Vendée-Globe-Absolvent Oliver Heer hat seine Philisophie zum Namen für die Imoca gemacht, die ihn zur zweiten Teilnahme am Imoca-Solo um die Welt tragen soll: “Embrace The Challenge” steht im Team des Deutschschweizers “für Leistung, die lange vor der Startlinie beginnt – mit der richtigen Einstellung, Durchhaltevermögen und der Bereitschaft, sich auf Ungewissheiten einzulassen”. So hat es der Rennstall Oliver Heer Ocean Racing am 7. Mai verkündet.
Damit haben der Schweizer und sein Team nach der Vendée-Globe-Premiere 2024/2025 ganz offiziell ihre zweite Kampagne eingeläutet. Den XXL-Herausforderungen beim ersten Gipfelsturm soll die zweite Runde folgen. “Das Konzept entstand aus der anspruchsvollen Reise, die Heer und sein Team zur Vendée Globe 2024 führte, wo das Überwinden von Rückschlägen, das Anpassen unter Druck und die Konzentration auf das, was kontrolliert werden konnte, entscheidend für den Erfolg der Kampagne waren.”
Das Ziel hatte Oliver Heer bei seinem ersten Solo um die Welt als 29. erreicht. Unter dem Strich blieb in vielen Köpfen vor allem die kämpferische Leistung des Schweizers hängen, der im Vendée-Globe-Startjahr 2028 40 Jahre alt wird. „Als wir auf unsere vorherige Kampagne zurückblickten, wurde klar, dass die Leute mich stark mit einer positiven Einstellung assoziierten“, sagt Heer. „Das spiegelt sehr authentisch wider, wer ich bin.”
Selbst in schwierigen Momenten suche ich immer nach Chancen, wo andere vielleicht nur Widrigkeiten sehen.” Oliver Heer
Der neue Name für seine Imoca, so Heer, sei dem Team “ganz natürlich in den Sinn gekommen”. “Embrace The Challenge” beschreibe aus seiner Sicht das Hochseesegeln perfekt, sei aber gleichzeitig auch “eine Philosophie für den Alltag”. Das Boot wurde von VPLP entworfen und 2018 bei CDK Technologie in Port-la-Forêt für Team Charal und Jérémie Beyou gebaut. Zuletzt hatte Justine Mettraux es unter dem Namen “TeamWork – Team Snef” als erfolgreichste Skipperin auf Platz acht bei der Vendée Globe 2024/2025 gesteuert.
Oliver Heer zeigt den Foiler jetzt in neuen Farben: Die auffälige Lackierung der “Embrace the Challenge” ist von Isobaren inspiriert, die auf Wetterkarten Hoch- und Tiefdruckgebiete abbilden, die die Bedingungen auf den Weltmeeren bestimmen. “Im Hochseesegeln bestimmt das Wetter alles: Strategie, Geschwindigkeit, Positionierung und Überleben. Für Segler, die das Südmeer durchqueren, macht das Verständnis von Drucksystemen oft den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg aus”, erklärte das Team zur optischen Designentwicklung für die Imoca.
„Das Design stammt von einem Wettersystem im Südpolarmeer“, sagt Heer. Er ist überzeugt: „Für Segler gibt es nichts Wichtigeres als das Wetter. Die Linien stellen Drucksysteme dar, aber es geht nicht nur darum, Isobaren zu lesen – es geht darum, Druck zu verstehen und mit Druck umzugehen.”
Ich finde, es ist ein sehr cooles Design.“ Oliver Heer
Noch 117 Tage bleiben seinem und den anderen Teams bis zum Start von The Ocean Race Atlantic am 1. September in New York. Das Transat für vierköpfige Imoca-Teams führt die Flotte von bislang sechs gemeldeten Teams über den großen Teich in Frankreichs Seglerwiege Lorient. Für Boris Herrmanns Team Malizia markiert es den ersten großen Regattatest mit der dann noch fast werftneuen “Malizia 4”.
Auf der Meldeliste für The Ocean Race Atlantic stehen auch Frankie Clapcichs Team 11th Hour Racing mit Will Harris als Co-Skipper, das Paul Meilhat Sailing Team und das DMG Mori Sailing Team mit Skipper Kojiro Shiraishi, der sich mit Sam Davies und Nico Lunven so prominente wie schlagkräftige Unterstützung an Bord geholt hat. Conrad Colmans Team MSIG Europe steuert The Ocean Race Atlantic ebenso an wie Team Oliver Heer Ocean Racing.
Nach Heers stark kampfbetontem ersten Vendée-Globe-Zyklus soll auf dem Kurs zur zweiten Teilnahme die Leistung auf dem Wasser in den Vordergrund rücken. In den kommenden Monaten stehen die Inbetriebnahme der Imoca, Tests und ein strukturiertes Übergabeprogramm mit Ex-Skipperin Justine Mettraux auf dem Programm. Heer will das Potenzial des Bootes “so schnell wie möglich ausschöpfen”.
Mein Fokus liegt jetzt ausschließlich auf dem Segeln.” Oliver Heer.
„Wir müssen das Boot kennenlernen und Selbstvertrauen aufbauen, damit wir eine starke Leistung zeigen können”, gibt Oliver Heer die Parole für sich selbst und sein Team vor. Ins Ocean Race Atlantic startet der Schweizer mit erfahrenen internationalen Kräften. An seiner Seite ist mit der französischen Olympia-Seglerin und Nacra 17-Weltmeisterin Marie Riou eine der ersten drei Ocean-Race-Gewinnerinnen von 2017/2018.
Dazu kommen die viermalige Ocean-Race-Teilnehmerin Liz Wardley und Lincoln Dews als Leistungsanalyst für das Team. Der Bootsname “Embrace the Challenge” soll für die Schweizer eine neue Richtung vorgeben. Dazu hieß es in einem Team-Statement: “Nach Jahren voller Opfer, Rückschläge, unermüdlicher Qualifikationsmeilen und einer bemerkenswerten Vendée-Globe-Reise beginnt ein neues Kapitel.”
Gleichzeitig soll “Embrace The Challenge” für Oliver Heer viel mehr sein als “nur” der Start in die neue Imoca-Kampagne: “Es ist die Fortsetzung eines Traums, der auf Durchhaltevermögen, Überzeugung und der Weigerung, stillzustehen, basiert.” Das Boot liegt bereits im Wasser, der Countdown läuft. Während das nächste Abenteuer beginnt, ließ das Team seinen bereits bekannten Schlachtruf in neuer Variante ertönen: “Heer we go – again!”

Freie Reporterin Sport