MeinungAlles kein Weltuntergang

YACHT

 · 28.12.2024

Meinung: Alles kein Weltuntergang
YACHT-Woche – Der Rückblick

Themen in diesem Artikel

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Liebe Leserinnen und Leser,

Was für ein Segeljahr! Selten haben uns so viele Ereignisse, Themen und Menschen bewegt wie 2024. Nicht alles war gut, doch manches besser.

Für alle Sport-Begeisterten war es ein Super-Segeljahr. Angefangen mit der olympischen Segelregatta in Marseille. Trotz schwieriger Windbedingungen und hoher Temperaturen konnten einige deutsche Athleten beachtliche Leistungen erzielen. Leonie Meyer und Jannis Maus sicherten sich bei der olympischen Premiere des Kitesurfens jeweils den fünften Platz, was die besten Platzierungen für das deutsche Team waren. Im 49erFX erreichten Marla Bergmann und Hanna Wille einen respektablen sechsten Rang. Windsurferin Theresa Steinlein konnte sich ebenfalls auf den sechsten Platz kämpfen. Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer, die Bronzemedaillengewinner von Tokio, landeten im Nacra 17 auf dem achten Platz. Trotz dieser guten Einzelergebnisse blieb das deutsche Team zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen 2012 in London ohne Medaille im Segeln.

Der 37. America's Cup in Barcelona erwies sich als ein faszinierendes Spektakel des Hochleistungssegelns. Die revolutionären AC75-Yachten, die mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h über das Wasser flogen, boten den Zuschauern eine atemberaubende Show. Im Finale trafen die Verteidiger aus Neuseeland auf die britischen Herausforderer von Team Britannia. Trotz anfänglicher Zweifel an der Spannung des Wettbewerbs lieferten sich die Teams packende Duelle. Die Neuseeländer um Skipper Peter Burling zeigten jedoch ihre Klasse und setzten sich mit 7:2 Siegen durch.

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Für deutsche Cup-Begeisterte bleibt das Prinzip Hoffnung, wenn es um eine Teilnahme geht. Zumindest beim Nachwuchs mischten Teams beim Youth America’s Cup und Womens-America’s-Cup mit. Und auch beim Sail-GP sammeln Deutsche, allen voran Steuermann Erik Heil, Erfahrungen im Hightech-Foilen. In Anbetracht der millionenschweren Budgets, der technischen Herausforderungen und der offenbar nötigen Erfahrung bleibt es aber wohl mittelfristig eher unwahrscheinlich, dass es ein deutsches Team an den Start schafft.

Zum Ende des Jahres fasziniert die zehnte Vendée-Globe-Weltumsegelung nicht nur Regattasegler. Denn obwohl Boris Herrmann derzeit nicht in der Spitzengruppe mitsegelt, sind die Zugriffszahlen auf die täglichen Artikel und den Ticker überdurchschnittlich hoch. Vielen Beobachtern geht es offenbar nicht in erster Linie um Platzierungen. Es sind die dramatischen Momente, extremen Wetterbedingungen und die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Segler, die faszinieren.

Auch abseits der internationalen Regattastrecken war das Jahr für deutsche Segler turbulent. Nach der verheerenden Sturmflut im Oktober 2023 zeigten viele Häfen an der deutschen und dänischen Ostseeküste bemerkenswerte Resilienz und Einsatzbereitschaft. In den Wintermonaten wurde intensiv an der Wiederherstellung der Infrastruktur gearbeitet, um rechtzeitig zur Segelsaison 2024 öffnen zu können. Ein herausragendes Beispiel für Gemeinschaftssinn und Tatkraft lieferte der Yacht-Club Großenbrode. Die Mitglieder nahmen den Wiederaufbau ihres stark beschädigten Hafens selbst in die Hand. In einer beeindruckenden Gemeinschaftsleistung investierten sie über 7.000 Arbeitsstunden, um die Steganlage zu erneuern und zu verstärken.

Der Olympiahafen Kiel-Schilksee, einer der am schwersten betroffenen Häfen, wurde trotz enormer Schäden rechtzeitig instand gesetzt. Allerdings konnten nicht alle Häfen ihre Reparaturen abschließen. Der Hafen im dänischen Hesnaes beispielsweise blieb vorerst geschlossen. Auch der Hafen Lippesteht wegen Unterspülungen vor dem Aus. Positiv war dagegen die Öffnung des neuen Inselhafens in Prerow.

Ein viel diskutiertes Thema war auch wieder der Umwelt- und Klimaschutz. Nach der Ablehnung des Konzepts für einen Nationalpark Ostsee im Jahr 2023 präsentierte das Umweltministerium Schleswig-Holstein 2024 den "Aktionsplan Ostseeschutz 2030". Dieser 16-Punkte-Plan sieht die Einrichtung neuer Naturschutzgebiete vor, die etwa 12,5 Prozent der schleswig-holsteinischen Ostsee umfassen sollen. Wichtig für Wassersportler: Ganzjährige Befahrensverbote sind nicht vorgesehen. Zudem bleiben Sportboothäfen weiterhin ganzjährig erreichbar.

Für Aufsehen haben wieder die Interaktionen zwischen Orcas und Segelbooten vor allem um die Straße von Gibraltar gesorgt. Zwar gab es einen deutlichen Rückgang gegenüber 2023, Wissenschaftler suchen aber weiterhin nach Erklärungen für dieses Verhalten.

In der Ostsee kämpfen Schweinswale ums Überleben. Sie sind durch Stellnetze, Unterwasserlärm und Überfischung bedroht. Um die Tiere zu schützen, wurde für den nördlichen Teil des Kleinen Belts, wo eine dichte Schweinswal-Population lebt, ein Verhaltenskodex für Wassersportler eingeführt. Gleichzeitig berichten Segler von ungewöhnlichen Sichtungen in der Ostsee. In den Öresund sind Thunfische zurückgekehrt, mit geschätzten 5.000 bis 10.000 Exemplaren, zudem wurden dort Orcas und ein Buckelwal gesichtet. Vor der Insel Ærø beobachtete eine deutsche Crew spielende Delfine. Trotz dieser positiven Entwicklungen litt die Ostsee 2024 unter zu hohen Wassertemperaturen. Dies führte gegen Saisonende zu einer starken Blaualgenblüte, die in vielen Gemeinden Badeverbote zur Folge hatte.

Mit Umweltschutz haben nicht zuletzt auch neue Vorschriften für den Kauf von biozidhaltigem Antifouling zu tun. Dieser wird ab 2025 komplizierter. Letzte Chancen für einen Einkauf wie bisher sind der 30. Und 31. Dezember.

Dies sind nur einige der Höhepunkte des Jahres 2024. Einen vollständigen Rückblick finden Sie hier auf yacht.de!

Was bringt nun das Jahr 2025? Beim Regattasport wird es etwas ruhiger. Doch mit der Ankunft der Vendée Globe im Januar, dem Ocean Race Europe mit Boris Herrmann, dem Sail GP mit Erik Heil und einem Event vor Sassnitz sowie dem Mini-Transat mit deutschen Startern gibt es dennoch wieder genug Highlights.

Klar wie diese Regattatermine ist auch, dass sich die wirtschaftliche Situation Deutschlands noch stärker als bisher auf die Segelbranche auswirken wird. Das zeigen jetzt schon der sich füllende Gebrauchtbootmarkt und die sich leerenden Auftragsbücher einiger Großserienwerften wie auch eine angespannte Buchungssituation im Chartermarkt, speziell für Kroatien.

In unsicheren Zeiten hält man eben eher sein Geld zusammen, als es für Träume auszugeben. Doch wie es auch immer kommt, Segler haben gegenüber den meisten Mitmenschen einen großen Vorteil. Zweifelsfrei ohne mit dem Talent großer deutscher Dichter gesegnet zu sein, versuche ich, es poetisch zu formulieren.

Weiter wird das Wasser fließen.

Der Wind wird weiter wehen.

Wir können zum Glück beides genießen.

Die Welt wird nicht untergehen.

In diesem Sinne einen guten Rutsch ins Jahr 2025, Ihr

Lars Bolle

Chefredakteur YACHT Digital


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