Ocean Race AtlanticBlade vs. Bustle – atlantisches Top-Duell voraus

Tatjana Pokorny

 · 23.07.2026

Voraussichtlich in der zweiten August-Woche wird Team Malizia mit der am 6. Juli vom Stapel gelaufenen "Malizia 4" in die Überführung nach New York starten, wo das Ocean Race Atlantic beginnt.
Foto: Alice Callow/Team Malizia
Knapp sechs Wochen bleiben noch bis zum Start des neuen Ocean Race Atlantic von New York nach Lorient. Zwei neue Imoca-Raketen werden dabei erstmals ins Ramepenlicht segeln: Boris Herrmanns “Malizia 4” trifft auf Kojiro Shiraishi’s “DMG Mori Global One”.

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40 Tage sind es ab heute nur noch bis zum Startschuss für die Premiere des Ocean Race Atlantic. Das ist wenig Zeit für die Optimierung einer neuen Imoca, ihre erste Atlantik-Überführung nach New York ab der zweiten August-Woche und die finale Rennvorbereitung im Big Apple. Die damit verbundenen Herausforderungen haben sowohl Team DMG Mori als auch Team Malizia zu lösen, deren neue Imocas erst am 5. und am 6. Juli vom Stapel gelaufen sind.

Ocean Race Atlantic: ein Rennen, viele Premieren

Nonstop arbeiten die Teams seitdem für die Regattapremiere der beiden Neuen im Ocean Race Atlantic. Sie unterscheiden sich derart voneinander, dass Boris Herrmann sagte: “Man könnte sie auch für Boote zweier unterschiedlicher Klassen halten.” Statt dem “DMG Mori Global One”-Bustle, den ihr Schöpfer Guillaume Verdier aus dem America’s Cup in die Imoca-Klasse gebracht hat, und den seitlich positionierten Ballasttanks, ist “Malizia 4” aus der Feder von Antoine Koch mit “Blade” unter dem Rumpf und Ballasttanks vorne und hinten ausgestattet.

Die japanische Imoca ist breiter und fürs aufrechtere Segeln konzipiert. Der Designprozess von “Malizia 4” dagegen folgte der zentralen Aufgabe, einen Superallrounderin zu kreieren, die das Beste der Vorgängerin und Starkwind-Powerplayerin “Malizia 3” und der antrittstarken und leichtwindschnellen Vendée-Globe-Gewinnerin “Macif” in sich vereint.

Diesem Mix-Konzept wurden auf Kurs Ocean Race Atlantic auch die neuen “Malizia 4”-Foils in Monaco-Rot angepasst. Team Malizias Technik-Direktor Pierre-François “Pifou” Dargnies sagte: “Die Foils wurden mit einem klaren Ziel entwickelt: Sie sollen die Vorwindleistung der ‘Malizia – Seaexplorer’ in stärkeren Winden erreichen und gleichzeitig auf flachem Wasser und bei leichtem Wind mit Booten wie der ‘Macif’ mithalten können.”

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Zwei Teams, zwei Philosophien für Offshore-Erfolge

Die Schlussfolgerung dazu brachte Dargnies auch auf den Punkt: “Die von C3 Technologies gefertigten Foils stellen in ihrer Form einen Kompromiss zwischen unseren bisherigen C-förmigen Foils und flacheren Konstruktionen dar, die am Wind und in den Übergängen eine bessere Leistung zeigen.“

Obwohl die Foils von “DMG Mori Global One” zunächst noch nicht installiert waren, war von Beginn an klar, dass diese beiden Imocas zwei ganz verschiedenen Philosophien folgen. Als “Revolution vs. Evolution” beschrieb gerade die Imoca-Klasse die Gegensätzlichkeit von “DMG Mori Global One” und “Malizia 4”. Weshalb hochspannend ist, wie diese beiden neuen Rennyachten beim ersten Vergleich gegeneinander abschneiden werden.

Dass keine der beiden neuen und aufsehenerregenden Imocas so früh schon ihr maximales Leistungsvermögen wird erreichen können, ist dabei allen Beteiligten klar. “Es gibt so viele Variablen bei einem solchen Boot, dass du im ersten Jahr nicht erwarten kannst, sein volles Potenzial zu erreichen. Es ist ein Prozess, den wir hoffentlich im Rahmen des Ocean Race Atlantic schnell vorantreiben können”, sagte Boris Herrmann.

Mit spektakulärem Boot ins Ocean Race Atlantic

Insgesamt haben für das Ocean Race Atlantic sechs sehr unterschiedliche Teams gemeldet. Die Segelwelt blickt aber vor allem gespannt auf das Duell der beiden Neuen: Boris Herrmanns “Malizia 4” und Kojiro Shiraishi’s “DMG Mori Global One”. Die ersten Erfahrungen von Team Malizia waren seit dem Stapellauf zunächst durchweg positiv. Boris Herrmann sagte: “Wir wussten nach den ersten fünf Flugminuten, dass das hier etwas Spektakuläres ist. Das Boot ist unglaublich!”

Ich hatte gesagt, dass wir schnell wissen werden, ob dieses Boot ein Erfolg ist. Ich glaube, das ist es.” Pierre-François “Pifou” Dargnies

Bei aller Freude über die vielversprechenden Anfangsergebnisse und -erkenntnisse nach zwei Jahren harter Arbeit von mehr als 120 Menschen, blieben Team Malizia und auch der Skipper zunächst auch vorsichtig. Boris Herrmann sagte: “Die Zeit wird es zeigen. Wir können nicht erwarten, dass bei den ersten beiden Transats gleich alles rund läuft. Aber schauen wir mal…”

Gleichzeitig verhehlte Boris Herrmann auch seine Überraschung über den radikalen Verdier-Entwurf nicht, dessen Konzeptumsetzung auf dem Wasser und bei den ersten Regatten auch er gespannt beobachten wird. Sogar Guillaume Verdier selbst hatte über seinen “DMG Mori Global One”-Entwurf gesagt: “Es ist aufregend. Ein bisschen beängstigend, aber sehr aufregend.”

Auch Team DMG Mori startet angriffslustig ins Ocean Race Atlantic

Samantha Davies, die wie Boris Herrmanns früherer Navigator Nico Lunven und die Japanerin Arisa Moriya der Crew um Kojiro Shiraishi für das Ocean Race Atlantic angehört, sagte über die japanische Imoca: “Wir können die Entwicklung in der Rumpfentwicklung sehen. Sie unterscheidet sich von jeder anderen Imoca da draußen. Ich denke, wir werden in bester Form an der Startlinie zum Ocean Race Atlantic aufkreuzen.”

Das ist auch das Ziel von Boris Herrmann, Julien Villion, Justine Mettraux und Cole Brauer, die “Malizia 4” am 18. Juli in Lorient getauft hat. Im Ocean Race Atlantic könnte sich ein erster Trend abzeichnen, wie die Neuen sich im Vergleich zueinander machen. Beide sollten laut allen Beteiligten schneller sein als die letzte Generation. Dennoch wird die Konkurrenz mit ihren erprobten und teilweise stärker überholten Booten Druck machen.

Ein Meister darin ist auch mit knappen Mitteln der Franzose Paul Meilhat, der gerade mit Mariana Lobato die Kampagne United by the Ocean und ihre überholte Ocean-Race-Europe-Siegerin (Ex-”Biotherm”) vorgestellt hat. Stärke will auch Francesca Clapcich mit “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia – Seaexplorer, 2022) demonstrieren. An der Seite von Will Harris, der auch das Ocean Race Atlantic mit der Italo-Amerikanerin bestreitet, hatte sie schon im vergangenen Jahr im Transat Café L’or mit Platz zwei glänzen können. Da waren die Neuen aber noch nicht im Spiel.

Ein Schweizer Neuaufbruch, ein schnelles Boot und ein sympathischer Außenseiter

Ebenso ehrgeizig im Rennen ist Oliver Heer mit seinem Schweizer Team Embrace the Challenge und der Ex-”TeamWork - Team Snef” (2018), die Justine Mettraux bei der letzten Vendée Globe als erfolgreichste Frau im Solo um die Welt als Achte ins Ziel gebracht hatte. Als Außenseiter startet der sympathische Dauerbrenner Conrad Colman mit seinem Team auf der “MSIG Europe” (2007) ins neue Transat, zu dem der Startschuss am 1. September in New York fällt.

Eine Dosis gute Laune gab es bei der Taufe und der Jubiläumsparty für Team Malizia am 18. Juli in Lorient. Der Malizia-Clip hält die Stimmung fest, die das Team in diesen Wochen bis zum Aufbruch zur Überführung nach New York und dem ersten Regattastart im Ocean Race Atlantic bei der Arbeit begleitet:

Der Trailer zum neuen Ocean Race Atlantic mit Start am 1. September:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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