The Ocean RaceHeer wie Herrmann – erst im Team, dann Vendée Globe

Tatjana Pokorny

 · 10.06.2026

Oliver Heer auf der Imoca seines Teams Embrace the Challenge.
Foto: PKC Media
Oliver Heer macht es mit seiner Kampagne Embrace the Challenge wie Boris Herrmann und Team Malizia: Erst kommen The Ocean Race Atlantic 2026 und The Ocean Race 2027, dann die Vendée Globe 2028. Der Deutsch-Schweizer hat die Imoca-Teamgipfel im Visier, bevor er sein zweites Solo um die Welt in Angriff nimmt. Zum Auftakt der Mannschaftsherausforderungen hat Heer jetzt sein internationales Team vorgestellt.

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Der Teamname ist das Programm: “Embrace the Challenge – umarme die Herausforderung”. Der Schweizer Offshore-Segler Oliver Heer, der 2024/2025 seine erste Vendée Globe als Solist bestritten hatte, will in den kommenden zwei Jahren wie Boris Herrmann und Team Malizia die Mannschaftsgipfel des internationalen Segelsports stürmen: The Ocean Race Atlantic in diesem Jahr und The Ocean Race 2027. Die Crew dafür hat der 38-Jährige jetzt vorgestellt.

Mit internationaler Crew zu den Teamgipfeln

​Für das Ocean Race Atlantic mit Startschuss am 1. September hat Heer zunächst eine erfahrene Player zusammengestellt. Teammitglieder sind die 44 Jahre alte frühere Ocean-Race-Gewinnerin und Nacra 17-Olympionikin Marie Riou aus Frankreich, die 2017/2018 mit Charles Caudreliers Dongfeng Race Team siegte. Dazu kommen die 46-jährige viermalige Ocean-Race-Teilnehmerin und Ruderin Liz Wardley (Papua-Neuguinea/Australien) und der australische Paddleboard-Weltmeister Lincoln Dews. Der Australier hat im vergangenen Sommer bereits mit dem kanadischen Team am Ocean Race Europe teilgenommen.

Oliver Heer weiß um die XL-Herausforderungen, denen er sich mit seiner neu formierten Crew stellt. Er sagt: „Es wird Hindernisse geben. Die gibt es immer, wenn man sich hohe Ziele setzt. Aber genau dafür sind wir da. Wir nehmen die Herausforderung an und werden gemeinsam eines der größten Abenteuer im Sport in Angriff nehmen.“

Die Teilnahme an The Ocean Race war schon immer ein Traum: Als Kind habe ich das Whitbread wie besessen verfolgt, später das Volvo Ocean Race.” Oliver Heer

Als einer der wenigen Schweizer Skipper in der Geschichte des bekanntesten Mannschaftsrennens um die Welt will Oliver Heer in die Fußstapfen des legendären Schweizer Seglers Pierre Fehlmann treten. Fehlmann hatte dem Teamrennen um die Welt – damals noch unter dem Titel Whitbread Round the World Race – über 17 Jahre auch seinen Stempel aufgedrückt. Er war zwischen 1977 und 1994 über 17 Jahre ein Synonym für Schweizer Hochseeambitionen.

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The Ocean Race im Heckwasser von Pierre Fehlmann

Fehlmanns größte Erfolge waren nach vielen engagiert erkämpften vierten Plätzen, Höhenflügen und auf Tiefschlägen, der dritte Platz 1989/1990 mit “Merit” und der zweite Platz mit “Merit Cup” in der damaligen Maxi-Klasse 1993/1994. Oliver Heer, beim letzten Erfolg Fehlmanns gerade sechs Jahre alt, erinnert sich noch daran. Und auch an die Jahre danach, sagt: “Ich kaufte jedes Segelmagazin, das ich finden konnte, und stellte mir vor, wie es wohl wäre, als Teil eines Teams um die Welt zu segeln. Jetzt meine eigene Kampagne in dieses Rennen zu führen, ist etwas ganz Besonderes.”

Pierre Fehlmann hat Generationen von Schweizer Seglern inspiriert und dazu beigetragen, das Schweizer Hochseesegeln bekannt zu machen.” Oliver Heer

Die Möglichkeit, die Fehlmann-Geschichte fortzuschreiben, so Oliver Heer, “bedeutet mir sehr viel”. Aktuell läuft die Transformation des Schweizer Teams vom Rennstall um einen Solisten zur Mannschaftsherausforderung. Heer erklärte auf Kurs The Ocean Race: „Die Vendée Globe hat mir viel über Durchhaltevermögen und Selbstständigkeit beigebracht, aber im The Ocean Race geht es darum, Menschen zusammenzubringen und als ein Team zu agieren.” Erfolg, so sagt er, hänge von Vertrauen, Kommunikation und der Fähigkeit ab, das Beste aus jedem an Bord herauszuholen. Das ist es, was mich am meisten begeistert.“

The Ocean Race: mit starkem Boot ins Rennen

Oliver Heers Team Embrace the Challenge operiert mit der bereits vorgestellten Imoca, mit der Landsfrau Justine Mettraux bei der letzten Vendée Globe als beste Solistin Platz acht erkämpft hatte. An seiner Seite soll bei den Mannschaftsrennen ein internationales Team stehen.

​Oliver Heer weiß, dass sein Team gegen einige der größten Namen des Sports und finanzstärkere Rennställe antreten wird. Er nimmt die Rolle des Außenseiters gerne an. Seine Überzeugung: „Wir werden eine der jüngeren Kampagnen in der Flotte sein und unser Boot wird nicht das neueste sein, aber wir haben bereits gezeigt, dass Entschlossenheit, Vorbereitung und Teamwork den Rückstand aufholen können.”

​Wir bauen ein ehrgeiziges, internationales Team auf, das beweisen will, was möglich ist.“ Oliver Heer

Bei allen Teamaktivitäten hat Heer aber auch das Fernziel im Blick Die Ocean-Race-Kampagne ist Teil der Vorbereitung auf seine zweite Vendée-Globe-Herausforderung im Jahr 2028. Die Teamherausforderungen, davon ist Heer überzeugt, böten die Möglichkeit “unschätzbare Erfahrungen beim Segeln einer Imoca-Yacht mit vollbesetzter Crew auf höchstem Niveau zu sammeln”.

Heer macht es wie Boris Herrmann und Team Malizia

Vor dem Start der Mannschaftsweltumseglung im The Ocean Race im Januar 2027 wird das Team bereits im September dieses Jahres am The Ocean Race Atlantic teilnehmen. Das Team-Transat bietet die gute Gelegenheit, Systeme zu testen, die Mannschaftsleistung zu optimieren und die Crewauswahl abzuschließen.

Hier geht Oliver Heer wie auch bei der international geprägten Teamzusammenstellung den gleichen Weg, den Boris Herrmann und Team Malizia schon einmal gegangen sind und erneut eingeschlagen haben: erst kommen die begehrten Mannschaftsrennen inklusive Team- und Bootsoptimierung in diesem und im nächsten Jahr, dann soll der ultimative Solo-Härtetest bei der Vendée Globe 2028 folgen.

„Das Atlantikrennen wird uns helfen, die richtigen Leute zu finden und die Chemie aufzubauen, die nötig ist, um unter Druck Leistung zu bringen“, sagte Heer. „Wir schaffen etwas Größeres als ein Segelteam – wir bauen eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Nationalitäten auf, die alle dasselbe Ziel teilen.“ Der erste Test naht in weniger als drei Monaten.

The Ocean Race Atlantic startet am 1. September

Der Startschuss zur Atlantik-Schwester des Mutterrennens The Ocean Race fällt am 1. September. Boris Herrmanns Team Malizia ist mit der dann noch fast werftneuen “Malizia 4” ebenso dabei wie Oliver Heers Team Embrace the Challenge. Auf der Meldeliste stehen auch das Paul Meilhat Sailing Team (Frankreich), das DMG Mori Sailing Team von Kojiro Shiraishi aus Japan, das gerade seine neue Rakete vorgestellt hat, sowie Francesca Clapcichs Team 11th Hour Racing und der seit 2008 in Frankreich lebende Neuseeländer Conrad Colman mit seinem Team MSIG Europe.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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