Für Boris Herrmanns “Malizia 4” bringt das Ocean Race Atlantic die erste Regattabewährungsprobe seit dem Stapellauf am 6. Juli und der Taufe am 18. Juli. Ebenso ist es für Kojiro Shiraishis neue “DMG Mori Global One” der erste Wettkampf, in dem sich das Verdier-Design der Konkurrenz stellt. Das Koch-Design “Malizia 4” und ihre Herausforderin gelten als Favoritinnen für das Ocean Race Atlantic, sind die jüngsten Entwürfe in der Flotte der sechs teilnehmenden Boote. Die Überschrift für das mögliche Spitzenduell zwischen der deutschen und der japanischen Imoca: Blade vs. Bustle.
Sowohl für die mit Blade konstruierte “Malizia 4” als auch für die mit Anleihen aus dem America’s Cup mit Bustle konstruierte “DMG Mori Global One” wird es der erste Wettbewerb sein, weshalb Prognosen bis dahin nur theoretischer Natur sein können und die ersten Vergleichsergebnisse mit großer Spannung erwartet werden. Der Start der Flotte am 1. September wird beim NDR im Livestream und auch von den Veranstaltern bei YouTube übertragen. Für den NDR moderiert Sven Kaulbars die Sendung mit Experte Tim Kröger. Die aktuelle Berichtsterstattung aus dem Big Apple soll um 18 Uhr deutscher Zeit beginnen.
Für die Herausforderer geht es im Ocean Race Atlantic vom Hudson River hinaus in den Nordatlantik und über insgesamt 3200 Seemeilen über den großen Teich in Frankreichs Seglerwiege La Base in Lorient. Geplant ist während des Rennens eine tägliche “OnBoard Live”-Schau mit direkten Impressionen und Stimmen der Segler und Seglerinnen von See. Die halbstündigen Sendungen beginnen bei YouTube täglich um 17 Uhr deutscher Zeit.
Bereit für den Nordatlantikritt über acht, neun Tage (oder auch etwas länger) sind sechs Skipper mit ihren Crews: Boris Herrmann (”Malizia 4”, Deutschland), Kojiro Shiraishi (”DMG Mori Global One”, Japan), Francesca Clapcich (”11th Hour Racing”, Ex-”Malizia 3”, USA), Paul Meilhat (”United by the Ocean”, Ex-”Biotherm”, Frankreich), Oliver Heer (”Embrace the Challenge”, Ex-”TeamWork – Team Snef”, Schweiz) und Conrad Colman (”MSIG Europe”, Ex-”MS Amlin”, Neuseeland).
Bei der Premiere des Ocean Race Atlantic gilt erstmals die 50:50-Crew-Regel, wonach jede Crew in der Flotte aus zwei Frauen und zwei Männern bestehen muss. An Bord von “Malizia 4” sind die Segler Skipper Boris Herrmann, Julien Villion, Cole Brauer und die bei der letzten Auflage als Gesamtachte stärkste Vendée-Globe-Solistin Justine Mettraux.
Jedes der sechs Teams wird außerdem einen sogenannten “OBR” (On-Board-Reporter) im Einsatz haben, um den Fans die Erlebnisse der Segler, ihre Arbeit und ihren Alltag auf See näher zu bringen. Die tägliche „OnBoard Live Show“ und Live-Streams von Bord jedes Bootes sind über den offiziellen Race-Tracker unter www.theoceanrace.com zu sehen.
Die Teams erwartet ein strategisch wie physisch anspruchsvolles Transat. Der Nordatlantik kann seinen Herausforderern zu dieser Jahreszeit heftige Wettersysteme entgegenschleudern. Auf der Kehrseite dieser Bedingungen könnten aber auch Rekordchancen liegen. Nicht nur Boris Herrmann hält es für möglich, dass der bestehende 24-Stunden-Distanzrekord von 641,08 Seemeilen in Reichweite rücken könnte.
Ich glaube absolut, dass da eine Chance ist, den 24-Stunden-Rekord zu brechen.” Boris Herrmann
Francesca Clapcich sieht es ähnlich. Die Skipperin der unter US-Flagge segelnden “11th Hour Racing”, die 2023 zu den Sigern im Ocean Race um die Welt zählte, blickte dem Start in New York City und dem schnellen Nordatlantikkurs mit viel Vorfreude entgegen, sagte: „Ich denke, wir werden hohe Geschwindigkeiten sehen, und wenn wir am Ende des Sommers Glück mit dem Wetter haben, könnte es eine rekordbrechende Atlantiküberquerung werden.”
Für die in Italien geborene und den den USA lebende und eingebürgerte Skipperin, die 2028 ihre erste Vendée-Globe-Teilnahme anstrebt, bedeutet der Start des Ocean Race Atlantic im Big Apple ein Heimspiel. Sie sagte: „Es ist etwas ganz Besonderes, zum Start in New York zu sein, da wir hier viele Unterstützer für unser Team haben und es toll sein wird, ihnen die Möglichkeit zu geben, unseren Sport hautnah zu erleben.“
Ein echtes Heimspiel ist der Starthafen für “Malizia 4”-Co-Skipperin Cole Brauer, die auf Long Island großgeworden ist. Sie ist in den USA bekannt als erste Amerikanerin, die solo und nonstop um die Welt gesegelt ist. Gerade ist sie mit “Malizia 4” unter Führung von Will Harris von der Überführung in New York angekommen. Auf der anderen Seite des Atlantiks erwartet die Teams mit Lorient der Zielhafen des Ocean Race Atlantic. Dort, wo die meisten großen Offshore-Rennställe beheimatet sind, wird es für Paul Meilhat, aber auch für “Malizia 4”-Co-Skipper und Wetterexperte Julien Villion ein Heimspiel sein.
Beide Franzosen leben in Lorient. Paul Meilhat, der im vergangenen Jahr mit Team Biotherm das Ocean Race Europe 2025 gewann, hat seine Imoca gerade für das Ocean Race Atlantic fit gemacht. Der Co-Skipper des französischen Teams United by the Ocean, sagte vor dem Rennstart: „Dies ist eine klassische Transatlantikroute und ein Rennen, bei dem wir die Möglichkeit haben, unsere Erlebnisse auf dem Ozean zum Leben zu erwecken. Das Ziel in Lorient, dem ‚Sailing Valley‘, das für so viele von uns die Heimat ist, macht die Ankunft noch besonderer.“
Das Ocean Race Atlantic verbindet Spitzensegeln mit einem übergeordneten Ziel, tritt für die Gesundheit der Ozeane an. Die Teams werden im Rahmen der erstmals ausgetragenen „Racing for the Ocean Teams Challenge“ auch nach Nachhaltigkeitskriterien gegeneinander antreten. Das Ocean Race Atlantic wird mit Unterstützung des “Impact-Partners” 11th Hour Racing durchgeführt, wobei der gemeinsame Fokus auf Meereswissenschaft und -bildung, nachhaltigen Veranstaltungspraktiken sowie Gerechtigkeit und Inklusion liegen soll.

Freie Reporterin Sport
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