Leitungen durch den Deckel, dichtete mit starkem Klebeband ab, stellte den Kanister erhöht ins Heck. Von dort gingen die Schläuche durch ein Cockpitfenster zum Motor: eine Leitung für die Versorgung, eine als Rücklauf.

Eine Förderpumpe gab es nicht. Der Diesel floss allein durch die Schwerkraft. Saladin sagt:

Ich war sehr nervös, ob das klappt."

„Kein Druck, nur Schwerkraft, und dann noch Krängung. Aber es hat super funktioniert."

Mit dem Kanister nach Hause

Morgens um sechs brach die Crew zur Rückfahrt auf. Statt nach Amrum und Sylt weiterzufahren, ging es über Cuxhaven und Glückstadt zurück nach Wedel. Die provisorische Lösung hielt die gesamte Strecke durch.

Nach 13 Tagen lag die „Soggy Dollar" wieder im Heimathafen. An sechs Segeltagen hatte die Crew 223 Seemeilen zurückgelegt, viele davon gekreuzt.

„Das Wetter war die ganze Zeit großartig, und die Insulaner auch", sagt Saladin. „Es war mein erster Törn weg von der Elbe. Wir haben Helgoland erreicht und sind wieder sicher nach Hause gekommen." Stressfrei sei es nicht gewesen. Aber: „Ich kenne mich jetzt deutlich besser mit meinem Motor aus als vorher. Es war ganz viel Lernen fürs Leben."

Was als Nächstes kommt

Der Tank der „Soggy Dollar" soll gereinigt werden, die Kraftstoffleitungen gespült und mit Druckluft gesäubert. Zuvor baut ein Fachbetrieb eine 11,5 Zentimeter große Revisionsöffnung mit Edelstahldeckel in den Tank ein. Erst dann weiß Saladin, wie stark die Verschmutzung tatsächlich ist.

Ihre Erkenntnis aus dem Törn ist eindeutig: Kraftstofffilter gehören jährlich kontrolliert, egal wie voll der Tank ist und egal ob synthetischer Diesel verwendet wird. „Man muss sich die Filter jedes Jahr anschauen und sie gegebenenfalls wechseln."

Das Segeln will sie trotz dieses Erlebnisses nicht aufgeben.

Der Segelsport ist einfach klasse."

Ob die „Soggy Dollar" ihr Boot bleibt, weiß sie noch nicht. Ein eigenes Boot koste viel, und befreundete Segler würden sich gerade selbst eines kaufen, vielleicht könne das ja reichen. Aber weitersegeln, das steht fest.

Den Mut zur Skipperin verdankt sie ihrer Ausbildung: Sportbootführerschein See 2017, SKS-Ausbildung bei der Segelschule Eichler in Hamburg, SKS-Schein 2025, Skippertraining beim Deutschen Hochseesportverband Hansa in Glücksburg. „Diese Ausbildungen haben mir das Wissen und den Mut gegeben", sagt sie. „Ich habe dadurch gedacht: Dann kann ich das Boot auch selbst mit Freunden führen."

Daran haben weder die Rhinplate noch Helgoland etwas geändert. Aus dem ersten großen Törn als Skipperin ist Saladin mit mehr Erfahrung zurückgekehrt und mit dem Wissen, dass manchmal ein Kanister, zwei Schläuche und ein guter Mechaniker reichen, um doch noch nach Hause zu kommen.


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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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