Das soll eine Imoca sein? Diese Frage stellten sich einige neugierige Betrachter bei der ersten Vorstellung der neuen “DMG Mori” für das gleichnamige Team um den japanischen Skipper Kojiro Shiraishi. Freunde, Familienangehörige und Medienvertreter haben die Premiere des schwarz-roten Bootes beeindruckt erlebt. Das Design unterscheidet sich optisch und inhaltlich stark von den Entwürfen bisheriger Imocas.
Mit dem bei Multiplast entstandenen Neubau soll für den 59 Jahre alten Kojiro Shiraishi das finale Kapitel seiner Imoca-Karriere beginnen. Der Japaner sagte bei der Präsentation: “Das wird mein letztes Boot sein, deshalb möchte ich es zu etwas Besonderem machen.” Das ist auf den ersten Blick gelungen. Seit 2016 auf der Imoca-Bühne aktiv, greift der dreimalige Vendée-Globe-Teilnehmer Kojiro Shiraishi nun noch einmal mit einem außergwöhnlichen Design an.
Das erste Rennen für Shiraishis Team wird wie für Boris Herrmann und Team Malizia das Ocean Race Atlantic von New York nach Lorient sein, für dessen Start am 1. September bislang sechs vierköpfige Teams gemeldet haben. Die Rumpfform von “DMG Mori Global One”, so Shiraishi bei der Vorstellung, “unterscheidet sich definitiv stark von den anderen Booten. Ich habe Guillaume Verdier und sein Team gebeten, frei zu denken, Ideen frei zu entwickeln – ohne Grenzen. Und so sind wir hier gelandet.”
Im Team DMG Mori sind sie überzeugt vom neuen Design. Im Statement zur ersten Vorstellung heißt es: “Auf den ersten Blick erinnert die Form des Rumpfes der neuen Imoca an den Mittelrumpf eines Trimarans, der so konstruiert ist, dass das Boot leichter auf die Foils kommt, weniger heftig in die Wellen schlägt und die benetzte Oberfläche sowie den Widerstand verringert.”
Auch Design-Maestro Guillaume Verdier weiß, dass sein Team mit diesem Entwurf Neuland in der Imoca-Welt betritt. Der Mann, der America’s Cup, Flugobjekte wie die neue “Gitana 18” oder auch Megayachten wie Lindsay Owen-Jones 100-Fuß-Maxi “Magic Carpet e” kann, sagte: “Es ist ganz anders, was immer ein bisschen beängstigend ist.” Diesem Neubau darf Mut seiner Väter attestiert werden.
Aufmerksamen Beobachtern der neuen “DMG Mori” kam sofort auch das Thema “Bustle” aus dem America’s Cup in den Sinn: jene Ausformungen der Rümpfe an ihrer Unterseite, die das Eintauchen des Boote ins Wasser und vor allem das Abheben optimieren sollen. Verdier sagt: “Wir haben viel an den Formen gearbeitet und dachten, es gäbe eine neue Möglichkeit, da sich die Boote in der Realität die meiste Zeit nicht stark neigen.”
Verdier präzisiert diesen Gedanken und erklärt: “Wir haben Boote so entworfen, dass sie sich neigen, aber so segeln wir nicht, wenn wir um die Welt segeln. Also haben wir in die andere Richtung gepusht. Wir haben ein Foil entworfen, das aufrechter steht. Es ist nicht nur der Rumpf. Alles ist integriert – das Foil, die Aerodynamik, das Ruder…” Der visionäre Vordenker Verdier betrachtet das DMG-Mori-Projekt als Glücksfall.
Wir sind so glücklich, dass man uns vertraut, diesen neuen Ansatz auszuprobieren. Es ist aufregend. Ein bisschen beängstigend, aber sehr aufregend!” Guillaume Verdier.
Kojiro Shiraishi, so Verdier, sei sehr offen gewesen, habe sein Team dabei unterstützt, etwas Neues auszuprobieren: “Es ist unglaublich, dass er uns in diesem Prozess so sehr vertaut hat.” Einen angenehmen Nebeneffekt bringt das neue Design zusätzlich mit. Verdier sagt: “Die Segler haben unter den bisherigen Booten so sehr gelitten. Wir hoffen, dass es sich jetzt eher so anfühlen wird, als würde man auf einem Mehrrumpfboot segeln. Nur mit viel weniger benetzter Oberfläche. Es dürfte ganz anders sein. Wir halten das für sehr vielversprechend.”
Teammanager Jacques Caraës ist mit Blick auf die neue “DMG Mori Global One” sicher: “Es ist ein neues Kapitel im Imoca-Design. Das Boot sollte sehr stabil sein und früher auf die Foils kommen. Das hoffen wir zumindest!” Ähnlich sieht es auch Samantha “Sam” Davies, die den Rennstall unterstützt und zum Segelteam fürs Ocean Race Atlantic gehört. Die in Frankreich lebende britische Imoca-Könnerin sagte: “Wir sehen sofort die neue Entwicklung in der Rumpfform, die sich von allen heute segelnden Imocas unterscheidet.”
Es wird Spaß machen, das Segeln mit ihr zu lernen. Theoretisch ist es eine Rumpfform, die viel weniger aufs Wasser schlägt und viel früher foilt.” Samatha Davies
Die neue “DMG Mori Global One” wird noch etwa einen Monat in Lorient weiter optimiert, bevor sie voraussichtlich Ende Juni erstmals zu Wasser gelassen wird. Als erstes großes Rennen steht dann ab 1. September The Ocean Race Atlantic auf dem Programm. Die Überführung nach New York soll voraussichtlich Anfang August beginnen.
Die teilnehmenden Teams, zu denen auch Boris Herrmanns Team Malizia mit der dann ebefalls fast werftneuen “Malizia 4” und Francesca Clapcichs Crew auf “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”) zählen werden, betrachten das Team-Transat unter der Ocean-Race-Dach als ersten wertvollen Realitätscheck auf Kurs zum wichtigsten Mannschaftsrennen um die Welt: Das 15. Ocean Race startet am 17. Januar 2027.

Freie Reporterin Sport