Lars Bolle
· 13.10.2026
Am 11. Oktober 2026 wurde vor Coronado bei San Diego ein Segler auf dramatische Weise aus seiner Yacht geborgen. Er war auf Grund gelaufen, Wellen schlugen über dem Boot zusammen, der Skipper saß in der teilweise überfluteten Kajüte fest und hatte bereits Schwierigkeiten zu atmen. Die Hilfe kam aus der Luft. Ein Hubschrauber ließ einen Rettungsschwimmer auf die Yacht ab. Der Retter reichte dem Mann in der Kajüte zunächst seinen Schnorchel. Dann brach er einen Teil des Kajütdachs auf und befreite ihn. So schildert die US-Küstenwache den Einsatz.
Gegen vier Uhr Ortszeit meldete der Segler per Notruf, sein Boot sei auf Grund gelaufen und nehme Wasser. Ein Rettungsboot der Küstenwache fand die Yacht, konnte sie wegen zu geringer Wassertiefe und gefährlicher Wellenbedingungen aber nicht erreichen. Daraufhin wurde ein MH-60-Jayhawk-Hubschrauber der Air Station Ventura eingesetzt. Rettungsschwimmer Mike Antoon wurde zum Havaristen hinabgelassen. Antoon fand den Mann, der in der teilweise untergetauchten Kabine gefangen war und nach Luft rang, während Wellen über das Schiff hinwegspülten. Antoon gab dem Mann seinen Schnorchel, bevor er einen Teil des Kajütdachs aufriss, um ihn zu befreien.
Nach der Befreiung flog die Hubschrauberbesatzung den Mann zur Küstenwache in San Diego. Dort wurde er gegen 7.25 Uhr dem Rettungsdienst übergeben. Über seinen weiteren Gesundheitszustand, die Ursache der Grundberührung und den Bootstyp liegen keine Angaben vor.
Der Einsatz ereignete sich während einer gefährlichen Wetterlage an Südkaliforniens Küste. Für den 11. Oktober warnte der US-Wetterdienst an der Küste von San Diego vor gefährlichen Bedingungen an den Stränden. Der frühere Hurrikan Rachel hatte sich bei seinem Zug nach Norden abgeschwächt. Entscheidend für die Küste blieben die Auswirkungen des Sturms: Brandung und erhöhte Wasserstände.
Während “Rachel” den Südwesten der USA beeinflusste, erreichte Hurrikan “Isaias” am 9. Oktober die amerikanische Golfküste. Laut National Hurricane Center traf er nahe Destin in Florida mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von rund 165 Kilometern pro Stunde auf Land. Zuvor hatte er zeitweise Kategorie drei erreicht, beim Landfall entsprach er Kategorie zwei.
Gleichzeitig zog “Simon” an der mexikanischen Pazifikküste entlang. Der Hurrikan erreichte zeitweise Kategorie vier; die Wetterbehörde warnte vor gefährlicher Brandung, Starkregen und Erdrutschen. Die Stürme entstanden in verschiedenen Becken: “Isaias” im Atlantikgebiet einschließlich des Golfs von Mexiko, “Rachel” und “Simon” im östlichen Pazifik.
Im Atlantik entwickelte sich “Isaias” erst am 8. Oktober zum ersten Hurrikan der Saison. Die Zwischenbilanz des National Hurricane Center vom 13. Oktober verzeichnet neun benannte Stürme, aber nur einen Hurrikan. Der sogenannte ACE-Wert betrug 18 und lag damit 83 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt für denselben Zeitpunkt.
ACE steht für „Accumulated Cyclone Energy“. Der Wert berücksichtigt sowohl die Stärke als auch die Dauer benannter tropischer Stürme. Die Bilanz beschreibt also nicht nur, wie viele Systeme entstanden, sondern auch, wie viel Sturmaktivität sich insgesamt angesammelt hat. Dass der erste Hurrikan erst im Oktober auftrat, bedeutet nicht automatisch, dass sich die gesamte Saison nach hinten verschiebt. Vor allem die sonst aktive Zeit im Spätsommer blieb ungewöhnlich ruhig.
Eine wesentliche Erklärung liefert El Niño. Dabei ist das Wasser im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik wärmer als üblich; zugleich ändern sich großräumige Luftströmungen. Das Climate Prediction Center der NOAA bestätigte am 8. Oktober, dass sich El Niño weiter verstärkt hatte.
Im Atlantik erhöht El Niño häufig die vertikale Windscherung: Windrichtung und Windgeschwindigkeit unterscheiden sich dann zwischen verschiedenen Höhen stärker. Diese Unterschiede können die Struktur eines entstehenden Wirbelsturms stören und Gewitter vom Zentrum wegdrücken. Im östlichen und zentralen Pazifik kann El Niño dagegen günstigere Bedingungen für tropische Wirbelstürme schaffen. Wir haben die Folgen von El Niño für Segler bereits in einem früheren Artikel eingeordnet.
Wie ausgeprägt der Gegensatz ist, zeigen die Zwischenbilanzen des östlichen und zentralen Pazifiks vom 13. Oktober: Der ACE-Wert liegt im östlichen Pazifik bei 216,7, im zentralen bei 108,1. Beide Werte liegen deutlich über dem jeweiligen Durchschnitt für diesen Zeitpunkt. Zusammen ergeben sie 324,8; die Becken werden in der amtlichen Statistik jedoch getrennt geführt. Ein abschließender Saisonrekord lässt sich daraus noch nicht ableiten. El Niño begünstigt das Muster, erklärt aber nicht jeden einzelnen Sturm und nicht jede seiner Auswirkungen.
Die Atlantik-Hurrikansaison endet offiziell am 30. November. Bis dahin bleibt jeder neue Sturm eine eigenständige Lage, die unabhängig von der bislang ruhigen Saison beurteilt werden muss.
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